Eishockey

Ambri-Trainer Luca Cereda: «Mit 10 Ausländern würden wir unsere Identität verlieren»

Luca Cereda ist der dienstälteste Trainer in der National League. In dieser Woche wäre der 39-jährige Tessiner mit Ambri-Piotta am Spengler-Cup im Einsatz gestanden.

Interview: Marcel Hauck (SDA)
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Eigentlich würde Ambri jetzt am Spengler-Cup spielen. Wie sehr macht es Sie traurig, dass er nicht stattfindet?

Luca Cereda: Ich habe immer noch Hühnerhaut, wenn ich an das erste Spiel im letzten Jahr mit der vollen Eishalle in Davos zurückdenke. Schon als Kind habe ich immer Spengler-Cup geschaut, und jetzt durfte ich einmal aktiv dabei sein. Ich bin traurig, aber das passt ein wenig zum Moment, den wir erleben.

Luca Cereda steht in seiner vierten Saison als Chef an der Bande von Ambri.

Luca Cereda steht in seiner vierten Saison als Chef an der Bande von Ambri.

Michela Locatelli/Freshfocus

Nun spielen Sie in dieser Woche in der Meisterschaft. Finden Sie das gut?

Ja. Wir müssen diese Meisterschaft irgendwie zu Ende spielen. Negativ ist, dass wir seit August keine echte Pause hatten, aber wir müssen etwas opfern, um die Meisterschaft weiter spielen zu können. Wir können uns zeigen, den Menschen etwas zurückgeben.

Wie haben Sie die bisherige Meisterschaft erlebt?

Sehr speziell, sehr kompliziert auch, mit viel Ungewissheit. Wir trainieren heute, wissen aber noch nicht, ob wir morgen spielen dürfen. Aber es ist für alle gleich. Wir müssen das Beste machen aus diesen Voraussetzungen.

Es ist die letzte Saison in der alten Valascia. Kommt da etwas Wehmut auf?

Das letzte Spiel ist noch weit weg. Aber es wird ein trauriger Moment sein, weil wir so viel hier drin erlebt haben. Erst als Fan, dann als Spieler, jetzt als Trainer, und vor allem tut es mir extrem weh, dass wir ohne Fans spielen müssen. Hoffentlich ändert das noch, aber im Moment sieht es so aus, als ob die letzten Spiele in der alten Valascia ohne Fans stattfinden. Das ist kein Abschied, wie er es sein sollte.

Waren Sie auf der Baustelle des neuen Stadions?

Ja, vor etwa einem Monat waren wir mit der Mannschaft da und haben eine Runde gemacht. Ich war vorher im Sommer schon da. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht geglaubt habe, dass die neue Halle kommt. Ein Riesenkompliment an die Leute im Klub, denn in dieser Zeit hier etwas so Grosses zu bauen, ist schon speziell. Es war ein neues Stadion oder der Tod des Klubs.

Besteht nicht die Gefahr, dass im neuen Stadion die Stimmung leiden könnte?

Das ist eine der grössten Herausforderungen für uns als Klub. Auch mit dem neuen Stadion werden wir finanziell nicht zu den Besten der Liga gehören. Wir müssen also unsere Werte weiter leben, damit wir eine Chance haben und wir für die Liga einen Sinn machen. Wir Spieler und Trainer haben in der alten Valascia alles, was wir zum Arbeiten brauchen, aber es ist unbequem, kalt. Das macht uns auch stark. Wir sind es gewöhnt, unter schwierigen Umständen zu arbeiten und zu überleben. Nun kommen wir in eine bequemere Umgebung, aber wir müssen weiter genauso hart arbeiten und diese Werte weitergeben.

Im Moment wird im Schweizer Hockey viel über Reformen diskutiert. Dem Vernehmen nach sind ausser den ZSC Lions alle Klubs für eine Erhöhung der Anzahl Ausländer auf zehn, auch Ambri. Was ist Ihre Meinung dazu?

Wir als Klub sind dagegen, ich bin auch dagegen als Trainer. Ich denke, man würde die Identität verlieren, in allen Klubs, aber auch in unserem Hockey. Und man würde den Traum vieler junger Spieler zerstören. Der Gedanke, dass wir unser Hockey vor allem wirtschaftlich besser machen müssen, ist sicher richtig, denn es sind zu viele Klubs in Not. Aber die Lösung mit zehn Ausländern finde ich schlecht, und ich habe auch kein Problem, das zu sagen.

Verdienen denn Hockeyspieler zu viel in der Schweiz?

Sehr wahrscheinlich sind die Löhne ein Problem. Ich habe vor 15 Jahren aufgehört, seither sind die Löhne explodiert.

Aber die Klubs haben es ja in der Hand, weniger hohe Löhne zu zahlen.

Absolut. Das ist sicher ein Thema, bei dem wir Lösungen finden müssen. Man spricht von Financial Fairplay, Salary Cap. Es sind mögliche Lösungen auf dem Tisch. Spieler werden immer mehr verdienen als normale Leute, denn sie können weniger lang spielen. Aber jetzt sind die Löhne, nicht für alle, aber für viele wahrscheinlich zu hoch.

Würde ein Top-Ausländer wie Nättinen bei zehn Ausländern nicht eher beim ZSC, Zug oder Bern landen statt in Ambri?

Vielleicht. Der ausländische Markt ist natürlich viel grösser. Ich finde aber, das Argument, dass wir mit mehr Ausländern weniger Lohn zahlen, stimmt nicht ganz. Wir würden die zusätzlichen vier oder sechs Ausländer in die zweite oder dritte Linie setzen, und wenn ich die Bandbreite sehe, was unsere Spieler da jetzt verdienen, kostet uns ein Ausländer mit Nebenkosten wie Auto, Wohnung, Flüge oder Krankenkasse mehr.

Wie konnte Nättinen den anderen Klubs durchs Netz rutschen?

Wir wollten ihn schon vor zwei Jahren holen. Ausländer müssen bei uns eine Leaderrolle übernehmen, die anderen Klubs glaubten wohl, er sei noch zu jung dafür. Aber bei uns ist das Alter kein Problem, entweder du bist gut oder nicht.

Wie stehen Sie zur Idee einer geschlossenen Liga ohne Absteiger?

Einerseits sicher positiv, weil es Panikentscheide, die viel kosten, verhindern könnte. Es gibt aber den Klubs etwas Zeit, die wir nützen müssen, um etwas aufzubauen und zu akzeptieren, dass man auch mal Letzter wird. Aber mit einem Horizont, bei dem man mit jungen Spielern arbeitet, die Fehler machen dürfen. Auf der anderen Seite nimmt es sehr wahrscheinlich ein bisschen Spannung weg.