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CURLING: Sie spielt erstmals WM-Steine

Christine Urech spielt bereits in der vierten Saison beim Curlingteam Flims Swisspro von Skip Binia Feltscher-Beeli. Jetzt wartet mit der Weltmeisterschaft in Kanada der vorläufige Karrierehöhepunkt auf die in Luzern lebende Lysserin.
Kurt Grüter
Christine Urech (30) freut sich in der Swiss Life Arena Luzern auf die Weltmeisterschaften in Kanada. (Bild Kurt Grüter)

Christine Urech (30) freut sich in der Swiss Life Arena Luzern auf die Weltmeisterschaften in Kanada. (Bild Kurt Grüter)

Die Qualifikation für die Curling-Weltmeisterschaften in Saint John in Kanada kommt für das Flimser Frauenteam um Skip Binia Feltscher-Beeli offensichtlich überraschend. Zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man die Homepage des Teams studiert. Ihr dort publiziertes Saisonprogramm beginnt am 20. September 2013 mit dem Stockholm Ladies Cup in Schweden und endet Mitte Februar mit der Finalrunde der Schweizer Meisterschaft in Schaffhausen. Deshalb gleich die Frage an Christine Urech, wie überraschend diese WM-Qualifikation tatsächlich gekommen sei. Sie sagt schmunzelnd: «Nicht ganz unerwartet, war jedoch nicht unser Hauptziel.» Diese Aussage erstaunt. Man nimmt automatisch an, eine Weltmeisterschaft sei immer das höchste Ziel eines Sportlers. Sie klärt auf: «Vor zwei Jahren betrieben wir für die Europameisterschaftsqualifikation einen grossen Aufwand. Wir schafften diese auch, die EM verlief jedoch enttäuschend. Motivation und Freude am Curling verflogen ein wenig.» Eine Qualifikation für die Olympischen Spiele in Sotschi in der letzten Saison war ohne Profistatus unrealistisch. «Dadurch spielten wir lockerer, die Freude kehrte zurück, und wir feierten die ganze Saison schöne Erfolge an bedeutenden Turnieren.» Die wiedergewonnene Freude am Curling weiter zu behalten, wurde deshalb für diese Saison zum obersten Ziel bestimmt. Das gelang, die Resultate waren wieder top und gipfelten in der WM-Qualifikation.

Zusammenhalt muss funktionieren

Christine Urech lebt seit drei Jahren in Luzern, kann aber mit ihrem sympathischen Berner Dialekt die Herkunft nicht verbergen. «Die Liebe hat mich nach Luzern geführt – und ein bisschen die wunderschöne Stadt», verrät die gebürtige Lysserin. Dort im Berner Seeland entdeckte sie 1996 im Rahmen des Schulsports zusammen mit ihrem Bruder Stefan das Curling. «Der starke Zusammenhalt innerhalb eines Teams hat mich von Anfang an fasziniert.» Sie begann wettkampfmässig zu curlen und landete über die Teams Jäggi, Schori und Tirinzoni 2010 im Topteam der Flimserin Binia Feltscher-Beeli, die 2006 an den Olympischen Winterspielen in Turin im Team von Skip Mirjam Ott Silber gewann. «Die Curlingszene in der Schweiz ist überschaubar», erklärt sie. «Ich kannte Binia schon von früher, und als sie ein neues Team zusammenstellte, waren wir uns schnell einig.» Anforderungen, in einem Topteam mitspielen zu können, gibt es einige. «Man muss das notwendige Niveau mitbringen, bereit sein, den gleichen Aufwand wie die anderen Mitglieder zu betreiben, und das Wichtigste: Es muss zwischen den Spielerinnen menschlich funktionieren, denn man verbringt während des Winters sehr viel Zeit zusammen.»

Skip kein Ziel

Bei Flims ist Christine Urech der Lead, der die beiden ersten Steine in einem End spielt. Ihre Aufgabe ist es, die Steine für die gewählte Taktik möglichst gut zu platzieren. «Die Wichtigkeit der präzisen Platzierung der Lead-Steine wird oft unterschätzt. Doch eine gute Spieleröffnung ist sehr wichtig, weil sie dem Team für den weiteren Verlauf taktische Vorteile eröffnen kann.» Präzise Steine kann man trainieren – und ein bisschen Talent dazu sei auch nicht schädlich, fügt sie noch an. Nach der Steinabgabe ist der Lead durch Wischen dafür mitverantwortlich, dass die Steine ihrer Kolleginnen längenmässig passen oder nicht. «Schon kurz nach der Steinabgabe sieht man in der Regel, ob ein Stein gut ist oder nicht.» Curling-Laien schätzen möglicherweise, das höchste Ziel jedes Spielers sei es, Skip zu werden. Christine Urech widerspricht. «Jeder hat seine Lieblingsposition. Für einige ist es der Skip, andere fühlen sich wohl, wo sie sind. Ich gehöre zu denen. Zu Beginn meiner Karriere bei den Junioren spielte ich als Skip. Das war interessant, aber nicht meine angestrebte Wunschposition. Ich bevorzuge die Abwechslung zwischen Spielen und Wischen.»

Bunt zusammengesetztes Team

Christine Urech ist gestern zusammen mit ihren Teamkolleginnen Binia Feltscher-Beeli, Irene Schori (Third), Franziska Kaufmann (Second) und Carole Howald (Ersatz) dank der im Saisonverlauf erspielten Punkte und dem Gewinn der Schweizer Meisterschaft in Schaffhausen nach Kanada abgereist. Damit endet für sie wieder eine Saison, die vom ganzen Team wegen der unterschiedlichen Wohnorte logistisch viel abverlangt hat. «Binia wohnt in Flims, Irene in Wettswil, Franziska in Grindelwald, Carole in Langenthal und ich in Luzern.» Neben vielen individuellen Trainingseinheiten spielen die Frauen während des Winters fast jedes zweite Wochenende von Freitag bis Sonntag ein Turnier. Der Donnerstag davor wird für Teamtrainings eingesetzt. «Curling ist zeitaufwendig, und man kann damit kein Geld verdienen. Doch wir lieben den Sport und nehmen den grossen Aufwand gerne auf uns.» Das führt dazu, dass Christine Urech im Winter nur ihrer 60-prozentigen Arbeitsstelle an der Zürcher Hochschule der Künste als Assistentin im Bereich Industrial Design nachgehen kann. Auf ihr zweites berufliches Standbein als selbstständige Produktdesignerin kann sie nur von Frühling bis Herbst zählen.

Wenig WM-Erfahrung

Mit der WM in Kanada steht für das Flimser Team der Höhepunkt unmittelbar bevor. Christine Urech hätte diesen beinahe verpasst. Beim Langlauftraining eine Woche vor den Schweizer Meisterschaften in Schaffhausen stürzte sie unglücklich und zog sich eine Impressionsfraktur der linken Schulter zu. «Es stellte sich aber zum Glück heraus, dass mich diese Verletzung beim Curlen nicht behindert.» An der WM möchte sich das Flimser Team in der vorderen Ranglistenhälfte klassieren. «Das ist ein bescheidenes Ziel, doch nur Binia hat WM-Erfahrung», erklärt sie. «Druck spüren wir nur unseren eigenen. Wir wollen unser bestes Curling spielen. Gelingt uns das, stimmen auch die Resultate.»

Was bringt die sportliche Zukunft der Wahlluzernerin? Darüber macht sie sich noch keine Gedanken. «Ich spiele Curling, solange es mir Spass macht. Ob im gleichen Team und auf internationalem Niveau wird sich zeigen.» Logisch, im Moment ist der Fokus auf die Weltmeisterschaften in Saint John gerichtet. Für Zukunftsentscheidungen bleibt danach noch genügend Zeit.

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