Ruder-Weltcup
«Ein solcher Event lebt eigentlich vom Publikum»: Trotz Geister-Regatta zeigt sich der OK-Präsident zufrieden

Aus sportlicher Sicht lief der Ruder-Weltcup in Luzern nicht ganz wunschgemäss, alle Schweizer Boote verpassten das Podest. Aus organisatorischer Sicht zeigte sich der OK-Präsident Andreas Bucher aber rundum zufrieden.

Claudio Zanini
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OK-Präsident Andreas Bucher.

OK-Präsident Andreas Bucher.

Es gab keine grossen Menschenansammlungen am Rotsee, alles schien reibungslos abzulaufen. Sie dürften erleichtert sein.

Andreas Bucher: Das war sicher eine Parforceleistung in diesem Jahr. Ich denke an diese ganzen Coronabedingungen: Masken, PCR-Tests, das Tracing. Das war für uns ein erheblicher Mehraufwand und hat sämtliche Abläufe beeinflusst. Hinzu kam, dass wir zwei Regatten zu veranstalten hatten, zuerst die Olympia-Qualifikation, dann den Weltcup. Es gibt Leute in unserem Team, die waren nun elf Tage am Stück von morgens um 6.30 Uhr bis abends um 8 Uhr auf Platz gewesen.

Die Zuschauer wurden gebeten, zu Hause zu bleiben. Hatten Sie Bedenken, dass das klappen wird?

Nein. Wir pflegen generell einen guten Austausch mit unseren Zuschauern. Am Finaltag waren wohl ähnlich viele Leute am Rotsee wie an einem gewöhnlichen Sonntag am Schweizerhofquai. Deswegen haben wir uns für die Maskenpflicht entschieden.

Ein paar Schaulustige verfolgen am Sonntag die Finalrennen.

Ein paar Schaulustige verfolgen am Sonntag die Finalrennen.

Andy Müller/Freshfocus

Wenn die Zuschauer ausbleiben, bleiben auch die Einnahmen aus. Rechnen Sie mit einem hohen Defizit?

Finanziell steht die Lucerne Regatta grundsätzlich auf einem soliden Fundament. Auf der einen Seite haben wir Sponsoren, auf der andere Seite eine gute Unterstützung – insbesondere durch die Stadt Luzern. Auf Bundesebene gibt es den Fond, der coronabedingte Mehrausgaben teilweise abfedert. Dieses Geld ist zwar noch nicht gesprochen, aber ich gehe nicht davon aus, dass wir ein sechsstelliges Defizit haben werden. Es wird im nächsten Jahr jedenfalls wieder eine Lucerne Regatta geben.

Abgesehen von den Zuschauern: Welches waren in diesem Jahr die grössten Baustellen?

Nebst den schwierigen Umständen durch Corona hatten wir noch sehr schlechtes Wetter. Bei Windverhältnissen wie an der Olympia-Qualifikationsregatta muss man sofort reagieren, um faire Verhältnisse zu schaffen. Wir haben dann den Finaltag vorgezogen, was rückblickend sicher die richtige Entscheidung gewesen war. Wir machten diesen Aufwand ja nicht für uns, sondern für die Athletinnen und Athleten. Und ich denke, dass sie hochzufrieden waren.

Barnabé Delarze und Roman Röösli kurz nach dem verpassten Podestplatz.

Barnabé Delarze und Roman Röösli kurz nach dem verpassten Podestplatz.

Andy Müller/Freshfocus

Die Schweizer Equipe verpasste das Podest. Wie wichtig sind starke Schweizer Boote für diesen Anlass?

Eine Sportart mit starken Schweizer Athleten ist natürlich schöner und einfacher zu organisieren, als wenn das Schweizer Team nicht den Erwartungen entsprechen würde. Schweizer Ruderer bringen letztlich Publikum an den See. Und ein solcher Event lebt eigentlich vom Publikum.