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Der beste Schweizer Turner Pablo Brägger kann wieder Vollgas geben

Vom 25. Oktober bis zum 3. November findet in Katar die WM statt. Mit dabei ist Pablo Brägger. Obwohl er eine schwierige Saison hinter sich hat, blickt der Oberbürer den Titelkämpfen zuversichtlich entgegen.
Philipp Wolf, Magglingen
Waghalsige Übung des besten Schweizer Kunstturners Pablo Brägger. (Bild: Christian Merz/KEY)

Waghalsige Übung des besten Schweizer Kunstturners Pablo Brägger. (Bild: Christian Merz/KEY)

Bisher verlief das Jahr für Pablo Brägger nicht nach Plan. Der Reck-Europameister von 2017 unterzog sich am Ende der vergangenen Saison einer Knieoperation, musste in der Folge lange pausieren, und verpasste die EM in Glasgow, weil ihn Finger- und Handgelenkprobleme bremsten. Trotzdem ist der 25-Jährige guten Mutes für den Höhepunkt des Jahres – die WM in Doha. «Natürlich war es eine Enttäuschung, nicht an der EM teilnehmen zu können. Doch wusste ich von Anfang an, dass ich genug Zeit habe, um mich auf die WM vorzubereiten», sagt Brägger.

Die Verletzungen hinder- ten ihn zwar lange daran, komplette Trainingspensen zu absolvieren, doch versuchte der Ostschweizer, durch gezielte spezifische Übungseinheiten seine Form zu konservieren. Derweil habe er nie Angst gehabt, dass es für die WM am Schluss doch nicht reichen könnte. Viel eher war es für Brägger auf dem Weg zurück ab und zu hart, nicht zu schnell zu viel zu wollen.

Schweizer Meister im Mehrkampf

«Mittlerweile bin ich wieder voll drin und kann uneingeschränkt Vollgas geben,» sagt der St. Galler. Vollgas – das hat schon ganz gut geklappt: Vor gut zwei Wochen holte er sich den SchweizerMeister-Titel im Mehrkampf. Vollends zufrieden war Brägger jedoch noch nicht. Er machte nach dem Titelgewinn deutlich, dass er bis zur WM noch einen Schritt vorwärts kommen muss. Heute ist Brägger zuversichtlich, dass er diesen Schritt rechtzeitig machen wird. Seit den Schweizer Meisterschaften habe er weiter an Sicherheit gewonnen. Zwar sei die ultimative Topform noch nicht erreicht, doch er sagt:

«Ich muss mich nicht verrückt machen.
Die Formkurve stimmt.»

Der Reck-Spezialist geht das Ganze trotz der aussergewöhnlichen Vormonate ruhig an und blickt der WM zuversichtlich entgegen. Er habe bereits viel Erfahrung und wisse vor allem, wie er mit Nervosität während der grossen Wettkämpfe umzugehen habe. Der Ostschweizer weiss zudem, dass in Doha nicht unbedingt mit einem turnsportbegeisterten Publikum zu rechnen ist. Auch wenn er ein engagiertes Publikum bevorzugt, wird ihn die Kulisse nicht weiter stören. «Schliesslich bist du während des Wettkampfs so auf dich und das Team fokussiert. Da spielt die Atmosphäre keine grosse Rolle mehr», sagt Brägger.

Geht es darum, für die WM genaue Ziele zu definieren, ist Brägger zurückhaltend. Der St. Galler möchte keine Platzierungsziele ausgeben, an denen sich Erfolg oder Misserfolg messen liessen: «Mein Ziel ist es, in Topform zu sein, und all meine Übungen gut durchziehen zu können. Wenn mir das gelingt, bin ich sicher schon sehr zufrieden.» Unbestritten ist, dass Brägger den Reckfinal erreichen will. Doch auch in seiner Paradedisziplin relativiert er allfällige Erwartungen. Wenn es um konkrete Platzierungen gehe, so gehe es immer auch um ein Quäntchen Glück. Dieses hat Brägger im vergangenen Jahr beispielsweise gefehlt, als er in Montreal am Reck mit dem vierten Platz eine Medaille knapp verpasste. Falls das Quäntchen Glück in Doha ihm und nicht seinen Konkurrenten in den Schoss fiele, so läge vielleicht eine Medaille drin, sagt der Oberbürer. Eine Medaille würde aus einem unplanmässigen Jahr ein Prachtsjahr machen.

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