Dänen beugen sich dem Druck der Schweizer Handballer – Andy Schmid ist nun doch dabei

Andy Schmid in der Testfalle: Der Schweiz drohte, ohne ihren Starspieler zum Auftakt der EM-Qualifikation nach Dänemark zu fliegen. Dies, weil die Dänen plötzlich die Einreisebestimmungen verschärft hatten. Am Montag gab Nationaltrainer Entwarnung. Schmid wird am Dienstag mit an Bord sein.

François Schmid-Bechtel
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Andy Schmid ist in der EM-Quali dabei: Die Dänen geben für die Einreise des 37-Jährigen Schweizers grünes Licht.

Andy Schmid ist in der EM-Quali dabei: Die Dänen geben für die Einreise des 37-Jährigen Schweizers grünes Licht.

Bild: Philipp Schmidli

Noch am Freitag hängt in der Schwebe, ob die Schweizer Handballer zum Auftakt in die EM-Qualifikation nach Dänemark reisen werden. Der Grund: Den Dänen reicht der vereinbarte Schnelltest nicht mehr. Für die Einreise verlangen sie plötzlich einen negativen PCR-Test. Das Problem: Starspieler Andy Schmid sowie Lenny Rubin und Lucas Meister müssen am Sonntag in der Bundesliga ran, stossen erst am Montag zur Nationalmannschaft. Bis zum Abflug am Dienstag liegen die Resultate des PCR-Tests nicht vor. Die Schweizer intervenieren. In Mails schreiben sie: Entweder die Schnelltests werden akzeptiert und wir dürfen mit allen Bundesliga-Söldnern einreisen oder wir kommen gar nicht. Stunden später kommt die Entwarnung aus Dänemark.

Trotzdem tritt die Schweiz nicht in Bestbesetzung in Aarhus an. Stammtorhüter Nikola Portner (Chambéry) und Kreisläufer Alen Milosevic (Leipzig) sind in Quarantäne und deshalb in Dänemark nicht dabei. Nationaltrainer Michael Suter kann eventuell am Samstag im Heimspiel gegen Nordmazedonien wieder auf Portner zurückgreifen.

Der Schweizer Handball-Nationaltrainer Michael Suter sagt: «Wir haben Grosses vor.»

Der Schweizer Handball-Nationaltrainer Michael Suter sagt: «Wir haben Grosses vor.»

Bild: Philipp Schmidli

Trainer reden gerne von einem Plan A und einem Plan B. Bei welchem Plan sind Sie mittlerweile angekommen?

Michael Suter: Im Moment reicht das Alphabet noch aus. Die Situation ist speziell und bedingt eine grosse Flexibilität. Ich weiss beispielsweise nicht, mit welchen Spielern ich im nächsten Training rechnen kann. Aber wir haben schon einiges erlebt. Deshalb wird uns diese spezielle Woche nicht aus den Socken hauen. Denn wir haben Grosses vor. Und da darf es keine Rolle spielen, ob Zuschauer im Stadion sind oder wo und ob man eine Maske tragen muss.

Sie müssen mit Portner und Milosevic auf zwei Teamstützen verzichten. Wie sieht die Corona-Situation bei den Gegnern aus?

Schade um Portner und Milosevic. Aber es macht keinen Sinn, Spielern nachzutrauern, die nicht dabei sind. Eventuell kann Portner am Donnerstag, wenn wir aus Dänemark zurück sind, zum Team stossen. Aber eines ist klar: Aurel Bringolf, der für Portner spielen wird, ist bereit für eine Top-Leistung. Bei den Dänen ist meines Wissens kein wichtiger Spieler in Quarantäne. Und bei Nordmazedonien gibt es Gerüchte, wonach es beim Spitzenklub Vardar Skopje positive Fälle gibt.

Wie hat Corona Ihren Alltag als Nationaltrainer beeinflusst?

Letztmals stand mir die Mannschaft an der EM im Januar komplett zur Verfügung. Danach nahm man uns wegen Corona die Chance, uns über die Playoffs gegen Island für die WM zu qualifizieren. Das ist für mich bis heute nicht nachvollziehbar. Zu meinen Aufgaben gehört auch, Lösungen für die Zukunft zu suchen. Und das habe ich gemacht.

Sie streben stets nach Optimierung. Aber war es überhaupt möglich, die Mannschaft im Vergleich zur EM weiterzuentwickeln?

Es gibt Spieler im erweiterten Kader, die Fortschritte erzielt haben. Es gibt aber auch Stammkräfte, die sich entwickelt haben. Lucas Meister ist in Minden Kreisläufer Nummer 1. Samuel Röthlisberger ist nun der unbestrittene Abwehrchef in Stuttgart. Ausserdem können wir auf den Leistungen an der EM und in der Qualifikation aufbauen. Aber klar: Ich will keinen Stillstand.

Die Dänen haben an der EM enttäuscht. Für sie war das Turnier bereits nach der Vorrunde vorbei. Ein einmaliger Ausrutscher?

Ich denke schon. Dänemark ist amtierender Weltmeister und Olympiasieger. Beeindruckt bin ich von der Qualität der Spieler und der Breite im Kader. Egal wer der Gegner ist: Wir verstecken uns schon seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Dass man in Schaffhausen gegen Nordmazedonien nur vor 50 Zuschauern spielt, muss kein Nachteil sein. Schliesslich sind bei Heimspielen gegen Teams vom Balkan häufig mehr Gästefans im Stadion.

Ich habe konstatiert, dass vor leeren Zuschauerrängen aus dem Heimvorteil häufig ein Nachteil wird. Wir werden aber alles dafür tun, dass die 50 Leute Lärm machen. Wir wollen den Gegner spüren lassen, dass er sich auf unserem Terrain befindet.