Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Susanne Rüeggers Comeback nach dem EM-Schock

Gestern gewann Susanne Rüegger den Lauerzerseelauf, heute tritt sie in Sempach zur Titelverteidigung am Hellebardenlauf an. Die 34-jährige Chamerin setzt damit den Schlusspunkt hinter eine schwierige Zeit.
Stephan Santschi
Tritt in Sempach als Titelverteidigerin an: die 34-jährige Zugerin Susanne Rüegger. (Bild: Roger Grütter (Sempach, 30. Juni 2019))

Tritt in Sempach als Titelverteidigerin an: die 34-jährige Zugerin Susanne Rüegger. (Bild: Roger Grütter (Sempach, 30. Juni 2019))

«Ich möchte den Lauf geniessen und zwar so gut es geht. Der gesunde Körper steht im Vordergrund.» Susanne Rüegger vom LK Zug setzt vor ihrem Start heute am Hellebardenlauf in Sempach (17 Uhr) nicht die Titel­verteidigung, sondern das eigene Wohlbefinden an die erste Stelle. Das hat einen guten Grund: Die 34-Jährige aus Cham hat nämlich schwierige Monate hinter sich, sogar Gedanken an ein Karriereende seien zuletzt aufgekommen, gibt sie zu. Was ist passiert? Ausgerechnet just vor ihrem Karrierehöhepunkt, dem Marathon an den Europameisterschaften in Berlin im letzten August, zog sie sich eine Oberschenkelverletzung zu. «Es wäre mein erster Grossanlass gewesen. Ich hatte grosse Schmerzen und auch mental setzte mir diese Absage zu. Anschliessend bin ich in ein Loch gefallen.»

Schon in der Vergangenheit hatte Rüegger immer wieder mit Blessuren zu kämpfen. Vor vier Jahren entschloss sich die Zugerin deshalb, fortan aufmerksamer auf den eigenen Körper zu hören. Dass es trotzdem zu einem neuerlichen Rückschlag kam, liess sie zweifeln. «Vor einem Grossanlass will der Kopf halt etwas anderes», stellte sie fest. Und so war es offenbar wieder zu viel, was sie sich selber zugemutet hatte.

Viktor Röthlins Grenzerfahrungen

Genau diese Gratwanderung gehört aber zu ihrer Lieblingsdisziplin, dem Marathon. Auf dem Lauf über die 42,195 Kilometer lange Strecke sind die Über­windung und das Leid ein steter Begleiter. Unvergessen sind die Worte des ehemaligen Marathon-Europameisters Viktor Röthlin, der nach seinem dritten WM-Rang 2007 in Osaka festhielt: «Mein Urin war rot. Durch die vielen Schläge blutete es in die Blase.» Der heute 44-jährige Obwaldner erschrak, als er die Bilder von sich selber nach dem Ziel­einlauf gesehen hatte. «Ich war bleich, ich sah fast nur Knochen, das Gesicht war eingefallen. Marathon ist eine absolute Grenzerfahrung.» Und dann blickte er zurück auf das Jahr 1996, als er an den Cross-Weltmeisterschaften in Kenia im Ziel zu Boden stürzte. «Ich war nahe am Tod. Die Körpertemperatur lag bei 42,5 Grad.»

Doch die Strapazen machen den Marathon eben auch speziell, wie Susanne Rüegger betont: «Es ist eine grosse Herausforderung, eine mega Belastung für den Körper. Wenn man dann die Ziellinie überquert und es geschafft hat, gibt einem das ein unglaubliches Gefühl. Das muss man wohl zuerst selber erlebt haben, um es zu verstehen.» Nach einem Rennen sage sie sich zwar zuweilen, dass sie das nie wieder machen werde. «Doch dann plane ich schon auf der Heimreise den nächsten Marathon.»

Rüegger liebäugelt mit Marathon im Herbst

Ein Wechsel zum Triathlon, den sie aufgrund ihrer Affinität zum Radfahren und Schwimmen seit Längerem im Hinterkopf hat, ist vorderhand jedenfalls noch kein konkretes Thema. Während der langen Pause, die sie sich zuletzt gegönnt hatte, habe es plötzlich wieder Klick gemacht und die Lust aufs Laufen sei zurückgekehrt. Seit dem Frühling trainiert die in Mettmenstetten wohnhafte Geschäftsführerin von Aquafit-Cham wieder regelmässig. Gestern gab sie auf dem zehn Kilometer langen Lauerzerseelauf ihr Comeback und gewann sogleich. Wenn ihr der Körper die entsprechenden Signale gibt, wird sie heute auch den Hellebardenlauf über 12,20 Kilometer bestreiten.

Und dann? «Ich habe keine grossen Jahrespläne, warte nun mal dieses Wochenende ab, dann schaue ich vorneweg.» Ein nächstes Highlight erscheint trotzdem bereits am Horizont, und zwar in Form einer Teilnahme an einem Städtemarathon im Herbst. «Ich will nichts verschreien, sondern ohne Druck laufen.» Und, so weit es eben möglich ist, die Rennen auch geniessen.

Hellebardenlauf in Sempach. Samstag: ab 14.00 Schülerläufe; 17.00 Hellebardino (5,8 km); 17.00 Hauptlauf (12,20 km). Nachmeldungen ab 12.00 bis eine Stunde vor dem Kategorienstart. Start/Ziel im Städtchen. Infos unter: www.hellebardenlauf.ch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.