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Das sagt Radstar Fabian Cancellara zum Grenchner Velodrome

Bis im Januar 2013 wird in Grenchen das Velodrome Suisse, eine Halle mit einer 250-Meter-Bahn, erstellt. Fabian Cancellara freut sich im Interview mit der az über das Bahnprojekt und spricht über seinen Teamwechsel.

Marcel Kuchta, Grenchen
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Velodrome-Suisse-Stiftungsratspräsident Andy Rihs (links) und Fabian Cancellara betrachten das Modell der geplanten Bahn in Grenchen. fresh

Velodrome-Suisse-Stiftungsratspräsident Andy Rihs (links) und Fabian Cancellara betrachten das Modell der geplanten Bahn in Grenchen. fresh

Wie sehr freut Sie dieses umfassende Bahnprojekt in Grenchen?

Fabian Cancellara: Ich bin natürlich überglücklich. Persönlich habe ich eine zusätzliche Trainingsmöglichkeit – und das Ganze nur 30 Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Noch wichtiger ist aber, dass diese Bahn für den Schweizer Radsportnachwuchs eine echte Bereicherung ist.

Gerade im Nachwuchsbereich ist das Bahntraining enorm wichtig, wie die Beispiele der zuletzt auf der Strasse sehr erfolgreichen Briten und Australier zeigen.

Das stimmt. Die Bahn bietet für den Strassenfahrer viele Möglichkeiten: Man hat auch im November und Dezember, wenn das Wetter oft schlecht ist, eine Möglichkeit, in der Halle zu trainieren. Daneben gibt es auch noch die technischen Aspekte: Auf der Bahn kann man Dinge wie die Tretfrequenz oder die Sitzposition testen. Ich habe das letztes Jahr selbst erstmals getan und musste nicht mehr in den Windkanal dafür.

Wie kann man diese Möglichkeiten optimal nützen?

Man braucht dafür vor allem das richtige Personal, welches die nötige Erfahrung hat. Das ist dann der nächste Schritt, wenn die Bahn eröffnet wurde und eigentlich das grössere Projekt. Die Leute mit diesem Know-how findet man fast nur im Ausland, obwohl wir auch in der Schweiz mit Urs Freuler, Bruno Risi oder Franco Marvulli sehr erfolgreiche Bahnfahrer hatten und haben.

Wie fällt Ihre Bilanz der zu Ende gegangenen Saison aus?

Alles in allem war es ein erfolgreiches Jahr. Ich wurde an den Klassikern zweimal Zweiter und einmal Dritter, dazu an der WM Vierter. Aber eben: Die Krönung in Form eines grossen Sieges hat halt gefehlt.

Für Schlagzeilen sorgte zuletzt vor allem die unerwartete Fusion Ihres Leopard-Teams mit Radio-Shack. Lange war auch unklar, wie es mit Ihnen weitergehen wird, ob Sie sich einen neuen Arbeitgeber suchen. Wie hat sich diese Unsicherheit für Sie persönlich ausgewirkt?

Es war eine emotionale und schwierige Zeit mit der Ungewissheit, was auf mich zukommen wird. Das Ganze hat mich sehr beschäftigt und auch Spuren hinterlassen, das gebe ich offen zu. Ich bin ja auch nur ein Mensch. Sobald ich aber das Licht am Ende des Tunnels gesehen habe, war ich wieder sehr motiviert.

Sie haben sich kürzlich zum ersten Mal mit der neuen Teamführung und Ihren neuen Teamkollegen getroffen. Wie waren Ihre Eindrücke?

Eigentlich sehr positiv. Wir waren zwei Tage in Spa-Francorchamps zusammen. Dort wurde das Eis gebrochen. Es ist nie einfach, wenn zwei verschiedene Gruppen zusammenkommen. Wichtig war, dass alle Fahrer ihre Bedürfnisse und ihre Anliegen auf den Tisch legen konnten. Damit wurde eine gute Basis für die Zusammenarbeit gelegt.

Welche Anliegen haben Sie konkret auf den Tisch gelegt?

Am Ende des Tages bin auch ich bloss ein Angestellter, der seine Arbeit tun muss und dafür gut bezahlt wird. Ich bin ein Leader und kann viel Erfahrung einbringen, und ich weiss inzwischen auch, dass man auf mich hört. Ich bin sehr zuversichtlich im Hinblick auf die neue Saison.

Ihre Skepsis hing ja auch stark mit der Person des neuen Teamchefs Johan Bruyneel zusammen.

Meine Befürchtung war, dass für ihn nur die Tour de France zählt und die Klassiker nichts – gerade angesichts der Tatsache, dass er nun ja auch die Brüder Schleck und damit zwei heisse Anwärter auf den Tour-Sieg in seiner Mannschaft hat. Aber er hat mir versichert, sein Ziel sei es, grosse Rennen zu gewinnen. Welche, ist ihm egal. Da er die Klassiker noch nie auf seinem Radar hatte, ist auch bei ihm eine Zusatzmotivation spürbar. Ich werde auf jeden Fall meine Freiheiten und Möglichkeiten bekommen.