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Das neue Ambri gewinnt die Herzen der Fans

Ambri-Piotta hat sich unter Trainer Luca Cereda in eine Lauf- und Tempomaschine verwandelt. Dennoch dürfte es für die Leventiner schwierig werden, die Playoffs zu erreichen.
Klaus Zaugg
Die Mannschaft des HC Ambri Piotta präsentiert sich in der Valascia den Fans. (Bild Samuel Golay/Keystone (Ambri, 29. Juli 2018))

Die Mannschaft des HC Ambri Piotta präsentiert sich in der Valascia den Fans. (Bild Samuel Golay/Keystone (Ambri, 29. Juli 2018))

Im letzten Frühjahr war es halt wieder eine ernüchternde sportliche Bilanz. So wie fast immer in den letzten sieben Jahren. 31 Niederlagen, Rang 11, 14 Punkte Rückstand auf einen Playoff-Platz. Ambri hat in den letzten zwölf Jahren nur noch einmal die Playoffs (2014) erreicht. Immerhin gelang im Playout-Finale gegen Kloten die vorzeitige Sicherung des Liga-Erhalts.

Und doch war die letzte Saison anders. Es hat keine Polemik um den Trainer gegeben. Es scheint fast, als seien die Fans glücklicher als in den ruhmreichen Zeiten, als Ambri gar Lugano herauszufordern vermochte (Finalniederlage 1999).

Die letzte Saison war trotz der sportlichen Ernüchterung ein Erfolg. Luca Cereda (Trainer) und Paolo Duca (Sportchef) haben Ambri zu den Ursprüngen zurückgeführt, ja, Ambri wieder eine Seele gegeben und sie schreiben eines der erstaunlichsten Kapitel der Klubgeschichte. Seit Jahren hat Ambri nie mehr so gut trainiert und transferiert wie seit der Amtsübernahme der beiden Lokalhelden.

Der erstaunlichste Erfolg ist nicht ein Sieg

Luca Cereda (37) ist der jüngste Trainer der Liga und er hat in seiner ersten Saison auch nicht mehr Spiele gewonnen als seine gescheiterten Vorgänger. Aber es geht nicht nur um Resultate. Es geht auch um die Philosophie. Underdogs haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten, fehlendes Talent zu kompensieren. Entweder indem sie den Gegner daran hindern, das überlegene Potenzial zu entfalten (durch Härte, Provokationen und destruktives Defensivspiel). Oder indem sie versuchen, den Gegenspielern und der eigenen spielerischen Mangelwirtschaft davonzulaufen. Und genau diesen Weg hat Luca Cereda gewählt. Er gibt den Junioren eine Chance, zelebriert einen Jugendstil mit erfrischendem, mutigem und schnellem Eishockey. Er hat die biedere Mannschaft in eine Lauf- und Tempomaschine verwandelt, die an einem guten Abend mit hartnäckigem Forechecking, hohem läuferischen Aufwand und aufopfernder Spielweise jedem Gegner unter die Haut geht und selbst Titanen wie Lugano, Zürich und Zug überrennt. So wie die Armen gelernt haben, ohne Musik zu tanzen, so tanzt Ambri in der Offensive ohne die Musik des Talentes, gewinnt nicht viele Spiele, aber die Herzen der Fans.

Ambri-Trainer Luca Cereda, links, im Training (Bild Davide Agosta/Keystone (Biasca, 30. Juli 2018))

Ambri-Trainer Luca Cereda, links, im Training (Bild Davide Agosta/Keystone (Biasca, 30. Juli 2018))

Logisch also, dass der erstaunlichste Erfolg der letzten Saison nicht ein grosser Sieg ist. Sondern die wundersame Geschichte von Verteidiger Michael Fora (21). Er wurde von Luca Cereda zum jüngsten Captain der Liga gemacht, im letzten Moment kämpfte er sich nach einer Verletzung doch noch ins WM-Team, wurde WM-Silberheld und hat nun einen Vertrag mit einer NHL-Organisation (Carolina) bekommen. Sportchef Paolo Duca sagt, der Captain sei als Spieler und starke Persönlichkeit nicht zu ersetzen. «Aber auf der anderen Seite freut es uns, wenn einer unserer Spieler die Chance in der NHL bekommt. Es ist die Bestätigung für unsere gute Arbeit und entspricht unserer Philosophie als Ausbildungsklub.» Ambri werde auch in den nächsten Jahren gute Spieler an die Konkurrenz verlieren. Der kluge Sportchef weiss: die Botschaft, dass in Ambri Träume wahr werden können, ist für sein Hockey-Unternehmen, für den Ruf, ein formidabler Ausbildungsklub zu sein, von unbezahlbarem Wert.

Budget um eine halbe Million reduziert

Aber Ambri ist nach wie vor jede Saison vom Abstieg bedroht und Paolo Duca sagt: «Wir sind noch lange nicht am Ziel. Wir befinden uns nach wie vor in einer Übergangsphase.» Doch entscheidend ist: die Fans gehen diesen Weg mit. Auch sie haben gelernt, ohne die Musik zu tanzen. Ohne die Musik der Siege.

Paolo Duca sagt, die Mannschaft sei nominell zwar nicht besser geworden. Er konnte nicht aufrüsten. Das Budget ist erneut um rund eine halbe Million reduziert worden. Noch weniger Musik also. «Aber ein Jahr Erfahrung hilft uns. Die Automatismen funktionieren besser.» Vieles spricht dafür, dass Ambri mindestens bis zur Weihnachtspause genug Energie für den Kampf um den letzten Playoffplatz haben wird.

Auf der Goalieposition klar stärker geworden

Beim limitierten Talent der Schweizer und der offensiven Ausrichtung ist die Mannschaft ganz besonders auf starke Ausländer und Torhüter angewiesen. Paolo Duca schätzt die ausländischen Spieler ungefähr gleich gut ein wie letzte Saison. Er untertreibt. Dominik Kubalik (23) ist jetzt von allem Anfang an dabei (er kam erst im Laufe der letzten Saison) und wird die Offensive befeuern. Er ist einer der schnellsten Spieler der Liga.

Wichtig ist auch, dass Ambri auf der Goalieposition durch die Verpflichtung von Daniel Manzato (34) ganz klar stärker geworden ist. Der schon fast vergessene Held des goldenen Jahrganges 1984 (Tobias Stephan, Thomas Bäumle, Michael Flückiger) präsentiert sich in erstaunlicher Form. Damit hat Luca Cereda mit ihm und Benjamin Conz (27) nun zwei fast gleichwertige Torhüter zur Verfügung. Die Erfahrung lehrt, dass ein Aussenseiter zwei Goalies braucht.

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