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BOXEN: Auf Utenberg fliegen die Fäuste

Der Schweizer Nachwuchs kämpfte in Luzern um Meisterehren. Geschenkt haben sich die Protagonisten dabei nichts, derweil ein kleiner Bub grosse Träume hegt.
Theres Bühlmann
Im Ring geht es auch bei der Jugend ans Eingemachte. (Bilder: Pius Amrein (Luzern, 4. März 2018))

Im Ring geht es auch bei der Jugend ans Eingemachte. (Bilder: Pius Amrein (Luzern, 4. März 2018))

Theres Bühlmann
theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Sich zuerst einmal auf die Waage stellen. Etwas, das bei den ganz Grossen dieser Zunft jeweils ausgiebig zelebriert wird – und wo sich die Protoganisten schon mal böse Blicke oder gar bissige Worte zuwerfen. Dieses Prozedere ging am Wochenende in der Luzerner Utenberghalle, wo die Schweizer Jugendmeisterschaften im Boxen ausgetragen wurden, ganz ruhig über die Bühne. Später dann nahmen die Ring- und Punktrichter ihre Plätze unmittelbar am Ring ein, und auch die Zuschauer suchten sich einen passenden Ort, um die Szenerie möglichst hautnah zu verfolgen.

Knapp über 70 Kämpfer der Jahrgänge 2000 bis 2007 waren in verschiedenen Gewichtsklassen und Kategorien eingeschrieben, darunter auch zwei Frauen. OK-Präsident Massimo De Filippo (46), der auch dem organisierenden Boxing Club Luzern vorsteht, präsentierte, so wie es sich in dieser Gilde gehört, die Finalisten dem Publikum und den Offiziellen. Der eine oder andere tänzelte dabei etwas nervös. Ein Szenario, das einem irgendwie bekannt vorkam. Unter grossem Applaus und mit einem Geschenk wurde bei dieser Gelegenheit der 39-jährige Maziar Hosseinpour verabschiedet. Er hatte für die Luzerner 64 Kämpfe bestritten und setzte nun einen Schlussstrich unter seine Karriere.

Tessiner Kolonie macht sich lautstark bemerkbar

Dann hiess es Ring frei, oder wie sich der Speaker ausdrückte: «Jetzt geht es ans Eingemachte.» Die Kämpfe gingen jeweils über drei Runden, je nach Kategorie dauerte jede Runde 1, 2 oder 3 Minuten. Die Zuschauer fieberten mit, feuerten an, kämpften in Gedanken mit: «Luca komm, jetzt nur nicht aufgeben.» Vor allem die Tessiner Kolonie war nicht zu überhören: «Forza! Mica, forza!». In den Rundenpausen waren jeweils die Betreuer in den roten und blauen Ecken gefragt, sie gaben Anweisungen, massierten Waden oder fächerten ihren Schützlingen mit Handtüchern Luft zu. Alles wie bei den ganz Grossen eben.

Familien als interessierte Zuschauer

Unter den Zuschauern befanden sich viele Angehörige der Akteure. Die Mama zückte das Smartphone, der Papa raufte sich – je nach Situation – die Haare oder klatschte begeistert Beifall, die kleine Schwester begutachtete die Szenerie mit dem Teddy im Arm etwas skeptisch. An dieser Meisterschaft waren auch zwei Luzerner mit von der Partie: der 10-jährige Ledion Berisha aus den Reihen des Boxing Club Luzern in der Kategorie Schüler und Maico Sandoval (17, Boxing Club Bajrami) in der Kategorie Jugend. Der jüngere dieses Duos, mit kunstvoller Zopffrisur, hatte erst im September mit dem Boxen begonnen. Er bestritt am Samstag seine beiden ersten Wettkämpfe, konnte dabei aber (noch) nicht reüssieren und war somit in den Finals nicht mehr vertreten. Als «Trost» durfte er am Sonntag die Medaillen übergeben.

Einmal Profiboxer in den USA werden

Ledion Berisha trainiert dienstags und donnerstags jeweils eineinhalb Stunden, ab und zu aber auch am Sonntag. «Manchmal muss ich Ledion ein bisschen bremsen», sagt sein Vater. «Ich mag halt das Kämpfen», sagt Berisha-Junior. Und er weiss genau, wie seine Zukunft aussehen soll. Kinderarzt möchte er werden und einmal Profiboxer in den USA. «Weil man dann in der Zeitung kommt.» Grosse Träume eines kleinen Buben eben. Maico Sandoval hingegen war im Final dabei, dies durch einen w.o-Sieg am Samstag, und auch sein Tessiner Kontrahent am Sonntag gab Forfait, weil er für diese Kategorie zu jung war, was dem Luzerner dann die Goldmedaille eintrug.

Fitness, Kondition und Spass im Vordergrund

Es waren stimmungsvolle Schweizer Meisterschaften, die der Boxing Club Luzern problemlos über die Bühne brachte. Ein Verein, dem rund 70 Mitglieder angehören, fünf davon bestreiten Wettkämpfe, die restlichen, darunter ein Drittel Frauen, betreiben den Boxsport als reines Hobby. «Wir stellen in den letzten Jahren beim Boxen einen Boom fest», sagte Präsident Massimo De Filippo. Dem Kampf Mann gegen Mann oder eben Frau gegen Frau spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Den meisten geht es dabei um die Fitness, die Kondition oder ganz einfach um den Spass.

Ausser, man will Profiboxer in Amerika werden. So wie der 10-jährige Ledion Berisha ...

Hinweis

Mehr unter: boxingclub-luzern.ch

Auch bei den jungen Frauen geht’s zur Sache: Hier kassiert die Genferin Zohra Bösch eine rechte Gerade der Tessinerin Dana Bianda. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 4. März 2018))

Auch bei den jungen Frauen geht’s zur Sache: Hier kassiert die Genferin Zohra Bösch eine rechte Gerade der Tessinerin Dana Bianda. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 4. März 2018))

Die Medaillensätze und der Pokal stehen bereit. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 4. März 2018))

Die Medaillensätze und der Pokal stehen bereit. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 4. März 2018))

Trainer Tefik Bajrami vom Boxing Club Bajrami erklärt seinem Schützling Maico Sandoval die Marschrichtung. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 4. März 2018))

Trainer Tefik Bajrami vom Boxing Club Bajrami erklärt seinem Schützling Maico Sandoval die Marschrichtung. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 4. März 2018))

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