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BOXEN: Ali in Zürich – ein Zeitzeuge erinnert sich

Am 26. Dezember 1971 kämpfte Muhammad Ali in Zürich gegen den Deutschen Jürgen Blin. Der Fotograf Eric Bachmann (76) erinnert sich nach dem Tod des besten Boxers aller Zeiten.
Thomas Heer
Muhammad Ali 1971 mit seinen Kindern in der Nähe des Üetlibergs «joggend» (oben) und an der Zürcher Langstrasse beim Anprobieren von Wanderschuhen (unten). (Bild: RDB/Eric Bachmann)

Muhammad Ali 1971 mit seinen Kindern in der Nähe des Üetlibergs «joggend» (oben) und an der Zürcher Langstrasse beim Anprobieren von Wanderschuhen (unten). (Bild: RDB/Eric Bachmann)

Thomas Heer

«Am Tag, als der Champ einflog mit seinem 50-köpfigen Tross aus Familie, Betreuern, Kumpeln und Wächtern und Schnorrern, lag Zürich unter einer dichten Nebeldecke, und die Maschine aus New York kreiste noch stundenlang im Ungewissen, so dass die zwinglianischen Zweifler wieder dachten: Muhammad Ali kommt nicht.» Das ist der Texteinstieg, den Peter Hartmann vor gut vier Jahren wählte, als er in der «Weltwoche» seinen Artikel unter dem Titel «Und Muhammad Ali flog über den Üetliberg» veröffentlichte.

Wie hinlänglich bekannt, landete Ali dann sehr wohl noch in Zürich-Kloten. Jener Mann, der in der Geschichte des Sportes die höchste Strahlkraft entwickelte, kämpfte dann am Stephanstag 1971 das erste und einzige Mal in der Schweiz. Sein Gegner hiess Jürgen Blin. Der Norddeutsche Blin plauderte vor dem Fight in die Mikrofone, Ali habe ja nicht viel trainiert und er, Blin, rechne sich deshalb durchaus eine Chance aus. Doch Ali fackelte dann nicht allzu lange mit seinem Gegner. In der 7. Runde kam das Aus, denn Blin ging k. o.

Wie Ali kalte Füsse kriegte

Dieser Kampf ist aus sportlicher Sicht eigentlich nur eine Randnotiz. Viel spannender sind die Geschichten, die sich rund um den Anlass ergaben. Mittendrin war damals auch der bekannte Reportage-Fotograf Eric Bachmann, damals 31-jährig.

Bachmann erinnert sich noch gut an die Begegnungen mit der Boxlegende. «Ich erlebte ihn als sehr menschlichen Typen. Er hatte überhaupt keine Allüren und war ausgesprochen nett zu seinen Kindern, die ebenfalls mit nach Zürich reisten.» Bachmann sagt weiter: «Anfänglich wusste ich nie genau, ob er nun einen Witz machte oder nicht. Zum Beispiel fragte er mich: ‹Ist der Üetliberg der höchste Berg der Schweiz?›»

Wie bereits Hartmanns Titel über seinem «Weltwoche»-Artikel vermuten lässt, spielte der Üetliberg eine zentrale Rolle während des Schweizer Aufenthaltes von Muhammad Ali. Denn der Champion entdeckte den Hügel im Westen der Stadt als ideales Trainingsgelände.

Pech nur, dass die Wege und Pfade teils schneebedeckt waren und Ali in seinen löchrigen Armeestiefeln schnell einmal nasse und vor allem kalte Füsse kriegte. Das ging natürlich nicht. Schuhersatz musste her. Der Boxer hatte sich in ein Paar Wanderschuhe der Marke Raichle verguckt, die einer der Schweizer Betreuer trug. Raichle stand damals für beste Schweizer Wertarbeit. Wo aber nur konnte auf die Schnelle ein solches Paar beschafft werden? Bachmann erinnert sich: «Wir gingen zurück ins Hotel Atlantis, und ich ging davon aus, dass Ali nun duschen geht.» Der Fotograf dachte wohl auch, das Ganze mit den neuen Schuhen sei bereits ausgestanden. Weit gefehlt. «Wie ein kleines Kind bettelte Ali dann darum, die Schuhe nun endlich irgendwo erstehen zu können.»

Im Datsun an die Langstrasse

Gemäss Bachmann fuhr er dann zusammen mit dem Champion, dem Journalisten Walter Bretscher und Alis Trainer Angelo Dundee im kleinen Datsun an die Langstrasse. Bachmann sagt: «Schwitzend, wie Ali ins Auto stieg, waren die Innenseiten der Fenster bald einmal beschlagen. Ich sah kaum noch was und musste die Scheiben mit einem Pullover reinigen.»

Dort angekommen, gings schnurstracks zum Schuhgeschäft Schönbächler. Im Laden probierte Ali dann seine Raichle-Schuhe an. Mit Grösse 47 passten sie bestens zu den Füssen des Boxers.

Ali hatte natürlich in seiner Trainerhose kein Geld mit dabei. Bretscher und Bachmann beglichen die Rechnung, die dann am Ende vom Ringier-Konzern bezahlt wurde – waren Bachmann und Bretscher doch im Auftrag des Zürcher Verlages unterwegs.

Flasche Ballantines als Wetteinsatz

Interessant ist auch, wie der Kampf Blin versus Ali zu Stande kam. Federführend war dabei Hansruedi Jaggi, der Jahre zuvor bereits für grosse Aufregung in der Limmatstadt gesorgt hatte. Denn dem Promoter gelang die Verpflichtung der Rolling Stones. Bekanntlich endete dieses Konzert im Hallenstadion in einer veritablen Saalschlacht. Jaggi soll zu jener Zeit in der Zürcher «Playboy-Bar» mit dem damaligen «Blick»-Gesellschaftsreporter Jack Stark auf das Gelingen des Ali-Deals eine Flasche Ballantines gewettet haben. Auf dem Weg zu Alis Engagement fanden sich aber viele Fallstricke. Nur dank der Hilfe von Jaggis Freund, Rock Brynner, dem Sohn des berühmten Filmstars Yul, gelang es dann, den Boxstar für den Kampf in der Schweiz zu verpflichten.

Er hats erfunden: Joggen mit Kinderwagen. Muhammad Ali 1971 in Zürich. (Bild: (RDB))

Er hats erfunden: Joggen mit Kinderwagen. Muhammad Ali 1971 in Zürich. (Bild: (RDB))

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