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BOXEN: Hurrikan wirbelt Bestie weg

Der Luzerner Tefik Bajrami feiert mit 40 Jahren den grössten Triumph in seiner bisherigen Karriere – Weltmeister im Cruisergewicht. Nun hofft der Luzerner auf den ganz grossen Kampf.
Schenkten sich nichts: Tefik Bajrami (links) und der Argentinier Diego Javier Sanabria. (Bilder: Boris Bürgisser (Kriens, 1. April 2017))

Schenkten sich nichts: Tefik Bajrami (links) und der Argentinier Diego Javier Sanabria. (Bilder: Boris Bürgisser (Kriens, 1. April 2017))

Daniel Gerber

regionalsport@luzernerzeitung.ch

«57 Siege, 46 durch K. o. – die letzte Niederlage geht auf das Jahr 2010 zurück», der elegant gekleidete Moderator mit der roten Fliege lässt den Argentinier Diego Javier Sanabria in einem noch grelleren Licht erstrahlen, als das die zwölf Scheinwerfer über dem Boxring ohnehin schon tun. Und der lang gezogene Kampfname «La Bestiaaaaaaa» bei der Vorstellung des 42-Jährigen lässt erahnen, dass der Südamerikaner nicht gekommen ist, um Tefik Bajrami ohne grossen Widerstand zum Weltmeistertitel nach Verson WBU (World Boxing Union) zu geleiten, sondern um seiner Karriere einen weiteren K. o.-Sieg hinzufügen.

Sanabria hält die Hand auf die Brust, als Mezzosopran Iryna Ilnytska die argentinische Hymne vorträgt, während Bajrami tänzelnd den Ring ausmisst. Sein Blick ist fokussiert – auch dann, als seine Frau Angelika sowohl die schweizerische wie auch die albanische Hymne zum Besten gibt. Schon vor dem Kräftemessen sagte der 40-Jährige, dass es auch um Kultur gehe. Entsprechend wurden Flugblätter aufgelegt, die dokumentieren, dass die beiden Sängerinnen zusammen mit einer Pianistin Anfang April als Trio Va Bene in Luzern in der Pfarrei St. Johannes sowie im Schlössli Wartegg auftreten werden und unter anderem Bach, Verdi und Vivaldi interpretieren.

Die Hymnen sind verklungen, die Fighter gehen in ihre Ecke. Rund 600 Fans liefern in der Krienser Krauerhalle eine würdige WM-Atmosphäre.

Ähnlich wie ein Penaltyschütze

45 Minuten zuvor in der Garderobe. Konzentriert geht Bajrami auf und ab. Seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit ist bereits auf den Kampf gerichtet. Ähnlich wie ein Penaltyschütze im Fussball, der alles ringsherum ausblendet. Zwischendurch fallen ein paar Boxsalven in die Sparringsfanghände eines Betreuers. Und sein Bruder Xhavit motiviert ihn dabei ununterbrochen: «Genau! Das ist richtig! Das ist Po­wer! Zeige, dass du der Champion bist.» Dabei geht Bajrami noch immerzu auf und ab. «Die ganze Stadt ist da. Das zeigt Respekt. Es sind gute Leute, die gekommen sind.» Xhavit mahnt gleichzeitig zu Geduld und Lockerheit.

Auf den Knien mitgefiebert

Zurück in den Boxring. Rasch zeigt sich, dass der Argentinier ausgesprochen wendig ist, gut ausweicht und ein paar frühe, gute Schläge austeilt. «In der ersten Runde habe ich kassiert», analysiert Tefik Bajrami nach dem Kampf nüchtern.

Unweit des Rings fiebert sein Bruder Rrahman mit. Er kniet auf dem Boden der Krauerhalle. Es scheint, als würde er jeden Schlag, den Tefik einsteckt, ebenfalls kassieren. «Das war sehr emotional», erinnert er sich später. «Tefik ist mein Bruder, er liebt den Sport, er wartete lange auf diesen Titel.»

Im Ring gewinnt der Luzerner die Überhand. Minutiös coacht Xhavit: «Gute Distanz, der Rest kommt von selbst. Nicht zeigen, dass du schlägst. Links, links. Das sind alles Punkte für dich.» Xhavit vergleicht dies später mit einem Piloten und seinem Co-Piloten. «Er macht seine Arbeit und braucht Unterstützung. Dazu ist ein Coach da.»

Sanabria zermürbt und gezeichnet

Anders sieht es in der Ecke von Sanabria aus. Seine Betreuer reden ungleich weniger, während «The Hurricane», so Bajramis Kampfname, durch die verbale Unterstützung zusehends die Oberhand gewinnt. «Tefik, Tefik, Tefik», skandiert das Publikum, als dem Luzerner eine Tempokombination gelingt. Über die Runden blickt Sanabria aus zunehmen geschwollenen Augen. 23.10 Uhr: Aus, Ende. «La Bes­tia» wirft nach der 7. Runde das Handtuch, zermürbt und gezeichnet von den Schlägen von Bajrami. «Technischer K. o.», lautet das Urteil.

Bajarami ist WBU-Weltmeister im Cruisergewicht. Und das mit 40 Jahren auf dem Buckel. Die Halle zittert, die Fans feiern frenetisch. Nur eine der sieben Runden hatte der Argentinier für sich verbuchen können. Alle anderen gingen an «The Hurricane» Bajrami. Der Luzerner hatte sich auf einen Kampf über zwölf Runden eingestellt, «Sanabria hatte mehr Erfahrung», sagt der 40-Jährige.

Kampf in grösserem Verband wartet

Nun strebe er nach einem höheren Titel in einem der vier grössten Boxverbände. «Vor dem Kampf war mein Gegner auf der Weltrangliste sämtlicher Verbände auf Position 94, ich auf 104.» Durch den Gewinn des WBU-WM-Titelkampfs klettere er nun weiter nach oben, blickt die Nummer eins der Schweiz im Cruisergewicht (bis 90,7 kg) nach vorne. Der Zeitpunkt ist noch offen, möglich, dass dieser Kampf in ungefähr einem halben Jahr sein wird. Doch diese Gedanken sind wohl noch weit weg, als er kurz vor Mitternacht, nachdem er für unzählige Fotos posiert und jede Menge Gratulationen in Empfang genommen hat, lächelnd und innig seine Frau umarmt. Sie hatte still an der Wand stehend beim Kampf mitgelitten.

Mix Gala in Kriens

Krauerhalle (600 Zuschauer). WBU-WM-Kampf im Cruisergewicht (bis 90,7 kg): Tefik Bajrami schlägt Diego Javier Sanabria (Argentinien) durch technischen K. o. nach der 7. Runde.

Rahmenkämpfe. Thaiboxen K1. Bis 76 kg: Nicolas Burkhalter schlägt Lukas Lochmann nach Punkten. – Bis 82 kg: Levent Liechty schlägt Anthony Ford durch technischen K.o. in der 2. Runde. – Bis 75 kg: Yiber Azizi schlägt Alessander Pucci nach Punkten. – Bis 70 kg: Jordan Valdinocci schlägt Maziar Hoseinpour durch technischen K. o. in der 3. Runde.

Boxen. Bis 86 kg: Meriton Shala schlägt Ivan Sakic nach Punkten. – Bis 90,7 kg: Labinot Xhoxhaj schlägt Ramazi Gogiachashvili durch technischen K. o. in der 5. Runde.

Tefik Bajrami lässt sich bei der Urteilsverkündung feiern und nimmt den Weltmeister-Gurt im Cruisergewicht entgegen. Links der geschlagene Diego Javier Sanabria.

Tefik Bajrami lässt sich bei der Urteilsverkündung feiern und nimmt den Weltmeister-Gurt im Cruisergewicht entgegen. Links der geschlagene Diego Javier Sanabria.

Bruder Xhavit (Mitte) stimmt Tefik Bajrami in der Garderobe auf den bevorstehenden Kampf ein.

Bruder Xhavit (Mitte) stimmt Tefik Bajrami in der Garderobe auf den bevorstehenden Kampf ein.

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