Orientierungsläufer Daniel Hubmann: Das Coronatief ist vergessen

Mit dem Nationalen OL in Schwarzenberg steigen die Orientierungsläufer am Sonntag in eine unübliche und intensive Herbstsaison. Mit am Start ist auch Routinier Daniel Hubmann.

Jörg Greb
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Daniel Hubmann an den Schweizer Sprintmeisterschaften in Stans.

Daniel Hubmann an den Schweizer Sprintmeisterschaften in Stans.

Bild: Nadia Schärli (1. September 2019)

Endlich wieder. Dem 37-jährigen Daniel Hubmann, Thurgauer mit Wohnsitz Bremgarten bei Bern, ist die Freude, die Erleichterung anzusehen. Seine Worte unterstreichen den optischen Eindruck: «Das Wettkampfgefühl fehlte, die Nervosität, das An-der-Startlinie-Stehen.» Die Lockdown-Zeit fiel ihm schwer. «Die Perspektivlosigkeit, das Vage, der neue Alltag setzten mir zu.» Und er braucht einen Begriff, der von ihm, dem Souveränen, Überlegten, Ruhigen sonst kaum zu hören ist: «eine Scheiss-Situation.»

Hubmann bedauerte, seine gute Frühform nicht nutzen zu können. Gleichzeitig fuhr er das Training massiv herunter. Er schenkte anderem Raum und «schlitterte in eine sportliche Krise». Es benötigte Wochen, bis er daraus herausfand. Mit den Lockerungen, den weitherum aufkommenden Initiativen und den sich abzeichnenden Möglichkeiten auch für die OL-Läufer im Hinblick auf den Herbst kehrte auch bei Hubmann die Energie zurück.

Zurückfinden in einen angemessen Modus

Ein halbprivates Trainingslager im Engadin Ende Juni/Anfang Juli, die Woche mit dem Nationalkader in Gstaad und zuletzt eine Wettkampf-Serie (3 Rennen) zur Einstimmung auf die WM 2021 in Tschechien, die er als Sieger (vor Bruder Martin) und vor der tschechischen Elite beendete, brachten das Gefühl vom Sportlerleben zurück.

Und jetzt also die Möglichkeit, sich auch wieder in der Schweiz zu messen: Hubmann schätzt diesen Aufbruch. Er sagt: «Ich bin allen hinter den Kulissen dankbar, vor allem den Veranstaltern, die einen beträchtlichen Mehraufwand auf sich nehmen.» In Bestform fühlt er sich nicht: «Bereite ich Weltmeisterschaften vor, richte ich mich während Monaten darauf aus, jetzt müssen zwei Wochen gezieltes Training und mentale Ausrichtung reichen.» Aber er sagt auch:

«Irgendwie wäre es schade, in absoluter Topform zu sein: keine Weltmeisterschaften, kein Weltcup.»

Einen angemessenen Stellenwert aber misst er den Schweizer Rennen mit den verschiedenen Meisterschaftsdistanzen alleweil bei.

Anspruchsvolle Aufgabe für Luzerner Organisatoren

Die Klasse des achtfachen Weltmeisters, sechsfachen Gesamtweltcup-Siegers und 33-fachen Schweizer Meisters müsste für Spitzenränge reichen, zumal die Topkonkurrenten alle mit denselben Rahmenbedingungen haben klarkommen müssen.

Austragungsort des Mitteldistanzrennens ist das Gebiet Lifelen zwischen Schwarzenberg und Eigenthal. Spannend aus organisatorischer Perspektive: Der von der OLV Luzern organisierte Anlass läutet die Saison für die Spitzen- wie für die Breitensportler ein – und ist auf die Covid-19-Bestimmungen des Bundes abgestimmt. «Wir mussten viele Ideen und Geplantes wieder über Bord werfen und unser Konzept immer wieder den sich ändernden Bestimmungen anpassen», sagt Laufleiter Matthias Boos. Der sonntägliche Wettkampf ist in zwei Teile aufgeteilt: den Leistungssport, Elite, inklusive älteste Nachwuchskategorien am Vormittag (das Rennen zählt als erstes für den diesjährigen Swiss Orienteering Grand Slam), die übrigen Kategorien am Nachmittag. Die aussichtsreichsten Vertreter der OLV Luzern sind Corsin Boos (H20), Sara Portmann (D18), Jan Burkhardt (H18) und Flavio Ehrler (H16).

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