Chamer Fussball-Talent Bradley Fink sorgt in Dortmund für Aufsehen

Im Sommer wechselte der 16-jährige Bradley Fink vom FC Luzern zu Borussia Dortmund.

André Dommann
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Der Chamer Bradley Fink im Dress von Borussia Dortmund.

Der Chamer Bradley Fink im Dress von Borussia Dortmund.

Bild: Getty (Dortmund, 17. September 2019)

Bradley Fink, eines der zurzeit grössten Talente im Schweizer Fussball, wechselte im Sommer 2019 vom FC Luzern zum BVB nach Dortmund, um den nächsten Entwicklungsschritt zu machen. Da der ehemalige Chamer Junior noch bis Ende Juni in den Cup- und Meisterschaftsfinalspielen für die U16 des FC Luzern im Einsatz gewesen war, hatte ihm der BVB einen um zwei Wochen späteren Einstieg in die Saisonvorbereitung angeboten. Der Schweizer U17-Nationalspieler wollte jedoch von Anfang an mit dabei sein und rückte so wie seine neuen Mitspieler am 8. Juli 2019 zur Saisonvorbereitung ein.

«Wir hatten ohnehin schon recht wenig Zeit, um uns aneinander zu gewöhnen, und ich wollte einfach von Anfang an Zeichen setzen, dass ich mir keine Extrawürste rausnehme und im Team voll mitziehe», erklärt Fink, der zunächst vom Tempo in Deutschland überrascht war. «Während der ersten drei bis vier Trainings bin ich ob dem höheren Tempo und der Intensität schon etwas erschrocken. Aber dann konnte ich mich doch recht rasch daran gewöhnen.»

Da weht ein ganz anderer Wind

Sehr rasch wurde klar, dass Deutschland den Fussball anders lebt und das Umfeld auch ein anderes ist. Allein der Betreuerstab für die U17 umfasst neun Personen, und da ist noch nicht einmal der Talentmanager dabei, der das Bindeglied zwischen Nachwuchs und 1. Mannschaft ist. Und diese Quantität hat auch enorme Qualität. «Es mangelt uns Spielern an absolut nichts, unser Umfeld ist top professionell.»

Vor allem die zweimal wöchentlich angesetzten positionsspezifischen Stürmertrainings haben es Fink angetan, ebenso die Matchanalysen mit dem Talentmanager Otto Addo. «Nach jedem Spiel sitzen wir zusammen und analysieren zu zweit das letzte Spiel, und er gibt mir wertvolle Tipps zur Verbesserung», zeigt sich Bradley Fink von der individuellen Betreuung begeistert.

Auch medial weht in Deutschland ein anderer Wind: «Ich bin fast etwas erschrocken, als ich nach den Leistungstests am zweiten Trainingstag bereits ein Interview für die Ruhrnachrichten geben durfte», sagt Bradley Fink. Die vielen Berichte in diversen Medien und Foren habe er zwar mitbekommen, Druck lasse er sich aber nicht aufladen: «Klar wurde die Erwartungshaltung geschürt, das habe ich auch bei den Posts von vielen BVB-Fans gemerkt, aber mein Entwicklungsplan ist ein mittel- bis langfristiger, im Normalfall also jetzt noch zweienhalb Jahre Feinschliff im Nachwuchs.»

Die ersten Wochen und Monate standen im Zeichen des Kennenlernens und Eingewöhnens. Als Spiegelbild dient da wohl am besten das Vorbereitungsturnier, der U17-Bundesliga-­Cup: «Am ersten Turniertag lief gar nichts, das Zusammenspiel fand nicht statt, ich war als Stürmer isoliert und völlig frustriert. Wir wären fast aus dem Turnier ausgeschieden.» Am zweiten Tag sei alles wie verwandelt gewesen, das Kombinations- und Zusammenspiel funktionierte plötzlich, Dortmund erreichte den Halbfinal, der erst im Penatyschiessen verloren wurde. Fink wurde Torschützenkönig des Turniers. «Da sahen wir auch das Potenzial der Mannschaft.» Anlaufschwierigkeiten seien aber auch normal, so Fink. «In Luzern war der Kern des Teams neun Jahre zusammen, da kannten meine Mitspieler meine Laufwege blind. Das muss hier alles noch wachsen, wird aber mit jedem Training und jedem Spiel besser.»

Ein Daheim weg von daheim

In Dortmund schläft Fink vier Nächte pro Woche im Internat mit 24 Spielern aus drei BVB-Nachwuchsteams. Eine Umgewöhnung: «Mit Ausnahme von Trainingslagern war ich noch nie länger von daheim oder von meinen Eltern weg gewesen. Ich wurde aber gut aufgenommen, wir haben zwei Top-Köche im Team, die uns sportlergerechte Nahrung zubereiten.» Das Zimmer gleich auf dem Trainingsgelände zu haben, habe auch viele Vorteile, so Fink. Er könne schnell mal auf den Platz, im Footbonaut, einer Trainingsmaschine das die Handlungsschnelligkeit trainiert, oder im Fitnessraum trainieren. «Und diese Möglichkeiten nutze ich auch.» Von Donnerstag bis Sonntagabend wohnt Fink jedoch am Phoenixsee, keine zehn Minuten Fahrzeit vom BVB-Trainingsgelände entfernt. «Dort haben meine Eltern eine kleine, aber feine Wohnung gemietet. Meine Mutter ist fast immer vor Ort, und mein Vater kommt an den Wochenenden nach Deutschland». Diese regelmässige familiäre Zusammenkunft ist für Fink sehr wichtig. So kann er abschalten und Kraft tanken.

Viel zusätzliche Arbeit am Gymnasium

Ein paar Herausforderungen gab es im ersten halben Jahr am Gymnasium in Brackel zu meistern. Vor allem das Überspringen der 10. Klasse brachte viel zusätzliche Schularbeit mit sich. Um in absehbarer Zeit bei den Profis regelmässig mittrainieren zu können, muss Fink das Gymnasium zeitnah abgeschlossen haben, da sich Schulzeiten und Trainings der Profis überschneiden. «Das ist kein Honiglecken – auch weil ich durch die U17-Nati viele Absenzen habe. Aber es ist machbar, und im Sommer 2021 habe ich es hinter mir.»

In der Meisterschaft der Bundesliga-U17-Gruppe West läuft es Dortmund gut. «Da unsere Gruppe den Titelverteidiger stellt, qualifizieren sich zwei Teams aus der Westgruppe für die Meisterschaftshalbfinals, zu denen sich die Sieger der Gruppen Nord und Südwest (mit Bayern München) hinzugesellen», erklärt Fink. Im Moment sind die Dortmunder zwei Punkte hinter dem 1. FC Köln und drei Punkte vor Mönchengladbach auf dem 2. Rang, der für die Halbfinalqualifikation reichen würde. In der Torschützenliste fehlen Bradley zurzeit drei Tore auf Rang 1 – auch weil er wegen einer Rotsperre drei Spiele verpasste. «Da kam ich beim Pressing mal etwas zu spät und kassierte eine allerdings harte Rote. Meine erste in all den Jahren. Somit können wir dahinter auch einen Haken machen», kann Bradley Fink das Missgeschick mittlerweile mit Humor nehmen.

Sieben Tore in sieben Spielen in der U17-Nati

Die seltenen Besuche in der Schweiz geniesst Fink besonders. «Weil die Nati-Termine im Herbst mit Ausnahme der beiden Länderspiele gegen Österreich nur im Ausland stattfanden, bin ich halt selten in der Heimat.» In der U17-Nationalmannschaft läuft es dem Stürmer besonders gut. So konnte er letzten Herbst in sieben Länderspielen sieben Treffer erzielen. «Wir haben eine Top-Truppe und realistische Chancen, uns für die EM-Endrunde in Estland zu qualifizieren, sofern wir alle unser höchstes Niveau erreichen», ist Fink von der Qualität seiner Mitspieler überzeugt.

Ein zusätzlicher Bonus bei den Nati-Terminen ist natürlich, dass er dann wieder mit vielen Freunden vom FC Luzern, die regelmässig im Aufgebot sind, zusammenkommt. «Es ist immer wieder super, die Jungs zu treffen, mit denen ich so viele Jahre gespielt habe.»

Heimat ist aber auch das Chamer Eizmoos, «wo ich das Fussball-ABC gelernt habe, wo alles angefangen hat». So war es auch Anfang Januar, als Fink mit seinem Personaltrainer Björn Schulz, mit dem er schon seit Sommer 2015 zusammenarbeitet, die Vorbereitung auf die Rückrunde mit zwei Einheiten pro Tag begonnen hat.

Der Dank geht auch an den SC Cham

Fink sagt: «Ich bin dem SC Cham und vor allem Pius Limacher und Manuela Wigger besonders dankbar, dass sie es mir ermöglicht haben, meine Trainingseinheiten auf dem Kunstrasen im Eizmoos bei besten Bedingungen durchzuführen. So kann ich schon mal mit etwas Vorsprung ins Mannschaftstraining einsteigen. Wenn du besser sein willst als die anderen, musst du mehr machen als die anderen», ist sich Bradley den Anforderungen bewusst, um im harten Konkurrenzkampf des Profifussballs bestehen zu können.

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