DART: Patrick Reys feudale Woche mit Dart-Stars

Patrick Rey (45) ist Amateur und betreibt sein Hobby mit grossem Aufwand. Kürzlich stand der Krienser für die Schweiz an den Europameisterschaften im Einsatz.

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Hier im Darts-Club Zöpfli in Luzern-Reussbühl trainiert Patrick Rey im Durchschnitt vier Abende pro Woche, vor der EM waren es sogar sieben. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Hier im Darts-Club Zöpfli in Luzern-Reussbühl trainiert Patrick Rey im Durchschnitt vier Abende pro Woche, vor der EM waren es sogar sieben. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Bukarest sei im Umbruch, berichtet Patrick Rey. Die rumänische Hauptstadt hinterliess einen bleibenden Eindruck. «Du siehst zwar die Armut, aber es ist auch Geld da.» Der Krienser leistete sich jedoch keine reine Vergnügungsreise. Feudal war diese aber allemal. In einer Fünfsterne-Nobelherberge fanden ab dem 24. September während vier Tagen die Europameisterschaften im Steel-Darts statt. «Das ‹Interkontinental› war ausschliesslich mit Darts-Spielern gefüllt. Gespielt wurde in Konferenzsälen. Du lebst mit den Stars, die aber völlig unkompliziert sind, es war richtig familiär», erzählt Rey sichtlich begeistert. Seinen 17. Rang im Einzel verbucht der in der Skifirma Stöckli in Wolhusen Angestellte als grossen Erfolg. «Es war der dritte Spieltag am Stück und deshalb sehr intensiv. Aber es machte Spass, es lief, ich spielte mein bestes Darts.»

Bestleistung abgerufen

In der ersten Runde der 120 Teilnehmer eliminierte Rey einen Isländer mit 4:2 Sätzen. Ein Satz beginnt bei 501. Beim Runterspielen auf null ist beim letzten Dart eine Doppelzahl gefordert (Beispiel: Bei Rest 40 muss beim Feld 20 der obere kleine Rand getroffen werden). In der zweiten Runde bekam er es mit einem Russen zu tun: «Das war ein Abnützungskampf.» Rey gewann diesen schliesslich knapp mit 4:3. In den Sechzehntelfinals traf er auf den Profi David Smith-Hayes aus Wales. Der spätere Halbfinalist eliminierte den Schweizer mit 4:2 aus dem Turnier. «Er schaffte es, einen Gang zuzulegen, als es eng wurde, das hat den Unterschied ausgemacht.» Tags zuvor steuerte Rey für das Team der Schweizer Nationalmannschaft in der zweiten Runde gegen Belgien drei Siege aus drei Partien bei. Ganz knapp reichte es trotz 7:5-Satzführung nicht – 7:9-Niederlage.

Am Samstagabend wurde zum Galadiner geladen, die achtköpfige Schweizer Spieler-Delegation (vier Frauen und vier Männer) fühlte sich äusserst wohl. «Das Essen mit den Ehrungen war edel. Wir liessen es uns gut gehen. Das Wichtigste aber war, dass ich zum richtigen Zeitpunkt mein Top-Darts abrufen konnte. Die Nervosität war gross, ich hatte ja keine Ahnung, was in Bukarest alles auf mich zukommen würde.»

Fortschritte dank der Nummer eins

Drei EM-Wettbewerbe, das Rumänien-Open – das hinterliess seine Spuren. An den Schweizer Meisterschaften zwei Wochen danach konnte er seine zuvor gezeigte Leistung nicht mehr abrufen. Die «Batterien» im Mentalbereich waren noch nicht wieder aufgefüllt. In diesen hatte Rey im Vorfeld der EM viel investiert (siehe Box unten). «Mit Rang 5 darf ich dennoch zufrieden sein. Hätte ich das Niveau von der EM beibehalten können, wäre der Titel möglich gewesen», bedauert Rey, der seit rund 27 Jahre im Darts-Sport zu Hause ist.

Angefangen hat alles damit, dass «Ochsner Sport», wo er angestellt war, im Länderpark Stans erstmals Darts-Zubehör im Angebot führte. Kurz darauf wurde in Stansstad der erste Klub gegründet. So richtig Gas geben konnte Rey allerdings erst vor rund zwei Jahren nach einem Abteilungswechsel in der Firma. Seither findet er an Wochenenden die Zeit, an Turnieren teilzunehmen. Die Fortschritte kamen auch dank dem mehrfachen Schweizer Meister Thomas Bremgartner (38), den Luzerner hatten wir in der Ausgabe vom 3. Juni vorgestellt. «Er hat mich mitgerissen, das Training gegen die Nummer eins zahlte sich schnell aus.» Die Belohnung für die Beharrlichkeit – vor der EM trainierte Rey 20 bis 25 Stunden wöchentlich – war die feudale Reise nach Bukarest. Diese wird für den Rest seines Lebens in Erinnerung bleiben.

Das Leistungsoptimum «per Knopfdruck» abrufen

Nach der Qualifikation für die Europameisterschaften in Bukarest hat sich Patrick Rey Gedanken gemacht, wie er dort sein Maximum würde herausholen können. «Schliesslich wollte ich nicht als Statist dorthin reisen», sagt er. So kam der Krienser in Berührung mit Mentaltraining. Viele Sportler haben noch immer Ängste, sich in die Hände von Mentaltrainern zu begeben, oder zuzugeben, dies zu tun. Rey hat keine Probleme, darüber zu sprechen. «Im Darts versagst du manchmal aus unerklärlichen Gründen. Ich suchte einen Weg, meine Bestleistung wie auf Knopfdruck abrufen zu können. Nun weiss ich: Es ist machbar.»

Eine Möglichkeit sind Gruppensitzungen. «Das funktioniert nicht bei allen, ist aber die günstigere Lösung», so Rey, der sich deshalb entschloss, Einzelsitzungen in Anspruch zu nehmen und ein auf ihn abgestimmtes Konzept erstellen liess. «Zunächst gab es rund sechs Sitzungen, die jeweils eine bis anderthalb Stunden dauerten. Der Mentaltrainer musste mich kennen lernen und herausfinden, wie ich ticke und auf gewisse Sachen reagiere.»

Rituale sind wichtig

Dazu gehört, dass eine CD produziert wird. Auf dieser werden Leitsätze zu hören sein, die ins Unterbewusstsein dringen sollen. «Diese werde ich dann während einer Viertelstunde auf mich niederprasseln lassen. Es ist wie eine Art Meditation», beschreibt Rey seine Erwartungen. Wichtig seien auch Rituale. «Ein Rafael Nadal im Tennis übt immer dieselben aus. Er greift sich ins Gesicht, zupft an seinem rechten Ohr. In meinem Fall weiss dann mein Hirn: Der ‹Status Darts› ist aktiv, alles andere wird ausgeblendet. Je besser ich es umsetze, umso grössere Vorteile habe ich in einer Partie. Der Weg muss sein, nie während eines Spiels in negative Gedanken zu verfallen.» Wenn alle mit Mentaltraining begännen, würde dieser Vorsprung allerdings wegfallen.

Rechnen ist überflüssig

Patrick Rey hat dank dem Mentaltraining an der EM sein Optimum per Knopfdruck abrufen können. Messen lässt sich das natürlich nicht. Spürbar ist es hingegen schon: Während sich zahlreiche Akteure beim Herunterspielen von 501 auf 0 mit Kopfrechnen herumplagen müssen, ist diese Zeit bei Rey vorbei. «Wenn ich im Dartmodus bin, brauche ich nicht mehr zu rechnen. Ich weiss automatisch, wie ich noch herunterzuspielen habe.»

Patrick Rey
Geboren: 30. März 1969
Wohnort: Kriens
Beruf: Angestellter bei Stöckli Wolhusen
Verein: Darts-Club Zöpfli Luzern
Erfolge: Zwei Mal Schweizer Mannschaftsmeister mit Zofingen; 17. im Einzel an der EM in Bukarest 2014
Nationales Ranking: 6. Rang
Vorbilder: National: Thomas Bremgartner; International: Raymond van Barneveld
Hobby: Berge

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