BOXEN: Ruhmreich über den Ring hinaus

Die Nachricht des Todes von Muhammad Ali erschüttert nicht nur die Sportwelt. Ali, «der Grösste», der beste Boxer aller Zeiten, wurde 74 Jahre alt.

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Cassius Clay als 20-Jähriger im Training in New York. (Bild: Keystone/Dan Grossi)

Cassius Clay als 20-Jähriger im Training in New York. (Bild: Keystone/Dan Grossi)

sda/sr. «Nach einem 32-jährigen Kampf gegen die Parkinson-Krankheit ist Muhammad Ali im Alter von 74 gestorben», sagte sein Sprecher Bob Gunnell gegenüber NBC News. Der als «The Greatest» (der Grösste) bekannte Schwergewichtsboxer war am Donnerstag wegen Atemproblemen in ein Spital bei Phoenix im US-Bundesstaat Arizona gebracht worden. Sein Sprecher beruhigte noch mit den Worten, Ali werde von einem Ärzteteam betreut und befinde sich in guter Verfassung. Die Sorge um Ali wuchs aber stündlich. Sein Zustand wurde immer kritischer. Ali schaffte es nicht.

Via Twitter schrieb Tochter Hana Ali: «Gott segne dich, Daddy. Du bist die Liebe meines Lebens.» – «Unser Vater war ein bescheidener Riese! Und nun ist er heimgegangen zu Gott.»

Der an Parkinson leidende Ali, dreifacher Weltmeister im Schwergewicht und Olympiasieger im Halbschwergewicht, hatte seine Karriere im Jahr 1981 beendet. In den vergangenen Jahren war er wegen gesundheitlicher Beschwerden mehrfach im Spital behandelt worden – so auch zweimal im Jahr 2014 und einmal im vergangenen Jahr.

Ende 2014 wurde zunächst eine leichte Lungenentzündung diagnostiziert, nach ein paar Tagen stellten die Mediziner jedoch eine schwere Harnwegsinfektion fest. Kurz nach seiner Entlassung hatte sich Ali zur Nachsorge erneut ins Spital begeben müssen. Nach einer Nacht war er wieder entlassen worden. Er litt seit langem an der Parkinson-Krankheit. Der Verdacht auf die Schüttellähmung war 1984 bestätigt worden.

Von Cassius Clay zu Muhammad Ali

Ali gewann 1960 in Rom Olympiagold. Damals hiess er noch Cassius Clay. Erst fünf Jahre später, als er zum Islam übertrat, nahm er den Namen Muhammad Ali an.

Der begnadete Boxer wurde im Februar 1964 erstmals Schwergewichtsweltmeister. Er bezwang damals Sonny Liston und beschrieb seinen eleganten Boxstil mit den Worten: «Schweben wie ein Schmetterling, stechen wie eine Biene.» Weitere zweimal krönte sich Ali danach zum Champion in der Schwergewichtsklasse.

Bitteres Karriereende

Er lieferte in seiner Karriere unvergessliche Kämpfe wie den «Rumble in the Jungle» oder den «Thrilla in Manila». Trotz seiner Rücktrittsankündigung im Juni 1979 zog es Ali noch einmal in den Ring. Er hörte nicht auf die Warnungen von Ärzten und trat im Oktober 1980 gegen Larry Holmes an. Ali verlor nach Kampfabbruch. Seinen 61. und letzten Profikampf (56 Siege) bestritt er ein gutes Jahr später. Wieder verlor Ali, Gegner am 11. Dezember 1981 in Nassau war damals Trevor Berbick.

Verweigerung des Militärdienstes

Der am 17. Januar 1942 in Louisville als Sohn eines Plakatmalers geborene Ali machte aber auch weltweit Schlagzeilen durch seine Verweigerung des Militärdienstes während des Vietnamkriegs. Mit seinem Bekenntnis zum Islam und dem Eintritt in die als politisch radikal eingestufte Gruppierung der Black Muslims hatte Ali zuvor seinen – wie er meinte – «Sklavennamen» Cassius Clay abgelegt und die amerikanische Öffentlichkeit geschockt. Hass aus dem reaktionären Lager schlug ihm entgegen, als er 1967 den Vietnamkrieg öffentlich ablehnte und den Kriegsdienst verweigerte. Ali bewies mit dieser Haltung, dass ihm nicht allein Ruhm im Ring wichtig war. Alis politisches Bekenntnis brachte ihm die Aberkennung des WM-Gürtels, den Entzug der Boxlizenz für dreieinhalb Jahre und eine fünfjährige Gefängnisstrafe ein, die er aber nicht verbüssen musste.

Ali war zeit seines Lebens eine Ikone, sein Ruhm reicht weit über den Boxring hinaus. Er wurde und wird von Topathleten aller Sportarten sowie von Unterhaltungsstars aus der Film- und der Theaterbranche geliebt, von Schriftstellern wie von Politikern oder Wissenschaftlern verehrt.

Als Muhammad Ali 1996, schon gezeichnet von seiner Krankheit, das olympische Feuer im amerikanischen Atlanta entzündete, sorgten die Bilder weltweit für Ergriffenheit. In der Öffentlichkeit zeigte sich Ali in den vergangenen Jahren allerdings immer seltener.

Muhammad Ali wird in seiner Heimatstadt Louisville im amerikanischen Bundesstaat Kentucky beerdigt.