Das Torhüter-Karussell dreht sich kräftig

Sieben News-Meldungen aus der Schweizer Eishockey-Welt: Goalie-Fragen in Bern, Langnau und Zug sowie zwei Oldies, die ihre Verträge verlängern.

Klaus Zaugg
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Die Einsamkeit des SCB-Goalies: Niklas Schlegel in der heimischen Postfinance-Arena. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Die Einsamkeit des SCB-Goalies: Niklas Schlegel in der heimischen Postfinance-Arena. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

1. Scheitert das Experiment Schlegel beim SCB?

Die Absicht war, Niklas Schlegel (25) zur neuen Nummer 1 aufzubauen und nächste Saison Langenthals Meistergoalie Philip Wüthrich (21) – ein SCB-Junior – zurückzuholen und zur Nummer 2 zu machen. Aber nun hat Niklas Schlegel den Nummer-1-Status bereits an Pascal Caminada (33) verloren, die «ewige» Nummer 2» mit auslaufendem Vertrag.

Nächste Saison mit dem Duo Niklas Schlegel/Philip Wüthrich? Wäre das nicht Wahnsinn? Die Frage geht an André Rufener, den Agenten beider Goalies. Und er macht SCB-Sportchef Alex Chatelain Mut: «Kein Problem. Wüthrich wird ein grosser Goalie. Davon bin ich zu hundert Prozent überzeugt. Er wird sich so durchsetzen wie einst Reto Pavoni beim EHC Kloten. Der kam als EliteJunior in den 1990er-Jahren für den grippekranken Stammgoalie André Mürner ins Tor – und blieb.»

Rufener wird es wissen: er spielte damals in Kloten. Und junge Goalies kann er einschätzen: sein Klient Melvin Nyffeler (24) wurde einst auch als ein «Risikotransfer» der Lakers bezeichnet und ist dann in Rapperswil vom Rock’n’Roller zum Nationalgoalie gereift.

2. Die Rekord-Siegesserie der SCL Tigers

Noch nie seit dem Amtsantritt von Heinz Ehlers am 3. Oktober 2016 haben die Langnauer fünfmal hintereinander gewonnen. Sie wissen sehr wohl, dass Torhüter Ivars Punnenovs (25) an diesem November-Glück sehr grossen Anteil hat. In diesen fünf Partien hat er nur fünf Gegentreffer zugelassen und 151 von 156 Schüssen abgewehrt.

Daher versucht Langnaus Sportchef Marco Bayer den 2021 auslaufenden Vertrag jetzt schon vorzeitig zu verlängern. Aber Punnenovs’ Agent Dani Giger winkt ab: «Wir warten ab…» Angesichts des trockenen Goaliemarkts im Lande logisch.

3. Hat Luca Hollenstein beim EVZ zu früh verlängert?

Am 24. Oktober hat Zugs Luca Hollenstein (19) vorzeitig bis 2022 verlängert. Obwohl er Leonardo Genoni (32, Vertrag bis 2024) nicht verdrängen kann. Nun hat er den blessierten Leonardo Genoni in Biel (2:1) und in der Champions League gegen Tampere (3:1) aufs Vortrefflichste ersetzt.

Könnte er nächste Saison anderorts bereits eine Nummer 1 sein? Biel braucht auf nächste Saison einen Nachfolger für Jonas Hiller. Hat Luca Hollenstein in Zug zu früh verlängert? Nein. Sein Agent Dani Giger sagt nämlich: «Je nach Verlauf krieg ich ihn sicher raus…»

4. Dario Meyer steht auf der Wunschliste von Ehlers

Flügel Dario Meyer (23) wird in Davos gerade nicht benötigt. Deshalb stürmt er bis zur Weihnachtspause für Zug. In ein paar Minuten hatten HCD-Sport- direktor Raeto Raffainer, Zugs Sportchef Reto Kläy und Meyers Agent André Rufener am Rande der Partie Zug gegen Davos den Deal ausgehandelt.

Dario Meyers Vertrag beim Rekordmeister läuft aus und es wird Zeit, dass sich seine Karriere stabilisiert. Nächste Saison braucht er endlich einmal einen Chef, der auf ihn setzt. Langnaus Trainer Heinz Ehlers möchte Dario Meyer nächste Saison gerne in seiner Mannschaft sehen.

5. Beat Gerbers Verlängerung und deren Auswirkungen

Ein einziges Blättchen Erfahrung ist mehr Wert als ein ganzer Baum voller guter Ratschläge. Also hat SCB-Sportchef Alex Chatelain mit Verteidiger Beat Gerber (37) um ein weiteres Jahr verlängert. Das ist keine gute Nachricht für Mika Henauer (19).

Erfüllt Kari Jalonen seinen Vertrag in Bern (bis zum Ende der nächsten Saison), dann wird er die meiste Zeit bei Langenthal oder unter der Wolldecke verbringen. Dabei hätte er das Potenzial, um der nächste Andrea Glauser zu werden – aber durch den Vertrag in Bern (bis 2021) steckt er in der Karriere-Sackgasse.

6. Die letzte Saison des Hockey-Romantikers

Sage mir, ob sich Roman Wick (33) wohl fühlt, und ich sage dir, wie es um die ZSC Lions steht. Der letzte Hockey-Romantiker hat seinen Vertrag bei den ZSC Lions um ein weiteres Jahr verlängert. Also fühlt er sich wohl, und tatsächlich stehen die ZSC Lions an der Tabellenspitze.

Die nächste Saison soll die letzte sein. Der Hobby-Rockmusiker ist zwar keine «Tormaschine» mehr wie zu seinen besten Zeiten. Aber noch immer erhellt der hochtalentierte, kreative «Instinkt-Stürmer» an einem guten Abend das Spiel mit seinen Genie-Blitzen wie ein Garrincha des Eishockeys.

7. Ein höchst interessanter Transfer des EHC Kloten

Immer mehr zeigt sich: der EHC Kloten steht zumindest auf der Startbahn für den Flug zurück in die höchste Liga. Der jüngste Transfer ist jedenfalls höchst interessant. Simon Seiler (23) schaffte es in der Organisation der ZSC Lions nicht ganz nach oben.

Aber beim HC Thurgau hat er sich in der bestorganisierten Mannschaft der Swiss League unter Stefan Mair, dem Heinz Ehlers des armen Mannes, zu einem der besten Defensiv-Verteidiger der Liga entwickelt. Der kräftige Riese (188 cm/92 kg) wird in Kloten nächste Saison ein Eckpfeiler der Abwehr sein.