Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Das gibt’s wohl nur in der Schweiz

Sportredaktor Albert Krütli zur Diskrepanz des Stellenwertes von Tennisspieler Roger Federer in der Schweiz und im Ausland.
Albert Krütli
Albert Krütli

Albert Krütli

Die Lobeshymnen auf Roger Federer sind auf der ganzen Welt seit Jahren unüberhörbar. Die Fans und Prominenz sind nicht nur von der Tenniskunst des Maestros entzückt, sondern sie schätzen vor allem auch seine Menschlichkeit, Bodenständigkeit und charismatischen Züge. Die Spezies auf unserem Erdball, die sich diesem Ausnahmekönner zu entziehen versucht, ist zunehmend vom Aussterben bedroht.

Zuletzt war der 36-jährige Schweizer sogar auf dem wöchentlich erscheinenden US-Nachrichtenmagazin «Time» auf der Titelseite abgebildet. Das Magazin, das über eine Auflage von über drei Millionen verkaufter Exemplare verfügt, veröffentlichte die Liste der 100 einflussreichsten Personen. Und dazu gehört eben Roger Federer, dessen Laudatio von Bill Gates, dem Microsoft-Gründer verfasst wurde.

Zurück vom Schmelztiegel New York City in die beschauliche Schweiz, genauer nach Basel. Dort hat der aus 100 Mitgliedern bestehende Grosse Rat in der letzten Woche über einen politischen Vorstoss von Martina Bernasconi abgestimmt. Die FDP-Grossrätin wollte, dass die St.-Jakob-Halle in Roger-Federer-Arena um­benannt wird. Nach dem 20. Grand-Slam-Triumph des Baslers beim Australian Open in Melbourne sollte dem bekanntesten Basler Bürger ein Denkmal geschaffen werden. Eine klare Sache, könnte man meinen, aber hoppla: Nur acht Mitglieder des Kantonsparlaments waren dafür, 78 dagegen.

Ich wage zu behaupten, dass wohl in jeder anderen Stadt ausserhalb der Schweiz das Resultat umgekehrt ausgefallen wäre. Lag es am berühmt-­berüchtigten Kantönligeist? Denn: Ist Federer ein Basel­städter oder ein Baselbieter? Er selber bezeichnet sich ­diplomatisch als Basler. Für die Einwohner des Kantons Basel-Landschaft und seinen 90 Mitglieder umfassenden Landrat gehört der Weltstar aber ganz klar zu ihnen. Also: Geboren ist Roger Federer in Birsfelden (Stadt), seine Eltern zogen später nach Riehen (Stadt), das Tennisspielen erlernte er im TC Ciba Allschwil (Land), danach wechselte er zum TC Old Boys Basel (Stadt), er wohnte noch einige Jahre bei seinen Eltern in Münchenstein (Land) und hatte schliesslich eine eigene Wohnung in Oberwil (Land). Möglicherweise war dem Grossen Rat der Hype um Federer aber auch ganz einfach langsam unheimlich, nachdem die Medizinische Fakultät der Universität Basel ihm im letzten Jahr die Ehrendoktorwürde verliehen hatte.

Wie dem auch sei: Die ­St.-Jakob-Halle behält ihren Namen. Für die Basler bleibt es damit bei ihrer liebevoll genannten «Joggelihalle» – und Roger Federer kommt sich deswegen bestimmt nicht als «Joggeli» vor, auch wenn er dafür sorgt, dass die Halle bei den jährlichen Swiss Indoors jeweils ausverkauft ist. Schliesslich hat er sich sein Denkmal mit den 20. Grand-Slam-Titel ja bereits selber geschafften.

Die Schweiz ist nun mal speziell und einzigartig– wie Roger Federer.

Albert Krütli

albert.kruetli@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.