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Das Ende einer Ära: Letzter Formel-1-Grand-Prix in Deutschland

Das Qualifying in Hockenheim vom Samstag war für den Deutschen Sebastian Vettel wohl die letzte Zeitenjagd in seiner Heimat. Denn am Sonntag (15.10 Uhr, SRF zwei) gibt es den vorerst letzten Formel-1-Grand-Prix von Deutschland.
Sascha Reuter
Ein GP-Sieg in Deutschland fehlt ihm noch: Sebastian Vettel. (Bild: Jan Woitas/Keystone (Hockenheim, 21. Juli 2018))

Ein GP-Sieg in Deutschland fehlt ihm noch: Sebastian Vettel. (Bild: Jan Woitas/Keystone (Hockenheim, 21. Juli 2018))

Sebastian Vettel (31) gegen Lewis Hamilton (33): Dieses Duell elektrisiert derzeit die Formel-1-Fans. Der medial zurückhaltende Deutsche gegen den omnipräsenten Briten – beide auf der Jagd nach ihrem fünften WM-Titel. Und an diesem Wochenende ein deutsch-deutsches Duell auf deutschem Boden. Denn das Rennen auf dem Hockenheimring ist ein Heimspiel für Vettel, der rund 40 Kilometer entfernt in Heppenheim aufwuchs – und sich nach dem ersten Sieg in der Heimat sehnt. Und es ist genauso ein Heimspiel für Hamiltons Mercedes-Team, dessen Zentrale nur eineinhalb Stunden entfernt ist.

Man könnte also anneh- men, dass blendende Stimmung herrscht im Formel-1-Land Deutschland. Das Gegenteil ist der Fall. Denn vorbei sind die Zeiten, als die Formel 1 eigentlich die «Formel Deutsch» war und man stets eine der grössten Fahrerfraktionen stellte – und 13 Jahre lang als einzige Nation sogar zwei Grand Prix: den GP von Deutschland, ausgetragen auf dem Hockenheimring, und den GP von Europa am Nürburgring.

Das Ende dieser Dopplung 2007 war das erste deutliche Anzeichen des sinkenden Interesses an der Königsklasse des Motorsports. Eine Entwicklung, die sich seitdem immer weiter verstärkt hat. Das letzte Rennen am Nürburgring fand vor fünf Jahren statt. Nahtlos fügt sich die Reaktion von Vettels Landsmann Nico Hülkenberg im Rahmen des Rennens in Österreich in diese Tendenz ein. Auf die Frage, was er von der kompletten Streichung des deutschen Grand Prix aus dem Rennkalender 2019 halte, folgte kein leidenschaftliches Plädoyer für den Motorsportstandort Deutschland: kein flammender Appell für eine Traditionsstrecke, sondern lediglich ein Achselzucken.

Sinkendes Interesse der Formel-1-Fans

Einzig für Ferrari-Pilot Vettel scheint das Heimrennen etwas Spezielles zu sein: «Dadurch, dass so viele Freunde und die Familie da sein werden, ist es besonders.» Auch der Streckenführung kann der vierfache Weltmeister etwas abgewinnen, vor allem dem letzten Sektor: «Wenn man ins Motodrom kommt, die ganzen Flaggen sieht und hoffentlich viele Leute in Rot – dann kribbelt es.» Doch anders als Vettel verspüren immer weniger Zuschauer beim Deutschland-Grand-Prix ein Kribbeln. Strömten während der Ära von Michael Schumacher Anfang der 2000er-Jahre noch 100 000 Fans an die Strecke, waren es 2014 nur noch 52 000. Deutlich zu wenig, um rentabel zu sein. Ein Minus von rund 2,5 Millionen Euro soll zu Buche gestanden sein. In diesem Jahr wird man im besten Fall einen kleinen Gewinn erwirtschaften – trotz deutlich höherem Zuschauerinteresse. «Wir erwarten 70 000 Fans, dann würden wir eine schwarze Null schreiben», sagte Georg Seiler jüngst, seines Zeichens Geschäftsführer des Hockenheimrings.

Eine Aussage, die zunächst befremdlich klingt in Anbetracht eines durchschnittlichen Ticketpreises von etwas mehr als 200 Euro. Doch die prall gefüllte Wanne mit den Einnahmen hat nicht nur ein Loch im Boden, durch das die Ausgaben abfliessen. Der Boden fehlt komplett. Denn alleine die Antrittsprämie für die Rennserie verschlingt einen zweistelligen Millionenbetrag. Hinzu kommen weitere hohe Aufwendungen wie beispielsweise die Betriebskosten im Umfeld des Rennens.

Neue Bewerber stehen Schlange

Ein Modell, das noch auf einem alten Vertrag zwischen Formel 1 und Hockenheimring beruht, der dieses Jahr endet. Eine Gelegenheit also, den horrenden Preis zu drücken? Mitnichten. Der bisherige Vertrag gilt als stark rabattiert, andere Strecken zahlen sogar ein Vielfaches. Bis zu 50 Millionen Euro sollen sich die Veranstalter in Abu Dhabi und im russischen Sotschi die Formel 1 kosten lassen – subventioniert vom Staat. Ihnen geht es nicht um Betriebswirtschaft. Ihnen geht es um Glamour und Prestige. Und sie sind nicht die Einzigen, die sich darum reissen, Teil des grossen Formel-1-Zirkusses zu sein. Neue Bewerber stehen Schlange: Miami, Hanoi, Kopenhagen. Sie alle würden sich gerne im Glanz der Rennserie sonnen und sind bereit, dafür tief in die Tasche zu greifen.

In Hockenheim hingegen will man diesen Weg nicht mitgehen. Deshalb wird es 2019 keinen Grossen Preis von Deutschland geben. Eine Rückkehr 2020 wird zwar noch verhandelt, gilt aber als sehr unwahrscheinlich. Zu hoch sind die Hürden. «Alle Parameter müssen passen, und es müssen Partner da sein, die mit uns die Formel 1 finanzieren wollen», sagt Seiler und ergänzt: «Grosse Risiken werden wir nicht eingehen.»

So stehen die Zeichen in Deutschland auf Abschied. Nicht zuletzt deshalb sehnt sich Vettel nach dem ersten Sieg in Hockenheim. «Das wären für mich mehr als 25 Punkte in der Gesamtwertung.» Er weiss: Es ist vermutlich seine letzte Chance.

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