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Copa América – ein bisschen Asien in Brasilien

In der Nacht auf heute begann die Copa América. Gastgeber Brasilien eröffnet gegen Bolivien, der Final findet am 7. Juli statt. Ein Blick auf die zwölf Teilnehmer – inklusive zweier Exoten.
Sergio Dudli
Japan's Shinji Okazaki waves to fans during a training session of the national soccer team in Sao Paulo, Brazil, Thursday, June 13, 2019. Japan will face Chile on June 17 in the Copa America soccer tournament. (AP Photo/Nelson Antoine)

Japan's Shinji Okazaki waves to fans during a training session of the national soccer team in Sao Paulo, Brazil, Thursday, June 13, 2019. Japan will face Chile on June 17 in the Copa America soccer tournament. (AP Photo/Nelson Antoine)

Gruppe A

Brasilien
Der Gastgeber durchlebt schwierige Zeiten: An der WM 2014 setzte es das 1:7 gegen Deutschland ab, ein Jahr später folgte das Aus an der Copa gegen Paraguay. Zuletzt unterlag Brasilien an der WM in Russland den Belgiern in den Viertelfinals. Der Druck am Heimturnier ist hoch, dazu fehlt Superstar Neymar verletzt. Aber das Team ist in Form, zuletzt gab es neun Siege aus zehn Spielen.

Bolivien
Seine Heimspiele trägt Bolivien in La Paz auf 3700 m über Meer aus – dank einer Sondergenehmigung der Fifa. Zu Hause sind die Bolivianer dank der Höhenluft fast unbezwingbar. Je näher der Meeresspiegel kommt, desto mehr geht ihnen die Luft aus. Einen Star gibt es nicht, die grosse Stärke ist die Kampfbereitschaft. Der einzige in Europa bekannte Spieler: Marcelo Moreno Martins. Er gewann während seiner Zeit bei Schachtar Donezk die Europa League.

Peru
Gruppenplatz zwei hinter Brasilien ist für Peru machbar. Das Team war vergangenes Jahr zum ersten Mal seit 36 Jahren an einer WM dabei und kann auf eine erfahrene Mannschaft zurückgreifen. Eckpfeiler sind die Routiniers Jefferson Farfan und Paolo Guerrero. Letzterer kehrte erst im April nach einer Dopingsperre wegen Kokainkonsums zurück. Der Grat zwischen Genie und Wahnsinn verschwimmt bei Guerrero, aber von seiner Form hängt vieles ab.

Venezuela
Vor einigen Jahren war Josef Martinez bei Thun und den Young Boys engagiert. In der nordamerikanischen MLS avancierte der Stürmer zum Star. Mit 31 Toren aus 34 Partien wurde er Torschützenkönig. Im Nationalteam bildet er mit Salomon Rondon (elf Tore für Newcastle in der Premier League) ein gefährliches Sturmduo. Treffen sie, kann Venezuela zum Überraschungsteam werden.

Gruppe B

Argentinien
Ein Platz im Final ist Argentinien praktisch garantiert – zumindest gemäss Statistik. Bei den vergangenen fünf Austragungen stand der zweifache Weltmeister viermal im Endspiel – und verlor stets. Eng verknüpft mit dieser Negativserie ist Lionel Messi, der weiterhin auf einen Titel mit Argentinien wartet und im Nationalteam nicht auf Touren kommt. Diese Copa ist vielleicht seine letzte Chance.

Kolumbien
Die Kolumbianer mauserten sich in den vergangenen Jahren zu einer der besten Equipen aus Südamerika. In jeder Linie verfügen sie über Spieler von internationaler Klasse wie Yerri Lima von Barcelona, Duvan Zapata von Bergamo (23 Tore in der Serie A) oder James Rodriguez und Radamel Falcao. Grösstes Fragezeichen ist, ob Trainer Carlos Queiroz seit seinem Amtsantritt im Februar genug Zeit hatte, seine Spielideen zu vermitteln.

Paraguay
An der Copa 2015 schaltete Paraguay die Brasilianer aus. Im Jahr darauf schied das Team an der Copa América Centenario, einer Sonderausgabe des Turniers mit Teilnehmern aus Nordamerika und der Karibik, mit einem Zähler in der Gruppenphase aus. Trainer ist seit Februar Eduardo Berizzo. Sein Vorgänger Juan Carlos Osorio trat nach nur einem Spiel zurück. Vor Osorio hatte Paraguay fast ein Jahr lang keinen Trainer. Kontinuität sieht anders aus.

Katar
Wie bei jeder Copa seit 1993 sind zwei Gastmannschaften dabei. Eine davon ist Asienmeister Katar. Während sich das Land im Handball durch grosszügig verteilte Staatsbürgerschaften zur Weltmacht aufschwang, blieb ihm dieser Weg im Fussball aufgrund des Einschreitens der Fifa versagt. Nun fliessen die Unsummen in den Nachwuchs. Trotz ersten Erfolgen bleibt Katar Aussenseiter.

Gruppe C

Uruguay
Uruguay ist mit 15 Copa-Titeln Rekordhalter vor Argentinien. Im Gegensatz zu den meisten südamerikanischen Mannschaften überzeugt das Team vor allem auf der taktischen und physischen Ebene. Angeführt von Captain und Abwehrchef Diego Godin sind die Uruguayer extrem robust. Und mit Luis Suarez und Edison Cavani verfügt Uruguay über eines der besten Sturmduos der Welt.

Ecuador
Die Ecuadorianer sind Aussenseiter in der Gruppe C. Seit dem Vorstoss in die Achtelfinals an der WM 2006 gelang ihnen kein grosser Sprung mehr. Die langjährigen Leistungsträger wie der 33-jährige Antonio Valencia von Manchester United oder der gleichaltrige Christian Noboa von Zenit St.Petersburg sind in die Jahre gekommen. Das U20-National-team gewann die Copa auf Nachwuchsebene. Doch der Generationenwechsel wird andauern.

Japan
Japan ist die zweite Gastnation. An der WM in Russland führten die Japaner im Achtelfinal gegen Belgien mit 2:0, ehe sie die Partie noch aus der Hand gaben. Seit der Endrunde befindet sich Japan im Umbruch, als grösstes Talent gilt Takefusa Kubo, der zu Real Madrid wechselt. Der 18-Jährige durchlief den Nachwuchs des FC Barcelona, ehe er nach Japan zurückkehren musste, weil die Spanier gegen Transferregeln verstossen hatten.

Chile
Vor nicht allzu langer Zeit war Chile das Mass aller Dinge in Südamerika: Gewinner der Copa 2015, Sieger der Copa América Centenario 2016. Dann aber verpasste das Team die Qualifikation für die WM in Russland. Die Generation um Arturo Vidal und Alexis Sanchez ist in die Jahre gekommen, das wollen die Platzhirsche aber nicht einsehen. Gibt es ein letztes Aufbäumen der Altstars?

103 Jahre Copa América: Was Pele, Maradona und Messi fehlt

Text von Heiner Gerhardts (SID)

Pele. Diego Maradona. Lionel Messi. Ein Trio, das die Welt mit unnachahmlicher Fussballkunst eroberte, aber kurioserweise niemals den südamerikanischen Kontinent im Nationaldress. Immerhin darf sich Messi nun erneut an der Copa America versuchen, die in der Nacht auf heute in Brasilien begann und bis zum 7. Juli dauert.

Das älteste Fussballnationenturnier der Welt hat schon 103 Jahre auf dem Buckel und eine Unzahl von Geschichten angesammelt. Wie die des Argentiniers Jose Laguna. In einer Zeit, als Fussball von Amateuren gespielt wurde, als Auswechslungen nicht erlaubt waren, sah sich Argentinien vor einer Partie gegen Brasilien plötzlich zu zehnt, weil kurzfristig ein Akteur vom Arbeitgeber nicht frei bekam. Zum Glück entdeckte ein Delegationsmitglied auf der Tribüne den Stürmer von Huracan, der so unerwartet zu einem Länderspiel kam und sogar das Tor der Hausherren beim 1:1 erzielte. Das war bei der Erstauflage 1916, als Argentinien zu den 100-Jahr-Festivitäten seiner Unabhängigkeit Brasilien, Uruguay und Chile einlud. Das Quartett fand so sehr Gefallen an der Sache, dass man die Gelegenheit gleich zur Gründung eines Kontinentalverbandes nutzte. Und schon ein Jahr später in Uruguay ermittelten die vier dann offiziell den «Campeon Sudamericano». Inklusive der bis heute vergebenen silbernen Wandertrophäe mit Holzsockel.

Echte Rivalität zwischen den Südamerikanern

Nun jährt sich zum 100. Mal die erste Austragung auf brasilianischem Boden, damals exklusiv vor der Traumkulisse Rio de Janeiros. Die Seleção gewann 1919 das notwendig gewordene Entscheidungsspiel gegen Uruguay dank eines Tores ihres ersten Superstars, Arthur Friedenreich. Die Partie mit gleich zwei Verlängerungen dauerte rekordverdächtige 150 Minuten.

Noch dreimal danach nutzten die Brasilianer den Heimvorteil. Es dauerte aber bis 1997, als es endlich auch auswärts (in Bolivien) klappte. Mit acht Titeln liegt der Rekordweltmeister dennoch weit hinter Uruguay (15) und Argentinien (14). Somit landete in 45 Turnieren nur achtmal einer aus dem Trio nicht auf Platz eins.

In Brasilien reiht sich nun Asienmeister Katar als Gastland Nummer neun ein. Echte Rivalität existiert aber nur zwischen den Südamerikanern. Der Final 1946 zwischen Brasilien und Argentinien artete gar in einer Schlägerei aus. Bei den nächsten vier Auflagen gingen sich beide Erzrivalen aus dem Weg, verzichtete der eine bei der Teilnahme des anderen auf die Copa. Apropos Teilnahme: Pele war einmal dabei, wurde 1959 mit acht Treffern Turniertorjäger, konnte aber an der Seite von Garrincha, Didi oder Mario Zagallo, mit denen er ein Jahr zuvor noch Weltmeister geworden war, den Triumph von Gastgeber Argentinien nicht verhindern. Maradona versuchte sich gar dreimal vergeblich.

Geschichten schrieben andere. Viele so kurios wie die Paraguays, das es 2011 ohne Sieg mit drei Unentschieden in der Vorrunde und zwei Penaltyschiessen in der K. o. -Phase bis in den Final schaffte. Oder die des Argentiniers Martin Palermo, der 1999 im Gruppenspiel gegen Kolumbien gleich drei Elfmeter versemmelte. Und Messi? Der Barcelona-Star schob bei vier Teilnahmen gleich dreimal Frust in Endspielen, er vergeigte daneben das Turnier 2011 vor der eigenen Haustür. Wäre doch eine schöne Geschichte, wenn es diesmal besser läuft. Zumal Argentinien seit dem letzten Copa-Triumph 1993 nach einem Titel lechzt.

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