«Wir können es nicht erzwingen»: Die ersten Schwingfeste der Kranzfestsaison fallen aus

Sämtliche Kantonalfeste der Innerschweiz werden um ein Jahr verschoben. Dem Saisonhöhepunkt sollte dennoch nichts im Weg stehen - glauben die Organisatoren.

Claudio Zanini
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Das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest 2019 in Flüelen. In diesem Jahr sollte der Grossanlass in Ibach-Schwyz stattfinden.

Das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest 2019 in Flüelen. In diesem Jahr sollte der Grossanlass in Ibach-Schwyz stattfinden.

Urs Hanahrt

Wenn Vertreter der Sportwelt derzeit Prognosen abgeben sollen, schieben sie gerne ein, dass sie keine Virologen seien. Keiner will sich in diesen ungewissen Zeiten aus dem Fenster lehnen, schon gar nicht ausserhalb des eigenen Kompetenzbereichs. Auch Peter Achermann, der Präsident des Innerschweizer Schwingerverbands (ISV), ist kein Virologe. Also warum sollte er wissen, wann der Zeitpunkt kommen wird, an dem mit gutem Gewissen wieder Schwingfeste durchgeführt werden können? Achermann, ein besonnener Zeitgenosse, bedient sich deshalb des Prinzips Hoffnung. Er sagt: «Ich hoffe, dass wir in dieser Saison noch Schwingfeste erleben. Aber wir können es nicht erzwingen.»

Eines ist nun aber sicher. In diesem Jahr findet in der Innerschweiz keines der fünf Kantonalfeste statt. Dies teilte der ISV gestern mit. Das Zuger Kantonale in Baar (3. Mai), das Ob- und Nidwaldner in Giswil (10. Mai), das Schwyzer in Muotathal (17. Mai), das Luzerner in Rothenburg (24. Mai) und das Urner in Erstfeld (7. Juni) werden alle um ein Jahr verschoben. Die neuen Daten sind noch nicht fixiert, sie dürften sich aber nicht gross verändern.

Die Verschiebung führt zu einem Domino-Effekt. So werden die Veranstalter der kommenden Jahre ebenfalls um ein Jahr weiter geschoben. Am Beispiel vom Luzerner Verband, dem grössten Kantonalverband der Region, heisst das: Rothenburg 2020 wird zu Rothenburg 2021, Schachen 2021 zu Schachen 2022, Nottwil 2022 zu Nottwil 2023. Viele Interessengruppen mussten für diese Lösung zusammenfinden. Achermann sagt: «Eigentlich hätten sie alle einen Kranz verdient.»

ISV-Präsident Peter Achermann.

ISV-Präsident Peter Achermann. 

Pd

Vorbereitungen auf Teilverbandsfest laufen

Die Kranzfestsaison ist traditionell in drei Stufen unterteilt. Gestartet wird normalerweise mit den Kantonalfesten, der dritthöchsten Stufe. Ab Mitte Juni wird die Intensität mit den Berg- und Teilverbandsfesten gesteigert. Diese Leuchttürme des Schwingkalenders will man nicht voreilig streichen. Die angesagten Daten für Stoos (14. Juni), Rigi (12. Juli) und Brünig (26. Juli) bleiben derzeit bestehen. Die Organisationskomitees der Bergfeste wollen bis Ende Mai entscheiden, ob sie die Feste durchführen. Im Unterschied zu Kantonalfesten stehen auf den Bergen jährlich die gleichen OK im Einsatz. «Weil sie grösstenteils eigene Infrastrukturen haben und eingespielt sind, brauchen sie weniger Vorlaufzeit», sagt Achermann. Bis Ende Mai soll der Entscheid fallen, ob die Bergfeste 2020 stattfinden. Dann wird auch klar sein, ob das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest in Ibach-Schwyz am 5. Juli durchgeführt wird. Die Vorbereitungen auf den Grossanlass, mit einer Arena für 12 500 Zuschauer, laufen derzeit weiter. Mitte April startet der Ticketvorverkauf.

Nach den Berg- und Teilverbandsfesten würde schliesslich in Appenzell ein eidgenössischer Anlass stattfinden, es ist die höchste Stufe im Schwingsport. Mit dem Fest soll das 125-jährige Bestehen des Eidgenössischen Schwingerverbandes gefeiert werden. Das OK im Hauptort von Innerrhoden geht derzeit von einer Durchführung aus. Über eine allfällige Verschiebung müssten die Verantwortlichen im Juni entscheiden, weil wenig später der Tribünenaufbau beginnen würde. OK-Präsident Reto Mock sagt: «Laut Expertenaussagen sollte sich die Coronasituation über die Sommermonate entspannen. Zudem hat die Innerrhoder Standeskommission die Landsgemeinde auf den 23. August verschoben, was uns zusätzlich in der Hoffnung bestärkt, dass zu diesem Zeitpunkt sämtliche Veranstaltungsverbote aufgehoben sein sollten.» Das Prinzip Hoffnung ist allgegenwärtig. Und auch Reto Mock ist kein Virologe.