Champions League
Die Magie des Manchester-Sieges ist erloschen: Drei Erkenntnisse nach dem 0:1 von YB bei Atalanta Bergamo

Trainer David Wagner mag sein YB für einen bescheidenen Auftritt nicht kritisieren. Die Hoffnung von YB liegt nun auch im heimischen Kunstrasen. Eine Analyse nach einem für die Berner ziemlich ernüchternden Champions-League-Abend.

Etienne Wuillemin
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Tor für Atalanta Bergamo in der zweiten Halbzeit: Jubel bei den Spielern und Fans...
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...während YB's Meschack Elia die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben steht.
Zweite Halbzeit: Hier hält Torhüter David von Ballmoos noch.
Merih Demiral (Bergamo) gegen Jordan Siebatcheu (YB)
Zu Ende der ersten Hälfte kommt Atalanta zu einer ersten Chance: Toloi bringt den Ball in den Strafraum, wo Zapata und Pessina, der besser steht, den Ball nicht richtig treffen. Keine Probleme für David Von Ballmoos.
Nicolas Moumi Ngamaleu (YB) gegen Rafael Toloi (Bergamo)
Matteo Pessina (Bergamo) gegen Jordan Siebatcheu (YB)
David Wagner, Trainer der Young Boys.
Nicolas Moumi Ngamaleu (YB) gegen Davide Zappacosta (Bergamo). Das Heimteam zeigt den Young Boys, wie offensiv es ausgerichtet ist
Die YB-Fans sind bereit.
Die Mannschaften kommen aufs Spielfeld

Tor für Atalanta Bergamo in der zweiten Halbzeit: Jubel bei den Spielern und Fans...

Peter Schneider / KEYSTONE

Ein paar Minuten dauert dieser Champions-­League-Abend noch. Ein paar Minuten der Hoffnung. Ein paar ­Minuten, um doch noch irgendwie ein Tor zu erzielen. Allein, YB kommt nicht einmal in die Nähe des Tores von Atalanta Bergamo. Wie den ganzen Abend schon. Zum Schluss versucht sich noch Martins aus grosser Distanz, es hat etwas von Verzweiflung. Der Ball fliegt übers Tor.

Es bleibt darum bei ­diesem 0:1 und der Erkenntnis: YB erhält im Norden Italiens eine Lehrstunde. Gewiss nicht ganz so dramatisch wie das Nationalteam an der EM in Rom, aber die Magie aus dem verheissungs­vollen Auftakt gegen Manchester United, ­diesem vielumjubelten 2:1-Sieg, ist bereits ein wenig erloschen.

YB-Trainer David Wagner und der Verzicht auf kritische Worte

Trainer David Wagner versucht in der Aufarbeitung, das Gute zu betonen: «Wir gehen hier erhobenen Hauptes», sagt er. Das mag sein, weil seine Mannschaft leidenschaftlich kämpft und verteidigt. Weil die Organisation nie verloren geht, egal wie gross der Druck von Atalanta auch ist. Und doch hätte man von YB ein bisschen mehr erwarten dürfen. Den Mut, wenigstens ab und zu den Weg nach vorne zu suchen. Souveränität und Sicherheit im Spiel mit dem Ball. «Wir wussten, dass wir leiden müssen, so ist es gekommen. Nun lernen wir daraus und freuen uns aufs Rückspiel», sagte Wagner noch. Ein paar kritische Worte hätten es schon sein dürfen.

Lobt sein Team für die Leidenschaft: David Wagner.

Lobt sein Team für die Leidenschaft: David Wagner.

Urs Lindt / freshfocus

Natürlich, die Klasse von Atalanta Bergamo ist unbestritten. Es gibt Gründe, warum das Team zuletzt dreimal Dritter der Serie A war, ­und warum es in der Champions League einmal erst im Viertelfinal (gegen Paris) und einmal im Achtelfinal (Real Madrid) scheiterte.

Mit einer Mischung aus Wucht und spielerischer Klasse überfährt Atalanta an einem ­guten Tag auch viele Topklubs Europas. Dass ein Team wie YB darob überfordert ist, kann vorkommen. Vor allem dann, wenn Atalanta mit vollster Konzentration und Ernsthaftigkeit antritt. So ganz anders eben als Manchester vor gut zwei Wochen.

Der Schweizer Nationalspieler Remo Freuler, auch gestern wie gewohnt einer der Leader Atalantas, resümiert zufrieden: «Für uns zählte nur eines: der Sieg. Und es ist keine Frage, dass er verdient ist.» Man darf gespannt sein, wie sich Freulers Team bei Manchester United schlägt, «wir fahren dorthin, um zu gewinnen», kündigt Freuler schon einmal an. Das Selbstvertrauen ist Kraft der Vergangenheit durchaus berechtigt.

Der YB-Vorteil in Europa: Kunstrasen!

Wenn es nach diesem Abend eine gute Nachricht aus YB-Sicht gibt, dann diese: noch immer ist alles möglich in dieser Gruppe F. Klar ist einzig, dass es gegen Villareal am 20. Oktober eine erhebliche Steigerung braucht. Vielleicht hilft es ja dann wieder, dass die YB-Gegner auf der europäischen Bühne den Kunstrasen im Wankdorf für gewöhnlich nicht allzu innig lieben.

Das Erstaunliche an diesem Spiel gestern ist, dass es YB fast 70 Minuten lang gelingt, das 0:0 zu halten. Als Atalanta das erste Mal jubelt, weil der frühere FCZ-Verteidiger Berat Djimsiti den Ball über die Linie drückt, meldet der ­Videoschiedsrichter ein Abseits. Kurz vor der Pause verpasst Matteo Pessina ganz allein vor dem starken David von Ballmoos das sichere Tor.

Nach dem Seitenwechsel nimmt der Druck der blau-schwarzen Hausherren noch einmal zu. Bis Pessina doch noch trifft. Dass dem Treffer ein ziemlich unnötiger Fehler von Lauper vorangeht, ist für YB bitter. Aber das Tor ist folgerichtig. Die Berner kommen während 90 Minuten nur zu einer einzigen Chance, Elia vergibt sie nach knapp einer halben Stunde. Selbst an ein Aufbäumen zum Ende ist kaum zu denken. Atalanta bringt den Sieg ohne jegliche Probleme ins Ziel. Und das ist dann doch ziemlich ernüchternd.

Telegramm

Atalanta Bergamo – Young Boys 1:0 (0:0)

Gewiss Arena. – SR. Brych (Deutschland). Tor: 68. Pessina 1:0.

YB: Von Ballmoos; Hefti (82. Maceiras), Camara, Lauper, Garcia; Aebischer (82. Spielmann), Martins, Sierro (69. Mambimbi): Elia (66. Rieder), Ngamaleu; Siebatcheu (66. Kanga). – YB ohne Zesiger, Fassnacht, Nsame, Lustenberger (alle verletzt).

Immer wieder verpasst Atalanta ein Tor knapp.

Immer wieder verpasst Atalanta ein Tor knapp.

Urs Lindt / freshfocus

Die Stimmen zum Spiel:

Michel Aebischer: Wir haben solidarisch und gut verteidigt. Sie kamen zwar zu einigen Chancen, aber alles kann man nicht verhindern. Mit dem Ball waren wir zu ungenau, unsere Pässe waren nicht sauber genug. Aber insgesamt war das kein schlechtes Spiel. Und drei Punkte aus zwei Spielen lassen sich sehen.

Remo Freuler: Wir wussten, dass es gegen YB nicht einfach wird. Sie sind vorne schnell, da muss man auf der Hut sein und fehlerlos spielen. In der zweiten Hälfte haben wir dann schneller gespielt, mit zwei Ballkontakten. Heute ging es etwas länger, bis wir zum Torerfolg kamen, aber schlussendlich haben wir verdient gewonnen. Mit vier Punkten sind wir zufrieden und die nächsten Spiele gegen Man United wollen wir auch gewinnen.

David Wagner: Wir gehen erhobenen Hauptes aus Bergamo. Wir haben gegen einen bockstarken Gegner gespielt. Gegen Atalanta muss 100 Prozent stimmen und bei uns waren es nur 95. Wenn Elia trifft, könnte das Spiel eine andere Wendung nehmen. Wir wussten, dass wir leiden werden müssen. Die Jungs haben leidenschaftlich verteidigt und unser Goalie war super.

Der Liveticker zum Nachlesen:

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