Brillant bis kopflos – Volley Luzern zeigt zwei Gesichter

Volley Luzern bezwingt zu Hause den TSV Jona mit 3:2. Rundum zufrieden sind die NLA-Volleyballer mit dem Auftritt aber nicht.

Stephan Santschi
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Jörg Gautschi, der so emotionsgeladene Libero von Volley Luzern, sass nach Spielschluss auf der Bank und wirkte nachdenklich. So richtig verstanden hatte er noch nicht, was sich während der zwei Stunden davor alles ­ereignet hatte. 3:2 gewann sein Team zwar gegen den TSV Jona, doch der 35-jährige Routinier hielt klipp und klar fest:

«Mich ärgert der verlorene Punkt mehr als die beiden gewonnenen. Es ist megaschade.»

Ein 3:0- oder 3:1-Sieg wird im Volleyball bekanntlich mit drei Punkten belohnt, ein 3:2 allerdings nur mit zwei. Die Enttäuschung bei Gautschi rührte daher, dass am Sonntagabend in der Bahnhofhalle zunächst alles auf einen diskussionslosen Erfolg des Gastgebers hindeutete. Dominik Fort, der Tscheche in Luzerner Diensten, servierte sein Team gleich zu Beginn zu einer 7:0(!)-Führung und gab damit die Marschrichtung vor. Jona, das in der Tabelle auf Rang sieben und damit um zwei Positionen schlechter als Luzern klassiert war, musste sich zwischenzeitlich sogar vorführen lassen. Volley Luzern gelang nämlich praktisch alles – die Aufschläge waren effektiv, die Annahmen sicher, das Aufbauspiel unberechenbar und ausgewogen. 25:17 und 25:16 endeten die ersten beiden Sätze, Luzern führte 2:0. Alles klar also?

Jona entzaubert Luzern mit starker Abwehrarbeit

Mitnichten. Jona zeigte hernach, was Gautschi meinte, als er im Vorfeld davon sprach, dass man den Gegner in die Knie zwingen müsse, weil er sonst wieder aufstehe. «Jona wurde besser und trat wie ein Team auf, das nichts mehr zu verlieren hat», sagte Luzerns Trainer Liam Sketcher und stellte fest: «Wir brauchten zu lange, um uns an die neuen Umstände anzupassen.»

Jona zeigte fortan jene Qualitäten, die ihm in dieser Saison unter anderem einen Sieg gegen Meister Lausanne beschert ­haben. Zaubereien waren dazu nicht nötig, den St.Gallern genügte solides Volleyball-Handwerk. Sie machten kaum mehr Fehler und brachten den Konkurrenten mit einer starken Defensivleistung aus dem Konzept.

Am Ende steht der fünfte Sieg in Serie

Die Lockerheit des Favoriten war nun wie weggeblasen. Aufschläge, die zuvor noch knapp über das Netz strichen, blieben nun darin hängen. Smashes landeten nicht im gegnerischen Feld, sondern am Arm des Verteidigers oder neben der Linie. Gar erstaunlich war, wie oft die Luzerner nach demselben Muster mit ihren Angriffen am Block scheiterten. «Wir dachten wohl, dass es für uns im gleichen Stil weitergeht», bemerkte Sketcher und gab zu, dass man auch ein wenig mit dem Kopf durch die Wand wollte. Jona gewann die Sätze drei und vier mit 27:25 und 25:22, wobei Erinnerungen an das Hinspiel im November wach wurden. Auch damals führte ­Luzern 2:0, gab diese Führung noch preis und siegte letztlich immerhin noch mit 3:2.

Und diesmal? Sah das Drehbuch das gleiche Ende vor. Die Luzerner fingen sich gerade noch rechtzeitig auf, verbesserten sich in den Annahmen und fanden dadurch zu mehr Vielfalt in der Offensive. Auch der Service stabilisierte sich, und so ging das Tiebreak mit 15:9 an die Hausherren. «Das sind zwei wichtige Punkte für uns», gab sich Sketcher versöhnlich. Bemerkenswert: Sein Team hat nun inklusive Cup fünf Partien in Serie gewonnen. Da Chênois unerwartet gegen Amriswil siegte, bleibt Luzern drei Runden vor Qualifikationsschluss aber auf Rang fünf sitzen.

Volleyball NLA Männer

Volley Luzern – Jona 3:2. Schönenwerd – Lutry-Lavaux 3:0. Chênois – Amriswil 3:1. Näfels – Traktor Basel 3:0. – Rangliste: 1. Amriswil 13/34. 2. Schönenwerd 14/31. 3. Lausanne 13/26. 4. Chênois 13/24. 5. Volley Luzern 13/22. 6. Näfels 13/18. 7. Jona 14/16. 8. Traktor Basel 14/5. 9. Lutry-Lavaux 13/4.

Volley Luzern – TSV Jona 3:2

Bahnhofhalle. – 230 Zuschauer. – Spieldauer: 129 Minuten. – Sätze: 25:17, 25:16, 25:27, 22:25, 15:9. – Luzern: Köpfli, Amstutz, Buivids, Gautschi (Libero), Fort, Hepburn, Jucker; Ulrich, Mladenovic, Traagstad, Widmer.