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Das ist juristischer Wahnsinn

Eishockey-Experte Klaus Zaugg über die Erhöhung des Strafmasses für Josh Holden
Sport@luzernerzeitung.ch
Die Sperre von Josh Holden wurde von 5 auf 8 Sperren erhöht. (Bild: Keystone)

Die Sperre von Josh Holden wurde von 5 auf 8 Sperren erhöht. (Bild: Keystone)

Klaus Zaugg

Acht statt fünf Spielsperren für Zugs Josh Holden. Die Begründung für die Verlängerung der Sperre ist juristischer Wahnsinn und könnte teuer werden.

Josh Holden hat Tommi Santala mit einem Stockschlag den Arm gebrochen. In erster Instanz ist er dafür von Einzelrichter Reto Steinmann für fünf Spiele gesperrt worden. Nun hat das Verbandssportgericht diese Sperre auf acht Partien verlängert. Die Urteilsbegründung ist hoch brisant: «Das Verbandssportgericht qualifiziert den Stockschlag als heftige und gezielte Aktion auf eine nicht geschützte und somit verletzungsanfällige Körperregion. Holden habe absichtlich ein schweres Foul begangen, wobei er aufgrund der Wucht des Schlages eine Verletzung für möglich halten musste. Zudem ist Holdens Leumund im Eishockeysport erheblich getrübt.»

Die Brisanz dieser Straferhöhung liegt in der Formulierung: «Holden habe absichtlich ein schweres Foul begangen, wobei er aufgrund der Wucht des Schlages eine Verletzung für möglich halten musste.» Einzelrichter Reto Steinmann, der früher Strafrichter war und sehr wohl weiss, worum es geht, war zum Schluss gekommen, die Ursache für Santalas Verletzung sei ein Dutzendfoul, das ohne die Verletzung des Klotener Stürmers nicht einmal ein Verfahren nach sich gezogen hätte. Ein Vorsatz könne nicht nachgewiesen werden.

Nun spricht die Rekursinstanz unmissverständlich von Absicht. Damit wird eine juristische Büchse der Pandora geöffnet. Die Kosten für den Ausfall von Santala bezahlt nämlich die Versicherung. Wenn der Finne auf der Basis dieses Urteils Strafanzeige einreicht (nur er kann das), dann ist nicht mehr auszuschliessen, dass Holden wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt wird. Eine solche Verurteilung würde Schadenersatzforderungen der Versicherung (Regress) nach sich ziehen.

Bis heute ist das Schweizer Eishockey weitgehend vor solchen Regressforderungen verschont geblieben. Weil bei einem Foul eben in der Regel kein Vorsatz nachgewiesen werden kann und ein Spieler bei Ausübung dieses rauen Sportes Verletzungen in Kauf nehmen muss. Aber nun haben wir es schwarz auf weiss: Josh Holden hat absichtlich ein schweres Foul begangen und die schwere Verletzung in Kauf genommen. Das ist wahrlich starker juristischer Tobak. Ja, dem Kanadier so Absicht zu unterstellen, ist juristischer Wahnsinn. Der Beweis für die Absicht ist nämlich schlicht und einfach nicht zu erbringen.

Nicht die Erhöhung der Strafe ist das Problem. Sondern die Urteilsbegründung. Sean Simp­son und ein Teil der Hockey-Öffentlichkeit mögen Genugtuung über die Verlängerung der Sperre von Josh Holden empfinden. Aber Klotens Trainer und Sportchef hat dem Schweizer Eishockey mit seinem Rekurs möglicherweise einen Bärendienst erwiesen.

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