COMEBACK: Das grosse Misstrauen gegenüber Armstrong

Die Anti-Doping-Experten trauen Lance Armstrong nicht über den Weg. Sogar mit dem Tour-Ausstieg droht die ARD, falls der siebenfache Sieger zurückkehrt.

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Glaubwürdig oder nicht? Der Texaner Lance Armstrong. (Bild Keystone)

Glaubwürdig oder nicht? Der Texaner Lance Armstrong. (Bild Keystone)

Als «gläserner Athlet» will Lance Armstrong (37) auf die grosse Radsportbühne zurückkehren, doch die Anti-Doping-Experten glauben dem Texaner kein Wort. 

«Das ist eine reine Show-Aussage von ihm», sagte Chefaufklärer Werner Franke und fuhr schweres Geschütz gegen den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger auf: «Es gibt sechs positive Befunde von ihm. In jeder anderen Sportart wäre er gesperrt worden. Für mich ist er positiv.»

Comeback wirft viele Fragen auf
Dass Armstrong die Doping-Richtlinien einst mit Füssen getreten hat, deutete Dick Pound, der frühere Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), an: «Wenn Armstrong denkt, dass sich durch seine Rückkehr alle dunklen Wolken verziehen, so wird er dennoch den gleichen Fragen wie damals begegnen. 

Sein Comeback wirft mindestens so viele Fragen auf, wie es beantwortet», sagte er. «Er muss immer noch erklären, warum sechs seiner Proben positiv auf Epo getestet werden konnten.»

Ähnlich wie bei Franke hat die grosse Comeback-Show von Armstrong an der Seite des früheren US-Präsidenten Bill Clinton vielerorts alles andere als Freudentänze nach sich gezogen. Die ARD zeigte sich jedenfalls «not amused» und könnte als Folge des Armstrong-Comebacks möglicherweise komplett aus der Tour-Berichterstattung aussteigen.

«Ein Radrennfahrer der alten Zeit»
«Wir legen keinen grossen Wert auf seine Rückkehr. Er ist ein Sportler der alten Zeit des Radsports. Wir hoffen, dass sich die Situation noch anders darstellen wird, als es jetzt aussieht», sagte ARD-Pressesprecher Peter Meyer.

Inwieweit die angekündigte Rückkehr Armstrongs Einfluss auf die Entscheidung der Intendanten hinsichtlich einer möglichen Fortführung der Tour-Berichterstattung hat, liess Meyer offen. «Ich kann mir vorstellen, dass es mit in die Entscheidung einfliesst», sagte Meyer. 

«Wir warten ab, wie sich der Tourveranstalter bei diesem Thema positionieren wird.» In dem Punkt sollte sich der Sender aber keine grossen Hoffnungen machen. Tour-Chef Christian Prudhomme sieht jedenfalls keine Hindernisse, «wenn er sich dem Anti-Doping-Reglement wie jeder andere Fahrer unterwirft».

SF wartet ab
Wie SF-Mediensprecher Marco Meroni auf Anfrage unserer Zeitung sagte, warte das Schweizer Fernsehen das Saisonende ab. «Nach der Rad-WM analysieren wir die Situation. Derzeit ist ein Ausstieg aus der Tour-de-France-Berichterstattung für uns kein Thema.» 

Meroni wies darauf hin, dass die ARD bereits bei der vorletzten Tour ausgestiegen sei. «Wir sind dabeigeblieben und haben die Rundfahrt in Sachen Doping kritisch verfolgt.»

sid/dw