Das Ende der Spengler-Cup-Pause?

Die heisse Phase des Spengler-Cups beginnt erst im nächsten Sommer. Es geht um jährlich 800000 Franken.

Klaus Zaugg
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Mit dem Spengler-Cup kann der HCD (Luca Hischier, links) seine Transferkasse füllen.

Mit dem Spengler-Cup kann der HCD (Luca Hischier, links) seine Transferkasse füllen.

Melanie Duchene/Keystone (Davos, 29. Dezember 2018)

Über die Festtage ruht die Meisterschaft der National League, um das Hochamt unseres Hockeys zu feiern: den Spengler-­Cup. So ist es seit 1923. Bis Ende der 1980er-Jahre war der Spengler-Cup sogar ein offizielles IIHF-Turnier. Also ein Anlass unter der Schirmherrschaft des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) – wie eine WM. Alle Meisterschaften in Europa von Paris bis Wladiwostok mussten in der Altjahrswoche ruhen. Der damalige IIHF-Präsident Dr. Günther Sabetzki (der Vorgänger von René Fasel) schmähte den Spengler-Cup ein «Wischiwaschi-Turnier» und hob den Terminschutz auf.

Wäre der Spengler-Cup Sache des Verbandes, dann gäbe es um die Meisterschaftspause in der Altjahrswoche keine Diskussionen. Aber Organisator ist der HC Davos. Im Unterland hat man sehr wohl registriert, dass das Turnier kommerziell erfolgreich ist wie nie. Die Klubs verzichten also auf Spiele zur besten Jahreszeit, damit der HCD seine Transfer-Kriegskasse mit mindestens zwei Millionen Franken (das ist der geschätzte Nettogewinn aus dem Turnier) äufnen kann. Und eigentlich nur noch dank dem Spengler-Cup dazu in der Lage ist, ein Team zu finanzieren, das in guten Zeiten um den Titel spielt.

HCD fällt einen Grundsatzentscheid

Ein unhaltbarer Zustand in Zeiten des Hockey-Kapitalismus. Deshalb muss sich der HC Davos diese Meisterschaftspause bereits seit acht Jahren im Rahmen eines zehnjährigen Vertrages mit der Liga durch eine ­Zahlung von durchschnittlich 800 000 Franken pro Jahr an die übrigen Klubs (sofern sie nicht am Turnier mitspielen wie dieses Jahr Ambri-Piotta) erkaufen. Das ist viel Geld. Unter der Federführung von Peter Zahner, Geschäftsführer der ZSC Lions, haben die Klubs im Unterland diese «Pausensteuer» durchgesetzt. Jahr für Jahr 800 000 Franken bezahlen: Das tut weh. Deshalb beschäftigt sich HCD-­Präsident Gaudenz Domenig seit einiger Zeit intensiv mit der Frage: Braucht es denn die Pause überhaupt? Er sagt: «Wir werden im Januar diese Angelegenheit im Verwaltungsrat eingehend analysieren und einen Grundsatzentscheid fällen.» Wir können davon ausgehen, dass der HCD den «Pausenvertrag» der Liga nicht mehr verlängern wird.

Warum muss der Entscheid gerade jetzt fallen? Weil das Geschäft noch im Jahr 2020 von der Liga abgesegnet werden muss. Die Spengler-Cup-Pause ist hockeyrechtlich eine Spielplan-Angelegenheit. Der Zehnjahresvertrag mit der Liga läuft 2021 aus. Also würde die Spengler-Cup-Pause erstmals in der Saison 2021/22 entfallen. Entscheidungen, die den Spielplan betreffen, benötigen, wenn sie die übernächste Saison betreffen, bloss eine einfache Mehrheit der Klubs. Damit alles seine Ordnung hat, ist ein formeller Entscheid bei einer Ligaversammlung im Sommer 2020 notwendig.

Hat die Liga erst einmal zugestimmt, ist die Sache in trockenen Tüchern. Der HCD muss dann nicht mehr befürchten, dass ein Klub-Jurist im Flachland Mittel und Wege finden wird, wie man es dem HC Davos verwehren könnte, auf die Spengler-Cup-Pause zu verzichten.

TV-Übertragungen werden nicht tangiert

Die Frage ist natürlich: Geht es wirklich ohne Spengler-­Cup-Pause? Ja, es geht. Problemlos sogar. Die TV-Übertragungen werden nicht tangiert. Unser staatstragendes Fernsehen SRF kann während der Qualifikation sowieso keine Meisterschaftsspiele live übertragen und ist noch so froh, das Programm über die Festtage mit dem Spengler-Cup «möblieren» zu können. Die Einschaltquoten sind nach wie vor gut. Auf die Livepräsenz im öffentlich-recht­lichen Fernsehen kann der HC Davos in keinem Fall verzichten. Mehr als drei Meisterschaftsspiele können in der Altjahreswoche sowieso nicht angesetzt werden, und es gibt nicht für jeden Klub zwei Heimspiele. Das Argument der Flachlandklubs, man verliere durch den Verzicht auf Spiele in der Weihnachtspause Geld, ist so billig, dass es erstaunlich ist, dass es gelungen ist, den HC Davos damit zu «erpressen».

Wenn künftig während des Spengler-Cups Meisterschaftspartien gespielt werden, kann unser staatstragendes Fernsehen den netten Hockey-Abend aus Davos erst noch mit allen Toren der Meisterschaftsspiele garnieren. Auch die Teilnahme eines zweiten Schweizer Teams ist weiterhin möglich: Die zwei oder drei Qualifikationsspiele, die ein Turnierteilnehmer während des Spengler-Cups halt nicht bestreiten kann, können problemlos vor- oder nachgeholt werden. Das ist dann Sache von Spielplan-General Willi Vögtlin.

Die Kanadier sind dazu in der Lage, ihr Nationalteam (Team Canada gilt als Nationalmannschaft) auch ohne Spieler aus der National League zusammenzustellen – und wenn ein Kanadier unbedingt am Spengler-Cup teilnehmen will, dann darf er das auch dann, wenn sein Arbeitgeber Meisterschaftsspiele austrägt: Die ausländischen Spieler werden nur unter der Bedingung lizenziert, dass sie für Länderspiele freigegeben werden müssen. Spengler-Cup-Einsätze für Team Canada gelten hockeyjuristisch als Länderspiele.

Spielplan Spengler-Cup

Spielplan Spengler-Cup Gruppe Torriani: Ambri-Piotta, Salavat Yulaev Ufa, TPS Turku. – Spielplan (alle Spiele um 15.10): Do, 26. Dezember: Ambri-Piotta – Salavat Yulaev Ufa. – Fr, 27. Dezember: TPS Turku – Verlierer Spiel 1. – Sa, 28. Dezember: Gewinner Spiel 1 – TPS Turku. Gruppe Cattini: Ocelari Trinec, Team Canada, HC Davos. – Spielplan (alle Spiele um 20.15): Do, 26. Dezember: Ocelari Trinec – Team Canada. – Fr, 27. Dezember: HC Davos – Verlierer Spiel 1. – Sa, 28. Dezember: Sieger Spiel 1 – HC Davos. Halbfinal-Qualifikation: So, 29. Dezember, 15.10: Zweiter Gruppe Torriani – Dritter Gruppe Cattini. – 20.15: Zweiter Gruppe Cattini – Dritter Gruppe Torriani. Halbfinals: Mo, 30. Dezember, 15.10 und 20.15. Final: Di, 31. Dezember, 12.10.