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Das Schweizer Urgestein Matthias Hofbauer: Der Gretzky des Unihockeys

Matthias Hofbauer (37) ist der überragende Spieler der Schweiz. Am Donnerstag (16.30 Uhr) bestreitet er den WM-Viertelfinal gegen Norwegen. Er spricht über die Entwicklung der Sportart und seinen bevorstehenden Rücktritt.
Interview: Klaus Zaugg und Bruno Wüthrich
Der Schweizer Captain Matthias Hofbauer (rechts) gegen den Schweden Jonas Adriansson. (Bild: Freshfocus (Kirchberg, 5. November 2017))

Der Schweizer Captain Matthias Hofbauer (rechts) gegen den Schweden Jonas Adriansson. (Bild: Freshfocus (Kirchberg, 5. November 2017))

Kein Zweifel: Wäre Unihockey eine Geldsportart wie Fussball oder Eishockey, Matthias Hofbauer wäre einer der Grossverdiener im Sport. Und doch bereute er seinen Entscheid fürs Unihockey nie. Hofbauer wurde trotzdem Profi, zur prägenden Figur im schweizerischen Unihockey und zu einem der besten Spieler der Welt. Er ist der erste Spieler, der in der NLA mehr als 1000 Skorerpunkte erreicht hat, alle für seinen Berner Stammverein SV Wiler-Ersigen. An Weltmeisterschaften ist der 191-fache Internationale Rekordskorer (Ausgabe vom 1. Dezember). Am Donnerstag (16.30 Uhr) trifft die Schweiz an der WM in Prag im Viertelfinal auf Norwegen.

Matthias Hofbauer, wie geht es dem «Wayne Gretzky des Unihockeys»?

Sie sollten nicht übertreiben, diese Bezeichnung ist eine Erfindung von Ihnen. Ich bin einfach schon lange dabei.

Wir übertreiben nicht. Sie gelten nicht nur als der grösste Schweizer Spieler aller Zeiten. Sie sind auch international einer der Grossen.

Es sind vor allem verrückte Jahre. Als ich ein Junior war, gab es den SV Wiler-Ersigen als NLA-Spitzenmannschaft noch nicht, und ich träumte einfach davon, einmal in der 1. Mannschaft zu spielen, egal ob in der NLB oder NLA.

Sie spielten auch Fussball. Weshalb haben Sie sich schliesslich für Unihockey entschieden?

Es ging beim FC Solothurn um den Wechsel von der U15- in die U16-Mannschaft. Ich war mit meinem Vater bei Hanspeter Latour, der damals Trainer in Solothurn war. Ich hätte mehr Zeit in den Fussball investieren müssen. Aber ich war im Gymnasium, und das passte mir nicht recht. Zudem war das Spiel mit dem Stock meine Leidenschaft. Also entschied ich mich für Unihockey. Ein Jahr später spielte ich mit Wiler-Ersigen in der NLA, und der Zeitaufwand war eher noch grösser.

Inzwischen ist Unihockey Ihr Beruf. Nicht als Profi, der Saläre verdient wie im Fussball, eher als Unternehmer.

Ich musste nach und nach herausfinden, was sich aus meiner Kernkompetenz Unihockey machen lässt. Wir organisieren Sommercamps, Wintercamps, ich mache Trainingsbesuche und vermittle mein Wissen. Der andere Teil ist der Verkauf von Sportbekleidung an Vereine, inzwischen übers Unihockey hinaus. Das läuft ziemlich gut, wir sind ein Land der Sportvereine.

Wo steht Unihockey heute?

In einer sehr guten Position. In der Anfangszeit, als wir mit Wiler-Ersigen erstmals Meister wurden, gab es einen ersten Boom, der denn aber nach und nach verebbte. Durch die TV-Präsenz hat es noch einmal einen Entwicklungsschub geben. Wenn der Verband auf seiner Homepage das Datum des Cupfinals aufschaltet, dann sind sehr schnell alle Tickets verkauft. Beim Superfinal ist es allerdings nicht ganz so einfach. Da müssen die Vereine sogar Tickets kaufen und «intern» loswerden.

Dieser Superfinal ist ein Novum im Schweizer Sport. Die Meisterschaften der Männer und der Frauen werden seit 2014 am selben Tag im selben Stadion in einem einzigen Spiel entschieden.

Es gehört ja ein wenig zum Sport, Verbände zu kritisieren. Das gilt für uns nicht. Die Verantwortlichen bei uns sind ganz schön dynamisch, und dieser Superfinal ist ein Beispiel dafür. Wir füllen ein Hockeystadion – beispielsweise den Schluefweg in Kloten, bekommen Direktübertragungen im Fernsehen und damit beste Werbung für unseren Sport.

Was fehlt, damit Unihockey auch im Alltag Stadien füllt?

In erster Linie die Infrastruktur. Unihockey ist daran, sich vom «Turnhallen-Groove» zu lösen. Wenn wir mehr gute Stadien bekommen, dann ist ein Schnitt von über 1000 Zuschauern pro Spiel möglich. Auch dank der Fernsehübertragungen wächst die Unihockeygemeinde. Als ich 2004 erstmals im «Sportpanorama» war, ging es vor allem darum, unseren Sport zu erklären, wir waren Exoten. Inzwischen werden wir ernst genommen, und bei einem Fernsehauftritt geht es gleich um die Gründe für den Erfolg und die Analyse eines Spiels. Das ist ein riesiger Unterschied.

Sie haben die ganze Entwicklung miterlebt. Zuerst Exot, jetzt respektierter Spitzensportler. Ist dabei auch ein bisschen die Romantik ­verloren gegangen?

Es ist tatsächlich so, dass bereits bei den Junioren der Ehrgeiz der Eltern viel grösser geworden ist, ähnlich wie im Fussball. Der Antrieb ist noch nicht das Geld wie im Fussball, aber die Medienpräsenz, die nun auch bei uns möglich ist, stachelt an. Es ist wichtig, dass wir die Werte unseres Sportes behalten können.

Wie viel kann ein Unihockey-Profi bei uns verdienen?

Ich weiss nicht, was meine Nationalmannschaftskollegen verdienen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Spieler in der Schweiz auf 5000 Franken im Monat kommt.

Sie waren drei Jahre Profi in Schweden. Die dortige Liga ist so etwas wie die NHL des Unihockey. Wie ist es dort?

In Schweden ist es eher möglich, im Alter zwischen 20 und 30 ganz auf Unihockey zu setzen. Aber es wurde mir nach einer Saison als Profi langweilig. Ich muss einfach arbeiten können. Damit ich auch auf andere Gedanken komme. Ich wäre auch in einem anderen Sport nie Profi geworden. Wenn’s läuft, mag es ja ein schönes Leben sein. Aber wenn die Leistung nicht mehr stimmt, dann beginnt man sich im Kreis zu drehen und kann sich kaum mehr aus einer Negativspirale lösen. Im zweiten Jahr in Schweden habe ich dann 60 Prozent gearbeitet und Essen ausgetragen. Ich hatte Angebote, um in Schweden zu bleiben, sogar eines als Spielertrainer. Aber ich wollte zurück in die Schweiz.

Werden Sie später der Gordie Howe des Unihockeys? Er hat mit 52 noch in der NHL ­gespielt.

Nein, ich bin eigentlich in meiner letzten Saison. Die WM wird mein letztes Highlight sein.

Warum treten Sie zurück? Sie sind ja nach wie vor einer der besten Spieler der Schweiz?

Ein wichtiger Grund ist die Familie. Ich bin im August 2017 Vater geworden. Und ich spüre schon, dass ich nicht mehr 20 bin. Die Trainings sind härter geworden, ich freue mich nicht mehr so auf jedes Training wie früher und schaue schon mal auf die Uhr, wie lange es noch dauert. Aber eigentlich ist die eine Leidenschaft immer noch da.

Also vielleicht doch nicht die letzte Saison?

Es ist die letzte Saison. Aber ich bin schon froh, dass ich nicht früher meinen Rücktritt erklärt habe. Wenn ich mit 32 hätte aufhören wollen, dann wäre ich mindestens dreimal vom Rücktritt zurückgetreten. Aber Sie haben schon recht: Wie es dann ist, ohne zu spielen, weiss ich nicht. Seit 21 Jahren spiele ich nun, in der NLA oder in Schweden, und ich habe mich an dieses Leben gewöhnt. Es ist nie einfach, sich von Gewohnheiten zu lösen.

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