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Das unrealistische Notenblatt von Armon Orlik

Armon Orlik schwingt am Sonntag auf der Rigi. Es gibt Experten, die halten den 23-jährigen Bündner für das Mass aller Dinge.
Claudio Zanini
Sponsorentermine sind nicht sein Ding: Armon Orlik. (Bild: Roger Grütter (Estavayer, 28. August 2016)

Sponsorentermine sind nicht sein Ding: Armon Orlik. (Bild: Roger Grütter (Estavayer, 28. August 2016)

Als er letztmals am Rigi-Schwingen teilnahm, war er noch ein anderer Armon Orlik. Drei Jahre jünger als jetzt, äusserlich schmalbrüstiger und sportlich weit weniger dekoriert. Wochen zuvor hatte er sein erstes Kranzfest gewonnen, man wusste über seine Anlagen Bescheid, doch an diesem Sommertag auf der Rigi zahlte er erst einmal Lehrgeld. Orliks Leistung reichte nicht für einen Kranz, obwohl er gegen keinen einzigen Eidgenossen antreten musste.

Doch seit Juli 2015 hat sich vieles verändert. Orlik gehört mittlerweile zur Spitze, er hat schon zwölf Kranzfeste gewonnen. 2016 verfehlte er den Königstitel im Schlussgang von Estavayer, schnitt aber in der Jahreswertung des Verbandes trotzdem am besten ab. 2017 war dann geprägt von einem Unfall am Aargauer Kantonalfest, als er bei einem Aufprall auf die Wirbelsäule einen spinalen Schock erlitt und Zeit benötigte für die Verarbeitung.

2018 ging es aber weiter aufwärts. Von vier Kranzfesten gewann Orlik deren drei. Auffällig war sein Notenblatt beim Bündner-Glarner - es sieht aus wie eine Montage. Da stehen nur Maximalnoten drauf, sechsmal die 10, ein Total von 60 Punkten, bei Gegnern wie dem formstarken Roger Rychen, dem Altmeister Stefan Burkhalter, oder dem Unspunnen-Sieger Daniel Bösch. Am Nordostschweizer Verbandsfest vor zwei Wochen fügte Orlik mit einer geschickten Leistung dem Sörenberger Joel Wicki eine seiner selten gewordenen Niederlagen zu.

Experten halten Orlik für den komplettesten Schwinger überhaupt. Der technische Leiter der Nordostschweizer, Beat Abderhalden, hebt bei Orlik vor allem die mentale Stärke heraus, bevor er die herausragende körperliche Verfassung erwähnt. Und wenn man Abderhaldens Aussagen Glauben schenkt, dann ist das Potenzial längst nicht ausgeschöpft. «Armons Qualitäten sind noch nicht ausgereift. Sein Ziel ist es, noch stärker zu werden. Und darauf ist er sehr fokussiert.»

Einen Manager gibt es nicht

Der Bündner aus Maienfeld ist erst 23-jährig. Auch im nächsten Sommer, wenn in Zug der Schwingerkönig gekürt wird, befindet er sich im besten Alter. Daran hat Beat Abderhalden noch nicht «gross gedacht». Wahrscheinlich wäre es zu forsch, jetzt schon Ambitionen für das Eidgenössische 2019 anzumelden, denn bis Zug kann noch vieles passieren. Abderhalden sagt aber: «Wir werden nicht drum herum kommen: Wir haben zwei Mitfavoriten auf den Königstitel.» Er meint damit nicht nur Orlik, sondern auch Samuel Giger, den 20-jährigen Thurgauer, die andere grosse Figur im Nordostschweizer Verband. Giger legte in dieser Saison einen furiosen Start hin, gewann die ersten drei Feste auf Anhieb. Doch dann fiel er verletzt aus, bei der Arbeit schnitt sich der Zimmermann in die Hand. Auch Giger wäre am Sonntag auf der Rigi angetreten.

Ausnahmeerscheinungen sind Giger und Orlik auch neben den Sägemehlplätzen. Beide wollen nicht mehr als nötig in der Öffentlichkeit stehen und Werbung machen sie so gut wie keine. Gegenüber der NZZ sagte Orlik einmal, er wolle seine Agenda nicht mit Sponsorenterminen beladen. Das wenige, was er annehme, organisiert seine Familie für ihn, einen Manager gibt es nicht. Ehrliche Arbeit im Sägemehl verrichten und nicht den Kasper machen - es ist natürlich eine Art, die in Schwingerkreisen gut ankommt. Beat Abderhalden sagt: «Orlik und Giger sind eine Bereicherung für den Nordostschweizer Schwingerverband, ihre Leistungen sind motivierend für die anderen Athleten.»

Auf seiner Webseite schreibt Orlik, er wolle sich auf der Rigi den «Kranz erkämpfen», eine Auszeichnung die ihm nach wie vor fehlt. Es klingt nach Untertreibung, die kurz davor ist, ins Lächerliche abzudriften. Doch vielleicht hat Orlik einfach noch in Erinnerung, wie er 2015 den Kranzgewinn verpasste. Es ist schwer vorstellbar, dass ihm das am Sonntag erneut passiert.

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