CURLING: Dieses Quartett scheut kein Duell

Letzten Winter holten sie bei den Schweizer Meisterschaften Silber. Doch damit geben sich die ehrgeizigen Junioren vom CC Zug I noch längst nicht zufrieden.

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Für den Fotografen kämpfen sie auch mal gegeneinander. Doch eigentlich
 sind die vier Curler ein eingeschworenes, harmonisches Team. (Bild Stefan Kaiser)

Für den Fotografen kämpfen sie auch mal gegeneinander. Doch eigentlich sind die vier Curler ein eingeschworenes, harmonisches Team. (Bild Stefan Kaiser)

Martin Mühlebach

Lead Reto Schönenberger, Second Simon Hoehn, Third Simon Gloor und Skip Jan Hess bilden seit der Saison 2009/10 ein homogenes Juniorenteam. Zuerst stand der Spass im Vordergrund. Als die vier jungen Curler bereits im ersten Jahr in der Kinderliga eine Bronzemedaille eroberten und altersbedingt zu den Junioren wechselten, erwachte der Ehrgeiz. Jan Hess bearbeitete seine Grosstante Annick Lusser Hess so lange, bis sie sich erweichen liess, zusammen mit Nadia Jordi das Team zu trainieren. Nach einem Jahr stieg Nadia Jordi aus. Seither werden die Jungs von Lusser Hess trainiert und von deren Bruder Serge Lusser gecoacht. Die Trainerin erzählt: «Ein erfolgreiches Curlerteam setzt sich aus drei verschiedenen Charakteren zusammen: einem Star (Skip, Anm. d. Red.), der das Team führt und im entscheidenden Moment zuschlägt, einem Zulieferer (Third) und zwei Kämpfern (Lead und Second).»

«Ein optimales Team»

Als sie das Team übernommen hat, habe sie geglaubt, die bereits ­bestehende Rollenverteilung würde sich im Verlauf der Zeit ändern. Doch das sei nicht der Fall gewesen. Jeder einzelne Akteur habe von Beginn an genau gewusst, welche Rolle auf ihn zugeschnitten sei. «Diese gute optimale Teamzusammensetzung», betont Annick Lusser Hess, «ist die ­grosse Stärke dieses Quartetts.» Weiter sagt sie: «Ich habe schon mehrere Juniorenteams trainiert, aber noch nie ein derart talentiertes. Es würde mich nicht überraschen, wenn dieses Team die Schweiz eines Tages an Olympischen Spielen und/oder an Weltmeisterschaften vertreten würde.» Sie sei sich allerdings bewusst, dass der Weg lang sei und man im Leben nie wisse, was passiere, schiebt Lusser Hess nach.

«Wie eine Familie»

Die vier jungen Curler betonen unisono: «Ohne unsere Trainerin wären wir nicht so weit, wie wir heute schon sind. Unsere Erfolge basieren auf ihrer Zielstrebigkeit und grossen Erfahrung. Sie versteht es ausgezeichnet, uns immer wieder zu motivieren und zu pushen. Nach Niederlagen streicht sie nicht die negativen Punkte heraus. Sie zeigt vielmehr auf, was gut war, und fordert uns auf, den eingeschlagenen Weg unbeirrt weiterzugehen und noch härter an uns zu arbeiten.» Diese Worte lassen erkennen, dass die ehrgeizigen Jungs die hervorragende Arbeit ihrer Trainerin richtig einzuordnen vermögen. Und sie verraten auch ein gerüttelt Mass an Dankbarkeit, Respekt und gegenseitigem Vertrauen. So überrascht es nicht, dass Annick Lusser Hess betont: «Wir sind so etwas wie eine gut funktionierende Familie, die Freud und Leid miteinander teilt. Die Arbeit mit diesen vier jungen Männern macht mir viel Freude.»

Auf Anhieb vom Curlen begeistert

Die Frage, was sie bewogen habe, Curling zu spielen, beantwortet Reto Schönenberger, indem er sagt: «Simon Gloor, mein Sandkasten- und Schulfreund, hat mich im Alter von acht Jahren zu einem Curling-Schnupperkurs in Zug mitgenommen. Und dieses Spiel hat mich auf Anhieb begeistert.» Jan Hess erzählt: «Ich war von dieser Sportart fasziniert, als ich mir 2008 am Bildschirm die Übertragung der Curling-Weltmeisterschaftsspiele angeschaut habe. Daraufhin probierte ich, ob mir das Curlen gefallen würde. Es gefiel mir nicht nur, es begeisterte mich so sehr, dass ich den Cherry Rockers in der Kinderliga beitrat.» Simon Hoehn sagt: «Als ich in der Primarschule war, durfte ich im Rahmen des Zuger Ferienpasses Curling spielen. Seither lässt mich die Faszination dieser Sportart nicht mehr los.» Wer einmal vom Curlingfieber befallen werde, der komme nie mehr davon los. Curling sei eine gute Lebensschule. Sie sei allen Sportbegeisterten zu empfehlen.

Noch immer eine Randsportart

Reto Schönenberger, der den schwedischen Profi-Curler Niklas Edin wegen dessen guter Strategie, dessen Präzision bei sogenannt schnellen Steinen und dessen Treffsicherheit als sein Vorbild bezeichnet, bekennt: «Ich würde selbst auch gerne Proficurler werden. Aber in der Schweiz ist es schwer, sich diesen Traum erfüllen zu können. Zum einen, weil man finanzstarke Sponsoren braucht, um überleben zu können, und zum andern, weil es hierzulande schwierig ist, die berufliche Ausbildung und den Spitzensport unter einen Hut bringen zu können.» Simon Gloor nickt zustimmend. Er fügt an: «Obwohl die Schweiz inzwischen zur drittgrössten Curlingnation der Welt aufgestiegen ist, fristet dieser Sport in unserem Land ein Schattendasein. Curling ist noch immer eine Randsportart, die in den Medien kaum Beachtung findet.» Umso mehr, sagen die Jungs, möchten sie sich bei all jenen bedanken, die sie in irgendeiner Form unterstützten.

Grosse Ziele

Das hält die vier Jungs nicht davon ab, sich grosse Ziele zu setzen. Einstimmig betonen sie: «Wir wollen an Schweizer Meisterschaften, an den Juniorenweltmeisterschaften 2017 in Pyeongchang in Südkorea und eines Tages an den Olympischen Spielen zuoberst auf dem Treppchen stehen und die Goldmedaille in Empfang nehmen.»