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Das Schweizer Eishockey verliert eine Legende: Simon Schenk war ein Mann mit «Speuz»

Simon Schenk (73) war im Schweizer Eishockey die wichtigste Persönlichkeit der letzten 50 Jahre. Eine Würdigung.

Klaus Zaugg
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Schenk als Sportchef der ZSC Lions 2005.
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Von 1991 bis 2011 war Simon Schenk (links) für die SVP im Nationalrat. Diese Aufnahme datiert von 2011. Darauf zu sehen sind die SP-Nationalräte Daniel Jositch (Mitte) und Mario Fehr (rechts).
Als Schweizer Nationaltrainer wurde Schenk zum WM-Teilnehmer. Die Aufnahme stammt von 1990.
Als Spieler führte er den SC Langnau 1976 zum einzigen Meistertitel der Klubgeschichte.

Schenk als Sportchef der ZSC Lions 2005.

Steffen Schmidt / KEYSTONE

Der Langnauer Simon Schenk hat in den letzten 50 Jahren im Eishockey auf allen Positionen Grosses geleistet. Er begann seine Karriere 1964 in der zweiten Mannschaft der Langnauer unter falschem Namen, weil ihm der Direktor des Lehrerseminars das Hockey verboten hatte. Er war Leitwolf, Wortführer und Hitzkopf in Langnaus bisher einzigem Meisterteam (1976). Oder wie die Emmentaler sagen: ein «Mann mit Speuz». Ein schlauer, bissiger Flügel (334 NLA-Partien/30 Länderspiele). Ein bisschen einer wie Chris DiDomenico. Provokationen, Schlägereien, Schiedsrichterbeleidigungen und Restausschlüsse inklusive.

Er war als Spieler und Nationaltrainer WM-Teilnehmer, führte als Nationalcoach die Schweiz zweimal in die A-Gruppe zurück (1986, 1990) und ermöglichte als Geschäftsführer und Trainer dem SC Langnau die Rückkehr aus der höchsten Amateurklasse in die Nationalliga und die Sanierung (1991 und 1995). Schliesslich wurde er als Geschäftsführer und Sportchef der Architekt der ZSC Lions und der GCK Lions (1997 bis 2017). In der Nacht auf Freitag starb er an den Folgen einer Herzoperation.

Die schlitzohrige Antwort auf Adolf Ogi

Noch bevor Willy Bogner seinen Film «Feuer und Eis» drehte, spielten die gleichen Gegensätze im Primarschulhaus zu Konolfingen-Dorf. Der Hitzkopf auf dem Eis mit der Nummer 13 genoss bis zur Aufgabe seiner Lehrertätigkeit in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre vor der schwarzen Schiefertafel die Reputation einer besonnenen Autorität. Keiner kam mit schwierigen Schülern besser zurecht.

Schon da wurde klar, dass sich der Sohn eines Tuchfabrik-Arbeiters in allen möglichen Situationen zurechtzufinden und durchzusetzen vermag. Auf dem Eis. In der Schulstube. Im Amateurhockey. Bei den Profis. An der Bande. Im Managerbüro. Im TV-Studio. In der Politik. Nach seinem Motto:

«Mach mit däm wot hesch, dert wot bisch, das wot chaisch».

Der Vater von drei Kindern hatte die harte Schale, die Schlauheit und die Streitbarkeit, die es nun mal braucht, um sich im Sportbusiness zu behaupten. Aber eben auch die Sensibilität, Weltoffenheit und den scharfen Verstand, um Entwicklungen früh vor den anderen zu erkennen und zu verstehen. Und dazu die Ruhe, die Geduld, die Beharrlichkeit, das diplomatische und kommunikative Geschick, um Allianzen zu schmieden und Veränderungen auf dem Planeten Hockey herbeizuführen.

So gesehen ist er so etwas wie die schlitzohrige Hockey-Antwort auf Adolf Ogi. Bodenständig und modern, immer authentisch, immer «Simu». Einer, der die Bodenhaftung nie verloren hat und seiner Heimat stets treu geblieben ist. Den Wohnsitz hatte er immer im Bernbiet. Lange Zeit in Trubschachen bei Langnau und zuletzt in Münsingen, auf halbem Weg zwischen Thun und Bern.

Simon Schenks überragende Bedeutung liegt auch darin, dass er ein Brückenbauer zwischen Parteien, Mentalitäten und Epochen war. Er prägte das Eishockey als Spieler, Trainer und Nationaltrainer – als dieser Sport noch kein «Big Business» war. Er gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten, als das grosse Geld ins Eishockey kam. Er trainierte und sanierte tief in der Provinz des oberen Emmentals den SC Langnau. Aber er ist auch der Architekt der ZSC Lions und baute als Geschäftsführer im grossen Zürich eine meisterliche Organisation auf.

Brückenbauer in der SVP

Und so wie auch die schwierigen Schüler im Klassenzimmer seine Botschaft verstanden, so brachte er zuletzt als TV-Experte das Eishockey dem Publikum näher. Er wusste sehr wohl um die Bedeutung der Medien. In den 1970er Jahren war er für die alte «Berner Zeitung» einer der ersten Sportkolumnisten des Landes und kassierte einmal wegen berechtigter Kritik am Verband eine Busse von 1000 Franken.

Keinem anderen ist der Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne, Stadt und Land so gut gelungen. Das gilt auch für den Politiker Simon Schenk. An einem nebligen Novemberabend im Jahre 1991 wäre er in der Nähe von Huttwil beinahe im Strassengraben gefahren. Für die ablenkenden Reize hatten die Radionachrichten gesorgt. Er – ursprünglich bloss vierter Ersatzmann – rückte in den Nationalrat nach. Wahrlich eine überraschende Neuigkeit, die er da aus dem Autoradio vernommen hatte. Schliesslich war er in Konolfingen einst auf dem Weg in den Gemeinderat gescheitert. Später ist er mit jeweils über 60 000 Stimmen mehrmals wieder in den Nationalrat gewählt worden, dem er vom November 1994 bis im Dezember 2011 angehörte. In der SVP baute er die Brücken zwischen Stadt und Land und zwischen dem Geist der Berner, die ja diese Partei 1917 im Bierhübeli zu Bern gegründet hatten und dem blocherschen Geld der Zürcher, das die SVP erst zur wählerstärksten Kraft im Lande gemacht hat.

Wir haben im Eishockey keinen zweiten, keinen nächsten Simon Schenk. Aber auch die SVP hat keinen zweiten, nächsten Simon Schenk gefunden.

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