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COMEBACK: Die Glücksmomente findet sie wieder auf dem Platz

Maria Scharapowa war die bestverdienende Sportlerin der Welt, ehe sie durch eine Dopingsperre gebremst wurde. Jetzt ist die Tennisspielerin zurück – und wie.
Jörg Allmeroth, Stuttgart
Die Rückkehr verläuft nach Wunsch: Maria Scharapowa siegt zum zweiten Mal in Stuttgart (Bild: KEYSTONE/EPA/RONALD WITTEK)

Die Rückkehr verläuft nach Wunsch: Maria Scharapowa siegt zum zweiten Mal in Stuttgart (Bild: KEYSTONE/EPA/RONALD WITTEK)

Es war kurz vor zehn Uhr abends, als Markus Günthardt am Mittwoch einen leicht ungläubigen Blick auf die Szenerie in seinem Medienzentrum warf. Was der Schweizer Direktor des Stuttgarter Tennis-Turniers da sah, erinnerte an die Momente nach einem Grand Slam-Final – die vollbesetzten Interviewplätze, die Armada von Kamerateams und Fotografen. «Wir sind auch hier ausverkauft», scherzte Günthardt, bevor Maria Scharapowa, ganz in Schwarz gekleidet, den Raum betrat. Keine strahlende Pokalheldin erschien. Aber auch ganz und gar keine gewöhnliche Erstrundengewinnerin. «Es ist ein grosser Glücksmoment, zurück zu sein», sagte Scharapowa, «der Tennisplatz da draussen, das ist immer meine Welt gewesen.»

Und was kann man nun von diesem Auftritt des gefallenen Superstars, von diesem Début nach abgesessener Dopingsperre halten? Vielleicht das Beste aus Scharapowas Sicht ist die Tatsache, dass sich das grösste Spektakel und Drama bloss rund um dieses «Comeback des Jahres» entfaltete. Auf dem Centre Court aber, beim grundsoliden 7:5, 6:3-Auftakterfolg gegen Roberta Vinci, wirkte Scharapowas Performance so, als wäre die Zeit eingefroren gewesen. Die Russin zeigte, was sie schon immer stark gemacht hat, die knallharten Returns und Grundschläge, mehr aber noch die unheimliche Intensität als Wettkämpferin. Die Attitüde, um jeden einzelnen Punkt mit höchster Leidenschaft kämpfen zu wollen. Auch gestern im Zweitrundenspiel liess sie ihrer Gegnerin Jekatarina Makarowa keine Chance.

Als man Scharapowa im Januar 2016 der unerlaubten Einnahme des Mittels Meldonium überführte und sperrte, hatte sie erst einmal Distanz zwischen sich und das Tennisgeschäft gelegt. Sie führte ein «ganz normales Leben», ohne den sonstigen Turnier- und Trainingsstress, sie besuchte Vorlesungen an der Harvard-Universität, kümmerte sich um ihre Geschäfte, pflegte Freundschaften. Aber den Thrill eines Tennismatches konnte das alles nicht ersetzen. «Das ist das Beste überhaupt.» Mit einem Glücksgefühl sei sie am Mittwoch aufgewacht: «Endlich war das Warten vorbei.»

Was Scharapowa auch geblieben ist, sind die stählernen Nerven, die Kühle und Beherrschtheit in allen Lebenslagen dieses manchmal gnadenlosen Geschäfts. Sie war schon immer umstritten, und sie wird jetzt, nach dem Karrierebruch, noch kritischer und argwöhnischer beäugt. Aber wie sie sich nun auch bei diesem Comeback behauptete, erst auf dem Centre Court unter den Augen der Stuttgarter Fans und der ganzen Tenniswelt, später dann im Kreuzverhör mit den kritischen Journalisten, das war bemerkenswert.

Im offiziellen Harmonie-Einerlei des weiblichen Tennisbetriebs war Scharapowa immer eine Aussenseiterin, eine Egozentrikerin, die nicht der allgemeinen Kumpanei verfiel. Vieles von dem, was über sie gesagt wurde als Dopingsünderin, hatte auch damit zu tun, wer sie gewesen ist. Wird sich Scharapowa ändern, geht sie nun auf ihre Rivalinnen zu? Die Russin ist weit davon entfernt, ihre Prinzipien zu ändern. «Ich spiele Tennis nicht, um Freundschaften zu schliessen», sagt sie, «meine einzige Pflicht ist, als Profi eine optimale Leistung zu bieten und den Fans zu zeigen, was ich kann.»

Scharapowa dürfte schnell wieder in eine Spitzenposition aufsteigen, in einer Branche, die nicht gerade schillernde Figuren im Übermass bietet. Scharapowa lässt das ohnehin kalt: «Ich bin nur auf mich konzentriert, auf meinen Beruf, auf meine Leistung.»

Jörg Allmeroth, Stuttgart

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