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Daniela Ryf getrieben von Grenzerfahrungen

Daniela Ryf strebt ihren fünften Sieg beim Ironman Hawaii an. Was treibt die fast Unbesiegbare noch an?
Simon Häring
So sieht man Daniela Ryf selten in der Öffentlichkeit: Die weltbeste Langdistanz-Triathletin beim Ausruhen auf einer Blumenwiese bei St. Moritz. (Bild: René Ruis/Keystone, 10. Juli 2019)

So sieht man Daniela Ryf selten in der Öffentlichkeit: Die weltbeste Langdistanz-Triathletin beim Ausruhen auf einer Blumenwiese bei St. Moritz. (Bild: René Ruis/Keystone, 10. Juli 2019)

Seit fast zwei Jahren ist Daniela Ryf in einem Wettkampf nicht mehr bezwungen worden. Am letzten Wochenende gewann sie in Nizza zum fünften Mal die Weltmeisterschaften über die halbe Ironman-Distanz – quasi aus dem Training heraus. Das grosse Ziel der 32-Jährigen ist indes ein anderes: der fünfte Erfolg beim Ironman Hawaii. 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer auf dem Fahrrad, zum Schluss ein Marathon über 42,195 Kilometer. Bei Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit und starken Winden. Es ist ein Rennen der Superlative, das wohl härteste, das dieser Sport zu bieten hat. Eines, das nur bestreiten kann, wer den Körper auf Höchstleistung getrimmt hat. «Nie im Leben würde ich hier antreten, wenn ich nicht absolut bereit dazu wäre. Dafür ist es einfach zu hart», sagt Ryf.

Das Training im Keller ist Tortur, der Ironman Kür

Doch Daniela Ryf ist bereit, das war sie immer, wenn der Höhepunkt der Saison anstand. Siege sind für die Solothurnerin Gewohnheit, aber längst nicht selbstverständlich, «denn im Triathlon kann viel passieren». Am Donnerstag reiste sie mit 100 Kilogramm Gepäck nach Hawaii, wo am 12. Oktober der Ironman ausgetragen wird. Ryf sagt: «Der Grossteil der Arbeit ist getan, alles läuft nach Plan.» Wie alles in ihrer Karriere, seit sie vor sieben Jahren auf die Langdistanz gewechselt hat. Die Vorbereitung sei der harte Teil, das Rennen, «das Gefühl des Fliegens», die Belohnung. In ihrer Welt sind die Stunden im Keller der Eltern in Feldbrunnen, wo sie stundenlang auf der Rolle trainiert, die Tortur. Und der Ironman die Kür.

Und doch stellt sich die Frage, was ihr Antrieb ist. Sind es Siege? Zeitrekorde, wie sie ihn im letzten Jahr trotz Berührung mit einer Qualle im Schwimmen aufgestellt hat? Siege seien es nicht, sie seien aber schön und würden für ihre Entbehrungen entschädigen. Leistungen seien indes nicht mit jenen aus dem Vorjahr zu vergleichen, weil die Bedingungen nie gleich seien, also sind es auch nicht Zeiten, die Ryf antreiben. Sie möchte Rennen zeigen, die Menschen beeindrucken. Solche, die nicht in Vergessenheit geraten. «Solche, die mich stolz machen.» Es gehe darum, Erlebnisse und Erinnerungen zu schaffen. Und auch darum, die Grenzen ihres Körpers auszuloten, getrieben von diesen Grenzerfahrungen.

«Wer sagt, was mein Limit ist?»

Daniela Ryf sagt immer, sie könne noch besser werden. Hat sie ein Gefühl dafür, wozu sie noch fähig sein könnte? Ist es nicht gerade der Körper, der ihr irgendwann Grenzen setzt? Ryf antwortet mit einer Gegenfrage: «Wer sagt, was mein Limit ist? Ich weiss es nicht, und ich will es auch nicht wissen, denn das wäre demotivierend.» Die Suche ist ein ständiger Drahtseilakt.

Was ist zu viel? Was ist zu wenig? Bei dieser Frage legt Daniela Ryf ihr Schicksal voll und ganz in die Hände ihres Trainers, Brett Sutton. Was sie in den letzten drei Wochen vor dem Rennen erwartet? Sie weiss es nicht, sie lasse sich überraschen. Sicher werde sie lange Einheiten auf dem Fahrrad absolvieren, damit sie sich in den vier Stunden im Sattel wohl fühle. «Obwohl: Ob ich mich wohl fühle, ist nicht so wichtig», korrigiert sie sich. Sie werde an ihre Grenzen gehen, müsse aber darauf achten, dass der Körper nicht zu sehr ausgelaugt werde. Ryf sagt auch: «Tut es nicht weh, verändert sich nichts. Also muss ich raus aus meiner Komfortzone.»

Auf zum nächsten Drahtseilakt

Trotz vier Siegen in Folge auf Hawaii sei sie nicht unschlagbar. Doch was ist schon ein Sieg mehr oder weniger, wenn man für sich und andere Momente für die Ewigkeit erschaffen kann? «Der Triathlon bringt das Beste in uns hervor», erklärte sie vor einem Jahr die Faszination für ihren Sport. Was das Beste ist? Das weiss offenbar selbst die Beste nicht. Und so begibt sich Daniela Ryf auf den nächsten Drahtseilakt. Auf der Suche nach den eigenen Grenzen.

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