CURLING: Übung macht den Meister

Der Luzerner Florian Meister (27) ist spätestens im letzten Frühjahr als Sieger der European Master im Schweizer Curling-Olymp angekommen. Doch das ganz grosse Ziel ist für 2018 angesagt.

Roland Bucher Roland Bucher
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Florian Meister im Eiszentrum Luzern, wo er sich für kommende grosse Aufgaben rüstet. (Bild Nadia Schärli)

Florian Meister im Eiszentrum Luzern, wo er sich für kommende grosse Aufgaben rüstet. (Bild Nadia Schärli)

Nichts mit lockerem Steineschieben und ein «bisschen gemütlich beseln»: «Curling», behauptet Florian Meister, «ist, auf hohem internationalem Niveau betrieben, ein Spitzensport wie jeder andere. Mit allen Facetten, die für den Erfolg ausschlaggebend sind: Knochenarbeit im Training, taktisches Feingefühl, Spielwitz, Fleiss, Ehrgeiz.»

Ja, der junge Mann, der im Sommer 2014 den Master of Science in Betriebswirtschaft abschloss, der weiss genau, was er will. Das ist nicht wenig. Eher ungewöhnlich für die nationale Curlingszene hat er sich zusammen mit seinen Teamkollegen des Teams Adelboden entschlossen, die sportlichen Möglichkeiten bis zum absoluten Optimum auszuloten. Im Klartext bedeutet dies: Florian Meister dient seinem Sport im Winterhalbjahr als Profi. Das bereite sehr viel Freude, ist aber nicht reines Zuckerlecken. Nehmen wir zum Beispiel den pekuniären Aspekt. Obwohl er auf die Unterstützung einer breiten Sponsorenschaft zählen darf, erreicht der Vize-Skip der Adelbodner kaum den halben monatlichen Frankensaldo, den er sich in einer «normalen» Berufsausrichtung als Betriebswirtschafter gutschreiben lassen könnte. «Doch das nehme ich gerne in Kauf», betont der seit sechs Jahren mit Melanie liierte und im St.-Karli-Quartier wohnhafte Stadtluzerner, «man muss zwar seine Bedürfnisse exakter kanalisieren, doch das ist es mir wert».

Die Sucht nach Perfektion

Nein, nie will er sich später vorwerfen müssen, nicht alles für seinen Traum getan zu haben. Dieses sportliche Fernweh, das sei – gesteht er unverblümt – die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea. «Ich weiss, dass unsere Viererbande das Potenzial besitzt, dieses Ziel zu verwirklichen», sagt Florian Meister, «und wir alle haben fast nichts anderes im Kopf, als es zu schaffen.» Dabei sei sonnenklar, dass Übung den Meister mache. «Stellen Sie sich das so vor», erklärt er: «Es ist wie bei einem Golfer. Der feilt auch stundenlang an einem einzigen Schlag, treibt ihn zur Vollkommenheit. Wir Curler sind ähnlich verbissen, suchen die Perfektion. Das ist wie eine Sucht, das ist die Faszination dieses Sports.» Die curlingtechnischen Einzellektionen absolviert Florian Meister in der Luzerner Halle, zu den Teamtrainings macht man wöchentlich einmal in Bern ab. Dort ist beim Curlingteam Adelboden seit einiger Zeit die Europameisterschaft, die nächsten Samstag in Champéry beginnt, das zentrale Thema: «Wir sind bereit», sagt Florian Meister, «wir trauen uns ein gutes Resultat zu.» Quasi als kleines weiteres Wegstückchen auf der langen sportlichen Reise nach Pyeongchang.

Die in der Regel zwischen 17 und 20 Kilogramm schwere «Bettflasche», wie der Curlingstein ein bisschen despektierlich genannt wird, wurde Klein-Florian quasi in die Wiege gelegt. Sein Papa ist in der regionalen Curlingszene keine unbekannte Grösse, gewann auch schon diverse Turniere und hatte natürlich vor rund 20 Jahren nichts anderes im Sinn, als seinen Stammhalter mit in den Rink zu nehmen: «Als ich neun Jahre alt war», erinnert sich der im solothurnischen Matzendorf aufgewachsene Hobby-Lang­läufer, «habe ich die ersten Steine geschoben und mit elf mein erstes Team gegründet. Wir waren vier wirklich gute Kollegen.» Florian Meister unter ihnen der Talentierteste. Sein Transfer vom CC Zug in die Adelbodner Equipe war endgültig das Signal zur Aufbruchstimmung, zum Spitzensport. «Wir geben uns vier Jahre Zeit», sagt der Luzerner, «2018 wollen wir ernten.»

Knappe Haushaltskasse

Zu 100 Prozent in den Sport zu investieren, das sei in der Schweiz im Gegensatz zu Kanada, wo die Futtertröge für die Curlingstars wesentlich grösser sind, nicht möglich. Deshalb weiss er, der sich als ausserordentlich ehrgeizig einschätzt, schon jetzt: «Fürs nächste Sommer-halbjahr werde ich mir wieder einen Job suchen müssen, um die Haushaltskasse zu sanieren. Das wird aber nicht ganz so leicht.» Eine EM-Medaille auf der Visitenkarte könnte für den jungen, sympathischen Luzerner indes einiges leichter machen.

Und dann, eben, 2018 in Südkorea, dort möchte er noch so gerne in die Fussstapfen des Zugers Patrik Hürlimann treten, der 1998 in Nagano Olympiagold im Curling eroberte. Den Sport popularisierte, ihm auch den Touch des Elitären strich. «Curling», schwärmt Florian Meister, «ist eine Sportart für alle, bereitet Freude, fordert heraus.» Besonders dann, wenn man das Handling so meisterlich beherrscht wie Florian.

Hinweis

Die Europameisterschaften finden vom 21. bis 29. November statt und werden in den Eishallen von Monthey und Champéry ausgetragen.