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DAGMERSELLEN: Siebenfacher Radquer-Sieger: «Aufgeben war keine Option»

Albert Zweifel ist fünffacher Weltmeister, und er gewann siebenmal das internationale Quer von Dagmersellen. Im Interview spricht der 68-jährige Zürcher Oberländer über grosse Momente, schlimme Unfälle und die Derniere am Dienstag.
Stephan Santschi
Das Spitzentrio Francis Mourey, Marco Aurelio Fontana und Lukas Flückiger (von links) im Aufstieg zum Chrüzberg im Jahr 2012. Fontana und Flückiger stehen auch am Dientag an der Startlinie. (Bild: Kurt Grüter (26. Dezember 2012))

Das Spitzentrio Francis Mourey, Marco Aurelio Fontana und Lukas Flückiger (von links) im Aufstieg zum Chrüzberg im Jahr 2012. Fontana und Flückiger stehen auch am Dientag an der Startlinie. (Bild: Kurt Grüter (26. Dezember 2012))

Interview: Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Albert Zweifel, das letzte internationale Radquer von Dagmersellen steht vor der Tür. Welche Emotionen löst das in Ihnen aus?

Auf jeden Fall Wehmut, wieder stirbt ein Radquer-Anlass. Wetzikon, Steinmaur und Dagmersellen waren die ältesten, jetzt gibt es davon bald nur noch jenes in Steinmaur. Doch das ist halt der Trend.

Werden Sie sich die Derniere am Chrüzberg am 26. Dezember ­anschauen?

Nein, ich verbringe ein paar Tage im Ausland bei meiner Frau. Letztmals war ich vor zwei Jahren als Zuschauer in Dagmersellen, meinen letzten Wettkampf hatte ich dort zum Karrierenende 1988.

Zwischen 1975 und 1982 gewannen Sie in Dagmersellen siebenmal, 12-mal standen Sie auf dem Podest.

Die Strecke lag mir. Ich liebe Aufstiege und Abfahrten, da kann man die Kon­kurrenz distanzieren. In Dagmersellen konnte ich auch mal stürzen und trotzdem noch aufholen und gewinnen. ­Erstaunlich war, dass es immer viele Zuschauer hatte, egal bei welchem Wetter. Den Leuten scheint der 26. Dezember als Datum zu passen.

Erinnern Sie sich an eine spezielle Anekdote aus Dagmersellen?

(Lacht.) Einmal haben wir etwas ausprobiert. Für den Aufstieg zu Fuss auf den Chrüzberg nahm ich ein leichtes Velo mit nur einem Gang, einem leichten Sattel und ohne Bügel am Pedal. Oben angekommen, stieg ich für die Abfahrt auf ein richtiges Rennrad. Mein Betreuer brachte das leichte Velo für den nächsten Aufstieg wieder nach unten. Die Konkurrenten prüften im Reglement, ob das verboten war, fanden aber nichts.

Gewannen Sie das Rennen?

Ja klar. (Lacht.)

Radquer verschwindet mehr und mehr von der Bildfläche. Was ­passiert derzeit mit Ihrer Sportart?

Die jungen Leute bevorzugen heute das Mountainbike, damit können sie alleine an ein Rennen gehen. Radquer ist mit mehr Aufwand verbunden, hierzu braucht man drei, vier Velos, die gewaschen und gepflegt werden müssen. Wenn die Eltern nicht mitmachen, hört der Nachwuchsfahrer wieder auf.

Welche Faszination übt der Kampf durch den Morast aus?

Es ist ein Einzelsport, man kann ein Rennen selber entscheiden. Ich mochte die verschiedenen Bedingungen mit Abfahrten, technisch schwierigen Passagen oder mit Schnee. Am liebsten war mir das Terrain so, wie es sich derzeit in Dagmersellen präsentieren dürfte: nass und tief, damit die Fahrer möglichst viel ­laufen müssen. Und mit schwierigen Abfahrten.

Waren Sie ein Draufgänger?

Es hiess, dass ich mehr Risiken auf mich nehmen würde als andere. Doch das war nicht so. Mehr riskieren muss jener Fahrer, der im Rückstand liegt und aufholen will. Vielleicht hat meine Konkurrenz einfach nach Gründen gesucht, warum ich der Schnellste war.

Unvergessen ist aber Ihr schrecklicher Sturz an der Tour de Suisse, als Ihnen ein Zuschauer vor das Velo lief. Die letzten 40 Kilometer fuhren Sie mit einem Schädelbruch ins Ziel.

Das war in Gletsch, als ein Pfleger eines anderen Teams etwas auf der Strecke aufheben wollte. Ihn erwischte es schlimmer als mich, der Mann hatte einen Atemstillstand und musste wiederbelebt werden. Die Ambulanz kümmerte sich sofort um ihn, während ich mein Vorderrad wechselte und weiterfuhr.

Mit blutendem Kopf?

Nein, geblutet habe ich nicht stark. Im Ziel interessierte ich mich nur dafür, wie viel Zeit ich verloren hatte. Später im Hotel sah ich mein zugeschwollenes Auge. Erst dann ging ich ins Spital.

Sie waren hart im Nehmen.

Ich hatte einfach nur das Ziel vor Augen, nur das Weiterkommen zählte. Aufgeben war für mich nie eine Option.

Welches ist Ihr Karrierehighlight?

Meine erste Weltmeisterschaft 1975, als ich nicht mit einer Medaille rechnete und vor über 20 000 Zuschauern Zweiter wurde. Da hat für mich alles begonnen.

Und der schlimmste Tiefschlag?

Die Heim-WM in Wetzikon 1980, an der ich nach vier WM-Goldmedaillen in ­Serie als Favorit antrat. In der Nacht vor dem Rennen gefror die Strecke und veränderte alles. Am Ende wurde ich nur Vierter, es herrschte eine Stimmung wie an einer Beerdigung.

Letztes Jahr hatten Sie einen schweren Unfall. Wie geht es Ihnen heute?

Eine alte Frau fuhr beim Einparkieren über den Radweg und erwischte mich frontal. Ich fiel auf das Gesäss und brach mir den fünften Lendenwirbel. Ich hatte Glück, dass ich nicht im Rollstuhl landete. Ich fahre etwa 12 000 Kilometer im Jahr, aber nicht mehr bei schlechtem Wetter. Kollegen, die ich früher abgehängt habe, muss ich heute fahren lassen. Auch mit Langlauf muss ich nach einer Stunde aufhören. Das ist für einen Bewegungsmenschen nicht einfach.

Hat Radquer eine Zukunft?

Ich höre immer wieder, dass es einen Aufschwung gebe, aber den sehe ich nicht. Der Kids-Cross oder die Jedermannrennen, die es früher nicht gab, verfälschen die Teilnehmerzahlen. Ich hoffe, dass die WM 2020 in Dübendorf für einen Aufschwung sorgen wird.

Hinweis

Albert Zweifel (68) lebt in Rüti ZH. Mit ­seiner Frau Anke Voss (51) aus Hamburg führt er eine Fernbeziehung. Aus erster Ehe hat er einen Sohn (40) und eine Tochter (38). 16 Jahre lang war der gelernte Autospengler Radprofi, im Quer feierte er mit fünf WM-Titeln (1976–1979; 1986) und neun Schweizer Meisterschaften die grössten Erfolge. Im Sommer nahm er an Strassenrennen teil, mit 16 Starts hält er den Teilnahmerekord an der Tour de Suisse. Nach der Karriere führte er auf Mallorca eine Velovermietung.

Der fünffache Weltmeister Albert Zweifel unterwegs im Regenbogentrikot, hier bei der WM-Revanche 1976 in Tecknau. (Bild: PD)

Der fünffache Weltmeister Albert Zweifel unterwegs im Regenbogentrikot, hier bei der WM-Revanche 1976 in Tecknau. (Bild: PD)

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