Das einfache Erfolgsrezept der SCL Tigers

Die SCL Tigers empfangen am Freitag (19.45) den EV Zug und sind auf bestem Weg, die Qualifikation für die Playoffs zu schaffen. Das Erfolgsrezept der Langnauer ist ganz einfach: zwei überragende ausländische Stürmer. Ein verlorener Sohn und ein «lateinischer» Finne.

Klaus Zaugg
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Ein fast schon «normales »Bild bei den SCL Tigers: Harri Pesonen (links) jubelt mit Topscorer Chris DiDomenico. (Bild: Pascal Muller/freshfocus (Genf. 8. Februar 2019))

Ein fast schon «normales »Bild bei den SCL Tigers: Harri Pesonen (links) jubelt mit Topscorer Chris DiDomenico. (Bild: Pascal Muller/freshfocus (Genf. 8. Februar 2019))

Zwischen Zug und Langnau gibt es einen ganz zentralen Unterschied: die Schweizer Spieler der Zuger sind so gut, dass die Mannschaft in der Qualifikation auch mit durchschnittlichem ausländischen Personal gut über die Runden kommt. Die Langnauer stehen und fallen hingegen mit ihren Ausländern. Harri Pesonen (30) und Chris DiDomenico (29) machen die Differenz. Dazu ein ganz simpler Zahlenvergleich: Diese Saison haben die beiden Stürmer bereits 80 Punkte gebucht. Mehr als die beiden punktbesten Ausländer in den Jahren seit dem Wiederaufstieg von 2015 am Ende der Qualifikation auf dem Konto hatten: 2015/16 waren es 75, 2016/17 lediglich 67 und letzte Saison sogar nur 59 Punkte.

Die Arroganz eines vermeintlichen Grossclubs und ein Ehrenwort haben Langnau die Verpflichtung der beiden Ausnahmekönner ermöglicht.

Der nicht verwirklichte NHL-Traum

Zum Ehrenwort: Im Februar 2017 verlässt Chris DiDomenico das Emmental vorzeitig aus einem laufenden Vertrag. Noch bevor in der Abstiegsrunde der Klassenerhalt gesichert ist. Weil er in Ottawa die Chance bekommt, doch noch den Lebenstraum NHL zu verwirklichen. Gross ist die Empörung im Gotthelf-Land über diesen Verrat. Aber Präsident Peter Jakob handelt klug. Er zügelt seinen Zorn lässt seinen flamboyanten Leitwolf ziehen. Gegen das Ehrenwort, im Falle einer Rückkehr in die Schweiz wieder nach Langnau zu kommen. Heute bestätigt der Kanadier diese «Verhandlungs-Romantik». Als sich der Traum NHL dann doch nicht verwirklichen liess, habe er andere Offerten aus der Schweiz gehabt. «Aber die interessierten mich nicht. Langnau hatte mich aus einem Vertrag freigegeben und ich habe damals mein Wort gegeben, dass ich, wenn ich in die Schweiz zurückkommen sollte und man mich wieder will, nur für Langnau spielen werde.» Inzwischen hat der heimgekehrte «verlorene Sohn» seinen Vertrag bis 2020 plus Option verlängert.

Das beste ausländische Stürmerduo in Langnaus Geschichte

Zur Arroganz eines vermeintlichen Grossklubs: Aus gesundheitlichen Gründen hatte Harri Pesonen letzte Saison (2017/18) in Lausanne nicht sein bestens Hockey gespielt. Also liess ihn Sportdirektor Jan Alston erst einmal auf eine Verlängerungs-Offerte warten. Der Finne sagt es diplomatisch so: «Lausanne setzte für diese Saison auf zwei ausländische Center und zwei ausländische Verteidiger. Da wäre für mich höchstens noch die Rolle eines fünften Ausländers geblieben.» Also habe er nicht gewartet und sich nach einem neuen Klub umgesehen. Hatte er keine anderen Offerten? «Nein. Erst, als ich in Langnau unterschrieben hatte, kam hinterher das Interesse der anderen Klubs.» Inzwischen hat er in Langnau bis 2021 verlängert.

So sind die Langnauer zum besten ausländischen Stürmerduo ihrer Geschichte gekommen. Die beiden ergänzen sich ideal. Obwohl keiner als klassischer Mittelstürmer spielt. Chris DiDomencio ist als nomineller Flügel der produktivste Spielemacher der gesamten Liga (31 Assists/10 Tore). Er dominiert das Spiel mit einer phänomenalen Spielintelligenz mehr auf den Aussenbahnen als im Zentrum. Harri Pesonen ist der viertbeste Torschütze der Liga (20 Tore/19 Assists) und stürmt mit der Dynamik und der direkten Linie eines Nordamerikaners. In seiner Art ist er kein kühler, introvertierter Nordländer. Vielmehr kommunikativ und temperamentvoll wie ein Lateiner. Oft stürmen die beiden nicht gemeinsam. Aber wenn es darum geht, die Entscheidung zu erzwingen, dann schickt Heinz Ehlers Chris DiDomenico und Harri Pesonen gemeinsam aufs Eis – und dann Wanken die gegnerischen Verteidigungen.

National League. Rangliste: 1. Zug 42/87. 2. Bern 41/86. 3. SCL Tigers 42/70. 4. Lausanne 42/68. 5. Biel 42/68. 6. Ambri-Piotta 41/64. 7. ZSC Lions 42/62. 8. Fribourg-Gottéron 42/62. 9. Genève-Servette 43/62. 10. Lugano 41/61. 11. Davos 42/34. 12. Rapperswil-Jona Lakers 42/29.