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Kriechmayr gegen Feuz: Das Duell findet im Kopf statt

Beat Feuz lobt Lauberhorn-Sieger Vincent Kriechmayr. Der Schweizer macht dies nicht ohne Hintergedanken.
Martin Probst, Wengen
Beherrscht den Umgang mit Druck: Beat Feuz. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Wengen, 16. Januar 2018))

Beherrscht den Umgang mit Druck: Beat Feuz. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Wengen, 16. Januar 2018))

Sport ist auch Psychologie. Schon wenige Minuten nach der Abfahrt am Lauberhorn ging das Duell um den Sieg in Kitzbühel los. Beat Feuz erhöhte als erster den Druck auf Sieger Vincent Kriechmayr. Nach Rang zwei in Wengen sagte Feuz: «Vincent ist für mich der beste Techniker unter uns Speedfahrern.»

Der Chef der Schweizer Abfahrer, Trainer Andy Evers, beschleunigte bei Kriechmayr ebenfalls das Gedankenkarussell: «Dass er einer der Stärksten ist, wissen wir schon lange. Er wird in Zukunft ein ganz starker Gegner sein.»

Das Prinzip ist in der Sportwelt altbekannt: Stärke deinen Gegner verbal, um ihn mental zu schwächen. Denn Druck ist der grösste Feind vieler Athleten. Kriechmayr ist sich durchaus bewusst, dass Feuz die Rolle des Favoriten in Kitzbühel auf ihn abschieben will. Auch er beherrscht dieses Spiel. So sagte der Österreicher in einem SRF-Interview unlängst: «Der Beat ist uns allen etwas voraus. Von ihm kann ich mir noch sehr viel abschauen.»

Kriechmayr, seit Samstag vierfacher Sieger im Weltcup, neigte in der Vergangenheit immer mal wieder dazu, zu viel zu wollen. Darum versucht er sich selbst zu erden. Zum Beispiel zu Hause auf dem Bauernhof seiner Eltern: «Wenn man erlebt, wie Tiere aufwachsen, oder einen Tag im Stall arbeitet, schärft sich der Blick wieder für die wichtigen Dinge im Leben.»

Das Kuhstallprinzip funktioniert

Die Trainer attestieren Kriechmayr, dass er in den vergangenen zwei Jahren besonnener geworden ist. Das Kuhstallprinzip scheint zu funktionieren. Geholfen hat ihm aber auch jemand, der früher Beat Feuz betreute: Trainer Sepp Brunner. Nach seiner Entlassung bei Swiss Ski vor zwei Jahren kehrte der Österreicher in seine Heimat zurück und formt seither die österreichischen Speedfahrer. Mit der Hilfe von Brunner etablierte sich Vincent Kriechmayr in der vergangenen Weltcupsaison unter den Besten.

Nach seinem Sieg in Wengen, für den er am Samstag die Basis im technischen Brüggli-S legte, wo er Feuz klar distanzierte, sagte Kriechmayr: «Für mich bleibt Beat der Favorit in Kitzbühel.» Allerdings ist der Schweizer ein Meister im Umgang mit Druck. Er mag die Rolle des Favoriten «Es freut mich, wenn die Leute erwarten, dass der Feuz schnell sein sollte», sagt er. Spätestens an der Heim-WM 2017 in St. Moritz bewies er mit Gold in der Abfahrt, dass ihn eine enorme Erwartungshaltung nicht bremst, sondern beflügelt.

Gewonnen haben die Abfahrt in Kitzbühel beide noch nicht. Während Kriechmayr Rang vier aus dem Vorjahr als Bestresultat ausweist, war Feuz schon zweimal Zweiter (2016 und 2018). Er sagt: «Es ist höchste Zeit, dass in Kitzbühel mal wieder ein Schweizer gewinnt.» Auch das erhöht den Druck und erinnert die Österreicher an eine Zeit, in der ein Schweizer die Streif beherrschte: Didier Cuche. Letztmals siegte er 2012.

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