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Prozess in England: Bringt ein früherer Teamarzt die Velostars von Sky in Bedrängnis?

Am Donnerstag beginnt in England vor einer medizinischen Ethik-Kommission ein Prozess, der alte Vorwürfe neu beleuchtet. Denn der Arzt Richard Freeman gab im Vorfeld zu, bisher in dieser Sache gelogen zu haben.
Rainer Sommerhalder
Die Diskussionen um den früheren Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins sind unter Umständen noch nicht ausgestanden. (Nicolas Bouvy/EPA, Paris, 22. Juli 2012)

Die Diskussionen um den früheren Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins sind unter Umständen noch nicht ausgestanden. (Nicolas Bouvy/EPA, Paris, 22. Juli 2012)

In der polnischen Stadt Kattowice suchen in dieser Woche 700 Experten im Rahmen der grossen Welt-Antidoping-Konferenz eine gemeinsame Zukunft gegen Betrug im Spitzensport. Doch das aktuelle Spektakel startet morgen im englischen Manchester. Dort muss ein Ethik-Tribunal darüber befinden, ob Sportmediziner Richard Freeman seine ärztliche Zulassung verliert. Der Prozess soll bis zum 20. Dezember dauern und birgt eine Menge Brisanz.

Denn Freeman ist nicht irgend ein Doktor, er war von 2009 bis 2017 einer der Ärzte des dominierenden Radsportteams «Sky», das seit dieser Saison «Ineos» heisst. Und Freeman hat in einer Anhörung im Vorfeld des Prozesses zugegeben, «in dieser Sache eine Menge Lügen» erzählt zu haben.

Lieferung von Testosteron Gels ins Teamquartier

Die Vorwürfe gegen ihn sind nicht neu. Im Jahr 2011 bestellte Freeman 30 Portionen eines als Dopingsubstanz verbotenen Testosteron-Gels, das früher auch Lance Armstrong benutzt hatte.

Diese Lieferung sei irrtümlich an den Sitz von British Cycling und Team Sky versandt worden, lautete seine Version der Geschichte, die er 2017 gegenüber zwei Untersuchungsausschüssen der nationalen Antidoping-Behörde und des Sportministeriums machte.

Dort ging es zusätzlich um einen mysteriösen Transport von Medikamenten im Frühjahr 2011 an das in Frankreich im Einsatz stehende Profiteam, namentlich an dessen Leader Bradley Wiggins. Und um drei ärztliche Bescheinigungen von Freeman für Tour-de-France-Sieger Wiggins, zwecks einer therapeutischen Ausnahmegenehmigung zur temporären Verwendung eines verbotenen Medikamentes.

Ethisches Fehlverhalten und der Blick auf Salazar

Mangels Beweisen kam es zu keiner Verurteilung. Unter anderem, weil der Laptop von Freeman mit den ärztlichen Aufzeichnungen angeblich 2014 gestohlen wurde. Der staatliche Ausschuss stellte in seinem Schlussbericht aber fest, dass die Verantwortlichen von Team Sky gegen ethische Prinzipien im Sport verstossen hätten.

Mit dem Fall des amerikanischen Leichtathletik-Trainers Alberto Salazar bekam die Diskussion, wo die Grenze zwischen perfektionierter Leistungsoptimierung und Sportbetrug genau verläuft, vor einem Monat neue Nahrung. Und es ist gut möglich, dass die englischen Antidoping-Behörde nach Abschluss dieses medizinische Tribunal den Fall Sky ebenfalls neu aufrollt.

Denn Freeman gab zu, auch die Dopingbekämpfer angelogen zu haben. Seine neuste Version lautet, dass er die Testogels für den privaten Gebrauch des damaligen Sky-Cheftrainers Shane Sutton bestellt habe. Sutton verneint jegliche Kenntnis über das Testosteron. Also nur eine weitere Lüge des psychisch angeschlagenen Ex-Teamarztes? Oder steckt mehr dahinter?

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