Dank der Bahn ist Marc Hirschi ein Supertalent: Auf den Spuren des Erfolgs

Marc Hirschi verdankt den Etappensieger an der Tour de France auch der Bahn. Das ist sinnbildlich für die neue Rad-Generation.

Raphael Gutzwiller
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Feierte seine ersten Erfolge auf der Bahn: Marc Hirschi.

Feierte seine ersten Erfolge auf der Bahn: Marc Hirschi.

Bild; PD

Marc Hirschi macht auf sich aufmerksam. Dank des Sieges der 12. Etappe ist der Stern des 22-jährigen Berners, der sowieso schon eine der grossen Überraschungen der diesjährigen Tour de France war, vollends aufgegangen. Nicht wenige trauen Hirschi zu, dereinst um den Sieg der Tour de France mitzufahren. Er bringt alle Voraussetzungen mit: grosses Renngespür, eine beeindruckende Technik und starke Beine.

Vieles, was Hirschi heute auszeichnet, hat er nicht auf der Strasse gelernt. Sein Traum ist es zwar früh, an der Tour de France zu starten, die ersten internationalen Erfolge feiert er aber auf der Bahn. 2016 wird er mit Reto Müller bei den Junioren Weltmeister im Zweier-Mannschaftsfahren. Dass er jetzt, vier Jahre später, auf der Strasse für Furore sorgt, steht sinnbildlich für eine neue Art von kompletten Radfahrern.

Viele Talente sind auf vielen Unterlagen gut

Die Verbände haben realisiert, dass Vielseitigkeit wichtig ist. Darum fördern sie im Nachwuchs ihre Athleten nicht nur auf einer Unterlage sondern in mehreren. Bestes Beispiel dafür ist der Niederländer Mathieu van der Poel, der im Radquer Weltmeister, im Mountainbike grösster Konkurrent von Nino Schurter ist – und auf der Strasse vorne mitfahren kann. Flexibilität ist auch bei den Schweizern angesagt, wo man oftmals wissenschaftlich herausfinden möchte, wo das Potenzial eines Athleten am höchsten ist.

Bei Marc Hirschi liegt dieses zweifelslos auf der Strasse. Dennoch verdient er zunächst auf der Bahn seine Sporen ab. Bahn-Nationaltrainer Daniel Gisiger sagt: «Natürlich wollte Marc lieber auf der Strasse fahren, aber er hat realisiert, dass er auf der Bahn für seine Entwicklung profitieren kann.»

Erinnert sich gerne an Supertalent Marc Hirschi: Bahn-Nationaltrainer Daniel Gisiger.

Erinnert sich gerne an Supertalent Marc Hirschi: Bahn-Nationaltrainer Daniel Gisiger.

Hansruedi Aeschbacher / OLT

Dank der Bahn verbesserte sich Hirschi taktisch und technisch. Taktisch, deshalb weil es auf der Bahn häufiger Sprints gibt als auf der Strasse. «Auf der Strasse gibt es erst am Schluss einen Sprint, auf der Bahn ist das alle zehn Runden der Fall. Dadurch lernen die Athleten, das Rennen besser zu lesen», so Gisiger. Heute zeichnet Hirschi insbesondere dieses Renngespür aus. Und technisch profitiert Hirschi, weil das Bahnrad keine Gänge besitzt. «Dadurch ist die Trettechnik entscheidender. Man muss nur durch die Beine das Tempo bestimmen. Auf der Bahn wird auch die Aerodynamik mehr gefördert.»

Dass mit Marc Hirschi ein grosses Talent heranwächst, sahen die Trainer bei SwissCycling früh. Gisiger erinnert sich: «Wenn ein Rennfahrer wie Marc zu den Junioren kommt, dann sieht man schnell, dass er eine Ausnahme ist. Er war in seinem Jahrgang immer bei den besten der Welt. Darum überrascht es mich nicht, dass er auch bei den Profis für Furore sorgt. Marc Hirschi zeigte früh, dass er richtig gut werden kann.»

Das Lachen nach dem Triumph: Marc Hirschi.

Das Lachen nach dem Triumph: Marc Hirschi.

Stuart Franklin / Pool / EPA

Was den jungen Hirschi früh auszeichnete, war seine unbändige Begeisterung für den Radsport. Überall wo Rennen stattfanden, war der junge Marc Hirschi dabei. «Anfangs dachten wir, dass Marc von seinem Vater zu sehr gepusht würde. Schnell realisierten wird aber, dass das Gegenteil der Fall war. Marc pushte seinen Vater immer, damit er Velofahren konnte.» Noch immer ist bei Hirschi die Leidenschaft und Begeisterung für seinen Sport spürbar.

Das zeigt sich auch darin, dass er bei sich und bei den Konkurrenten auf jedes Detail achtet. Er möchte sich immer verbessern. Das gelingt ihm auch, wegen seines guten Charakters, sagt Gisiger: «Marc ist intelligent, anständig und bodenständig. Das hilft im Team ein gutes Standing zu erhalten.» Wie gut Hirschis Standing im Team Sunweb inzwischen ist, zeigt die Tatsache, dass er von Helferaufgaben befreit ist – und seine Teamkollegen in einzelnen Etappen schon für ihn fahren.

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