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Camaras beeindruckende Reise

Er ist in Senegal geboren und aufgewachsen, zog als Teenager in die USA – und absolviert nun bei Swiss Central Basketball seine erste Profisaison. Am Ziel ist Ibrahima Camara jedoch noch nicht.
Daniel Schriber
Posiert vor der Luzerner Hofkirche: Ibrahima Camara. (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 17. Oktober 2018))

Posiert vor der Luzerner Hofkirche: Ibrahima Camara. (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 17. Oktober 2018))

Ibrahima Camara war 13 Jahre alt, als er in seiner Heimat Senegal mit Basketball begann. Der heute 24-Jährige erinnert sich noch gut an seine ersten Wurfversuche. Er erzählt von einem staubigen Schotterplatz, vom Korb ohne Netz – und von seinen alten, löchrigen Turnschuhen. «Mein Vater musste unsere Familie ernähren.» Für neue Basketballschuhe, wie sie seine amerikanischen Vorbilder trugen, reichte das Geld nicht. Trotzdem hatte Camara eine gute Kindheit, wie er betont. «Wir waren nicht reich, aber wir hatten immer genug zu essen.» Mit «wir» meint er sich selber und seine acht Geschwister, mit denen er in einem Haus etwas ausserhalb des Stadtzentrums von Dakar wohnte. «Da war immer was los!», sagt Camara und lacht.

Je älter und grösser er wurde, desto ernster war es ihm mit dem Sport. Als er mit 16 Jahren die Chance erhielt, nach Amerika zu fliegen, um dort eine Highschool zu besuchen und Basketball zu spielen, zögerte der Teenager nicht lange. Der Abschied aber fiel ihm schwer. «Bis dahin habe ich meine Heimat schliesslich noch nie verlassen.» Am Flughafen weinten alle: Der Vater, die Geschwister – «und natürlich auch ich».

Rebound-Rekord und Uni-Abschluss

Die Tränen trockneten bald. Camara, den alle «Iba» nennen, erhielt ein Zimmer in einer Gastfamilie in Florida und besuchte fortan die «Admiral Farragut Academy» – eine Schule mit Uniform-Pflicht und strengen Regeln. Trotz der neuen Kultur und der fremden Sprache, fand Iba bald Anschluss bei seinen neuen Freunden: «Wenn man so gross ist und in der Mannschaft des Basketballteams steht, fällt man auf.» Ausserdem sei er ein Mensch, der gerne mit einem Lächeln auf andere zugehe. «Das hilft meistens.» Nach dem Highschool-Abschluss erhielt Camara ein Sport-Stipendium an der Universität von New Hampshire. Dass er nach über vier Jahrzehnten den Rebound-Rekord seiner Schule brechen konnte, davon spricht der 2,05-Meter-Mann mit Stolz. In seinen vier Uni-Jahren leiste Camara aber auch abseits des Spielfelds ganze Arbeit: Er machte seinen Abschluss (Internationale Beziehungen und Betriebsökonomie) und holte sich sein Rüstzeug für die Karriere nach dem Sport. «Wenn ich irgendwann nicht mehr Basketball spiele, träume ich von einem Job bei der UNO.»

Nun will sich Camara aber voll und ganz auf den Sport fokussieren. Anfangs September stiess Camara zu Swiss Central Basketball, um hier seine Profi-Karriere zu lancieren. «Wenn mir vor ein paar Jahren auf dem staubigen Schotterplatz in Dakar jemand gesagt hätte, wohin mich dieser Ball überall hinführen würde – ich hätte ihn wahrscheinlich ausgelacht.» Dass er heute seinen Lebensunterhalt mit Basketball verdienen kann, sei ein Traum. «I feel blessed», sagt der gläubige Muslim. «Ich fühle mich gesegnet.»

Basketball-Camp in der Heimat

Camaras grosses Ziel ist es, irgendwann in einer stärkeren Liga Fuss zu fassen. Irgendwo, wo Basketball mehr Popularität geniesst, wo er auch mehr verdienen kann. «Ich möchte meiner Heimat etwas zurückgeben.» Im vergangenen Sommer hat er in Dakar ein Basketball-Camp für Kinder und Jugendliche organisiert. Fast ohne Mittel, aber mit viel Herzblut. Unterstützt wurde er von Freunden und ehemaligen Mitspielern aus den USA, die ihre alten Basketballschuhe für das Camp zur Verfügung stellten. Über eine Spendenplattform hat er zudem einige Dollars gesammelt, um allen Kindern ein T-Shirt schenken zu können.

Camaras Augen leuchten, wenn er von seinem «ICSC» (Iba Camara Basketball Camp) erzählt. «Es war ein tolles Gefühl, all die strahlenden Kindergesichter zu sehen.» Geht es nach ihm, soll es schon bald eine zweite Ausgabe seines Sommer-Camps geben. Zuerst aber will der 24-Jährige «Rookie» in der Schweiz seine Arbeit erledigen. Nach drei Niederlagen zum Saisonstart, sei es heute Samstag gegen die Riviera Lakers endlich Zeit für den ersten Sieg, sagt der SCB-Center.

Es wäre ein weiterer kleiner Schritt in der beeindruckenden Reise des Ibrahima Camara.

Hinweis
NLA, Samstag, 18 Uhr (Maihofhalle): Swiss Central – Riviera Lakers.

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