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Carl Lewis ruft zur Revolution gegen die Diamond League auf

Die Diamond League speckt 2020 ab. Doch die Kürzung des Programms sorgt bei den betroffenen Athleten für Empörung.
Jürgen Magh (SID)
Carl Lewis schlägt vor, mit dem IOC zu verhandeln. (Bild: Patrick Smith/Getty Images, Lima, 7. August 2019)

Carl Lewis schlägt vor, mit dem IOC zu verhandeln. (Bild: Patrick Smith/Getty Images, Lima, 7. August 2019)

Der Aufschrei in der Leichtathletikszene war gross, zahlreiche Betroffene reagierten mit Empörung auf die Kürzung des Programms der Diamond League von 32 auf nur noch 24 Disziplinen. «Das vernichtet die Karrieren der Sportler, die auf diese Wettbewerbe spezialisiert sind», schimpfte Kenias Weltmeisterin Beatrice Chepkoech, die 2018 beim DL-Meeting in Monaco den Weltrekord über 3000 m Hindernis auf 8:44,32 Minuten verbessert hatte.

Gar zur Revolution rief der frühere US-Star Carl Lewis auf. «Ich habe schon 1997 gesagt, dass die Golden/Diamond League ein Desaster für den Sport ist. Die einzige Hoffnung für alle Athleten ist, das Verbandssystem zu verlassen und mit dem IOC zu verhandeln», twitterte der vierfache Olympiasieger von Los Angeles 1984.

Der Weltverband IAAF hatte die Entscheidung der Generalversammlung der Diamond League und der Meetingdirektoren am Mittwoch verkündet. «Unser Ziel ist eine schnellere, spannendere globale Liga, die das Schaufenster unserer Sportart ist», sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe, «eine Liga, die die TV-Sender übertragen und die Fans sehen wollen.»

Laufen abseits der Fernsehbilder

Betroffen sind von den Streichungen auch Diskus-Olympiasieger Christoph Harting und Hindernis-Europameisterin Gesa-Felicitas Krause, die im kommenden Jahr nur noch abseits der TV-Bilder laufen wird. «Wir müssen jetzt schauen, dass wir die Läufe mit starker Konkurrenz finden», sagte Krauses Trainer Wolfgang Heinig. Wegen des Geldes nur noch Flach- strecken in der Diamond League zu laufen, sei «keine Option. Der Formaufbau darf nicht vom Geld bestimmt werden.»

Neben Hindernis und Diskus zählen auch die 200 m und der Dreisprung nicht mehr zu den Disziplinen, in denen DL-Gesamtsieger gekürt werden. Die IAAF teilte dazu mit, dass Hindernis, Diskus und der Dreisprung als unbeliebteste Disziplinen ausgemacht wurden. Die 200 m wurden aufgrund der hohen Belastung für Sprinter im Olympiajahr gestrichen. Dies stösst auf besonderes Unverständnis, ist doch diese Distanz durch die Präsenz von Noah Lyles ein Publikumsmagnet. Der US-Star gilt als erster Kandidat auf die Popularitätsnachfolge für den zurückgetretenen Usain Bolt aus Jamaika. Lyles verschlug es offenbar die Sprache. «Wow, keine 200 m», twitterte er kurz und prägnant.

Die Nutzungsanalysen werfen durchaus Fragen auf. So wurden online repräsentative Umfragen in China, Frankreich, Südafrika und den USA durchgeführt, nach den Meetings 2019 in Belgien, Großbritannien und der Schweiz Zuschauer befragt und die Klickzahlen der Social-Media-Videos auf der Diamond-League-Seite herangezogen. Athleten selbst wurden aber offenbar nicht mit einbezogen.

Keine der vier Disziplinen in Zürich bei den Finals

Bei zehn der 15 Diamond-League-Meetings werden nun zwar noch Rennen über 3000 m Hindernis und 200 m stattfinden, je fünf bei den Männern und Frauen. Diese werden jedoch nicht mehr in den 90-minütigen Livesendungen gezeigt. Für Diskus und Dreisprung gibt es sogar jeweils nur noch eine Startgelegenheit. Keine der vier Disziplinen ist Teil des Diamond-League-Finals in Zürich am 11. September.

Die aussortierten Wettbewerbe werden nunmehr im Rahmen der Meetings der globalen Continental Tour ausgetragen. «Das soll den Athleten die Möglichkeit geben, sich intensiv zu messen und Preisgelder zu verdienen», sagte Sebastian Coe. Die Gesamtsieger dieser acht Disziplinen werden wie auch die in der Diamond League eine Wildcard für die kommende WM 2021 in Eugene/Oregon erhalten.

Dreisprung-Olympiasieger Christian Taylor: «Das schadet dem Sport»

Dreisprung-Olympiasieger Christian Taylor (USA) hat verärgert auf die Streichung mehrerer Disziplinen aus der Diamond League reagiert und als Konsequenz eine neue Interessenvertretung gegründet. «Ich bin unglaublich enttäuscht, dass der Weltverband und die Diamond League noch mehr Disziplinen aus dem Programm genommen haben», schrieb Taylor in einer Stellungnahme. Er sei bereits seit längerer Zeit mit einigen Leichtathleten in Diskussionen, wie man mehr Mitsprache bei der Gestaltung der Zukunft der Sportart bekommen könne. «Es ist Zeit für eine echte Veränderung. Ich werde mich nicht mehr zurückhalten. Unser Sport dreht sich um Einheit und Vielfalt. Die Disziplinen zu trennen, kann nur den Sport schädigen.»

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hatte die Kürzung des offiziellen Programms der Diamond League von 32 auf 24 Wettbewerbe am Mittwoch bekannt gegeben. Betroffen sind von den Streichungen Dreisprung, Diskuswurf, 3000 m Hürden und die 200 m. Seitdem hat sich eine Vielzahl von Athleten über diesen Schritt empört. «Das vernichtet die Karrieren der Sportler, die auf diese Wettbewerbe spezialisiert sind», erklärte beispielsweise Kenias Hindernisweltmeisterin Beatrice Chepkoech.

«Ist das euer Ernst?», fragte die zweimalige 200-m-Weltmeisterin Dafne Schippers. Taylors Interessenvertretung «The Athletics Association» fordert mehr Rechte für Sportler. Man wolle «ultimativ» einen Platz am Entscheidungstisch und Mitsprache dabei, wie der Sport weiterentwickelt werden könne, ohne «den Kern herauszureissen». (sid)

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