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Wawrinka-Trainer Norman: «Das ist ein kleines Wunder»

Trainer Magnus Norman (43) arbeitet mit einem kurzen Unterbruch seit 2013 mit Stan Wawrinka zusammen. Der Schwede ist überzeugt, dass Wawrinka wieder ein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann.
Interview: Simon Häring, Paris
Magnus Norman (links) diskutiert während des Trainings mit Stan Wawrinka. (Bild: Claude Diderich/Freshfocus (Paris, 24. Mai 2019))

Magnus Norman (links) diskutiert während des Trainings mit Stan Wawrinka. (Bild: Claude Diderich/Freshfocus (Paris, 24. Mai 2019))

Stan Wawrinka sagte nach seinem Sieg in der zweiten Runde, das sei sein bestes Spiel seit seiner Rückkehr gewesen. Einverstanden?

Magnus Norman: Zu hundert Prozent. Stan spielt derzeit mit viel Intensität, bewegt sich gut, ist explosiv in den Beinen und zeigt bei seinen Schlägen kein Zögern. Vor allem aber hat er sich im Vergleich zu den letzten Wochen und auch zwischen dem ersten und dem zweiten Spiel hier in Paris bereits stark verbessert. Die Energie, die er auf den Platz bringt, ist beeindruckend.

Als Aussenstehender hat man den Eindruck, Wawrinkas Körpersprache sei hier eine ganz andere. Teilen Sie diese Sichtweise?

Absolut. Man spürt, wie motiviert und glücklich Stan ist, wieder hier spielen zu können. Er fühlt den Ball und ist in einer guten Position, um hier ein grosses Resultat abzuliefern. Für Stan ist das hier auch schon die Bestätigung für die harte Arbeit, die er nach seiner schweren Verletzung geleistet hat. Er steht richtig unter Strom.

Wawrinka fühlte sich von Ihnen im Stich gelassen, als Sie die Zusammenarbeit im Herbst 2018 beendeten, als er verletzt war.

Ich verstehe seine Frustration und dass er das Gefühl hatte, dass ich ihn in einem schlechten Moment verlassen habe. Ich habe mich damals vor allem wegen einer meiner Zwillingstöchter zurückgezogen. Sie hatte grosse Mühe damit, dass ich ständig unterwegs war. Sie begann, sich nicht mehr von mir zu verabschieden, wenn ich verreiste. Es war eine extrem belastende Situation für mich, in der ich mich für meine Kinder entschieden habe.

Ihre Tochter ist aber auch der Grund, wieso Sie nun wieder als Trainer von Wawrinka arbeiten.

Richtig. Nach ein paar Monaten begann meine Tochter Estelle zu fragen, wie es Stan gehe und warum sie ihn nicht mehr sehe. Als ich ihr sagte, dass er Schmerzen im Knie habe, sagte sie zu mir: Aber hey, Papa, du musst Stan helfen, er braucht dich jetzt.

2018 in Marseille dachte Wawrinka an den Rücktritt. Wie haben Sie das von aussen erlebt?

Für mich war es sehr hart, ihn so zu sehen, mit den Schmerzen, die er hatte. Wir haben nie darüber gesprochen, es ist für uns Vergangenheit. Heute ist es so, dass ich Stan manchmal daran erinnern muss, woher er kommt. Er hatte eine so schwere Verletzung. Dass er wieder auf diesem Level spielt, ist ein kleines Wunder. Manchmal sage ich zu ihm: Hey, Stan, klopf dir selber mal auf die Schulter für das, was du bereits erreicht hast. Es war höllisch viel Arbeit, zurückzukommen. Versuche, das alles zu geniessen und glücklich zu sein, dass du dieses Leben ­führen kannst, das ist nicht selbstverständlich.

Wie haben Sie ihn erlebt, als Sie vor einem Jahr wieder begannen, miteinander zu arbeiten?

Stan war damals in einer schwierigen Situation, aus der er aber unbedingt raus wollte. Er wusste, dass uns viel Arbeit bevorstehen würde und dass er Geduld braucht, um wieder aus diesem Loch zu kommen. Stan ist eine sehr reife und intelligente Persönlichkeit und hat seine Situation realistisch eingeschätzt.

Vor Paris scheiterte Wawrinka in Rom und in Genf zwei Mal in der ersten Runde. Woran liegt das?

Ich kann es mir auch nicht erklären, denn in Madrid spielte Stan gut, wie auch in den Wochen ­zuvor. Als Trainer frustriert mich das. Wir sprechen oft darüber und suchen Lösungen. Stan hinterlässt manchmal den Eindruck, dass es ihm egal ist, wenn er verliert. Aber oft ist das Gegenteil der Fall, nämlich dass er sich zu sehr unter Druck setzt und zu hohe Erwartungen an sich hat. Wenn es dann nicht so läuft, wie er sich das vorgestellt hat, ist er frustriert. Und es wirkt dann so, als hätte er keine Lust. Stan muss seine Balance finden.

Wie können Sie daran arbeiten?

Das ist sehr schwierig. Sehen Sie, was Federer, Nadal und Djokovic tun, ist nicht normal. Ihre Konstanz ist phänomenal. Wir sprechen zwar sehr oft darüber, was Stan helfen könnte, noch konstanter zu werden. Aber das wird immer eine Herausforderung bleiben. Denn Stan ist, wie er ist: Ein Spieler, der mehr Höhen und Tiefen kennt.

Bei den Australian Open sagten Sie, für Sie sei er immer noch in seinem Comeback. Welche Entwicklungen sehen Sie seither?

Stan hat es sicher nicht geschadet, dass er die letzte Saison schon im Herbst beendet hat. Er hatte dadurch für alles mehr Zeit: Er ging früher in die Ferien, konnte auch früher mit der Vorbereitung beginnen. Er hatte so viel Zeit wie lange nicht mehr. In den letzten Jahren war er ja jeweils am Masters in London dabei. 2014 bestritt er noch den Davis-Cup-Final. Erholung und Vorbereitung kamen zu kurz.

Wie nahe ist Wawrinka schon wieder an den Top Ten dran?

Wir reden nie über das Ranking. Meine Aufgabe besteht darin, ihn so gut wie möglich auf die Turniere vorzubereiten. Wir denken langfristig. Wenn es jetzt in Paris nicht gut läuft, dann vielleicht bei den US Open. Ich bin aber überzeugt, dass er Ende Saison sehr viel besser klassiert sein wird als jetzt (ATP 28, Anm. d. Red.). Ich sehe ja, wie sehr er sich reinhängt. Ich wäre überrascht, wenn es nicht so wäre. Wir ­wissen alle, wozu Stan fähig ist. Sonst hätte er nicht drei Grand-Slam-Turniere gewonnen.

Glauben Sie, dass Wawrinka noch einmal ein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann?

Absolut. Es ist nicht so, dass wir konkret darüber reden, sondern eher über sein Level. Aber er ist es jetzt wieder gewohnt, Matches zu spielen. In Australien war es so, dass er am Tag danach noch sehr müde war und noch Schmerzen hatte. Jetzt ist er viel entspannter, und es kostet ihn nicht mehr so viel Energie. Stan ist nun klarer im Kopf, bewegt sich noch besser. Und er schlägt sehr viel härter auf – mit 5 bis 10 Kilometern in der Stunde mehr. Was er nun braucht, sind Siege wie hier am French Open. Sie geben ihm den Glauben für die Spiele gegen die Besten.

Wawrinka ist jetzt 34 Jahre alt. Was denken Sie, wie lange wird er noch Tennis spielen?

Über sein Alter sprechen wir nie. Stan hat mit seiner Operation beinahe ein Jahr verloren. Was für mich zählt, ist, dass er sich gut bewegt, gesund und motiviert ist und sich auf und neben dem Platz professionell verhält. Ich sehe keine Anzeichen, dass er bald schon genug vom Tennis haben könnte.

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