Altdorfs Handball-Trainer sagt: «Das war ein grausames Spiel»

Dagmersellen gewinnt in der 1.-Liga-Abstiegsrunde überraschend gegen Altdorf mit 34:30. Die Verfassung der Urner ist bedenklich.

Stephan Santschi
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Treffsicher: Kilian Tschupp trug sieben Tore zum Sieg von Dagmersellen bei.

Treffsicher: Kilian Tschupp trug sieben Tore zum Sieg von Dagmersellen bei.

Bild: Nadia Schärli (Dagmersellen, 25. Januar 2020)

Nein, einen solch desolaten Auftritt wollten sich die Dagmerseller gegen Altdorf nicht noch einmal leisten. Mitte November waren sie von den Urnern in der eigenen Halle gleich mit 18:28 abgefertigt worden. «Wir schulden unseren Zuschauern etwas», betonte Dagmersellens Trainer Martin Prachar deshalb vor der Neuauflage des Derbys am vergangenen Samstag.

Eine Nachricht, die angekommen war. Die Luzerner Hinterländer bezwangen den Favoriten aus Uri mit 34:30 und stellten damit die Zentralschweizer Hierarchie in der Gruppe 3 der 1.-Liga-Abstiegsrunde auf den Kopf. Dagmersellen spielte letzte Saison nämlich noch in der 2. Liga, derweil Altdorf aus der NLB abgestiegen ist.

Entfesselte Dagmerseller eilen zum verdienten Sieg

Es war von Beginn weg ein ungemein rasantes Spiel, beide Teams drückten aufs Tempo, leisteten sich im Aufbau aber viele Fehler. So entwickelte sich ein wahres Gegenstoss-Festival, das bis zur 25. Minute und dem Skore von 12:12 ausgeglichen blieb. Dann setzte Dagmersellen zu einem Zwischenspurt an und erspielte sich jene Viertore-Differenz, die es bis zum Schluss nicht mehr abgeben sollte. «Wir wollten mit Köpfchen kämpfen und am Ende schauen, ob es reicht», erklärte Prachar.

Sein Team wirkte homogener, eingespielter und fokussierter als der Gegner. Als der Angriff etwas ins Stocken geriet und Altdorf den Rückstand auf zwei Tore verkürzte (36./18:16), ordnete der tschechische Übungsleiter das 7:6-Überzahlspiel an. Fortan fanden seine verhältnismässig klein gewachsenen, aber spielfreudigen Akteure immer wieder Lücken am Kreis und am Flügel. Dagmersellen wirkte zeitweise entfesselt, führte mit bis zu sechs Treffern und brachte den Sieg sicher ins Ziel. «Das war ganz wichtig für uns, jeder Punkt ist Gold wert», sagte Prachar. Mit dem 25:25-Remis in Wohlen eine Woche davor ist der Auftakt in die Abstiegsrunde geglückt.

Altdorfer wirken zuweilen zerstreut

Ganz im Gegensatz zu Altdorf. Die Urner scheinen nach dem knappen Verpassen der anvisierten Finalrunde den Schalter noch nicht auf Abstiegskampf umgelegt zu haben. Rund sieben Minuten vor dem Abpfiff nahm Spielertrainer Mario Jelinic ein Time-out, schlug auf die Taktiktafel und schrie: «Was machen wir!?» Mit dem Gezeigten konnte er in keinster Weise zufrieden sein. Ohne den ungarischen Rückraumspieler Benjamin Vizi, der sich krankheitsbedingt abmeldete, und ohne Manuel Gisler, der unmittelbar nach seiner Einwechslung mit einer Verletzung wieder austreten musste, taten sich die Urner vorne und hinten schwer. «Wir wussten, dass Dagmersellen eine 7:6-Überzahl spielen würde, wir kannten die Angriffsauslösungen sogar beim Namen. Doch wir setzten nichts von dem um, was wir vereinbart hatten», haderte Jelinic und hielt unmissverständlich fest: «Das war ein grausames Spiel.» Die Ursache für die schmerzhafte Niederlage ortete der 32-jährige Kroate in den Köpfen seiner Spieler, «wir waren nicht konzentriert».

In der Tat schienen sie nicht recht bei der Sache zu sein. Der Goalie verschlief gleich mehrmals den Sprint zur Bank, um einem siebten Offensivmann Platz zu machen, derweil ein Feldspieler zunächst vergass, sein Überleibchen abzustreifen, bevor er auf den Platz rannte. Auf der Bank fehlt Jelinic zudem ein Coach, der Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen kann. Alles in allem machte Altdorf einen bedenklichen Eindruck. «Wir beginnen wieder bei Null. Jeder muss in den Spiegel schauen und mehr Verantwortung übernehmen», forderte Jelinic. Falls nicht, könnte der NLB-Absteiger unverhofft wieder in den Relegationsstrudel geraten.

Handball, Männer, 1. Liga. Abstiegsrunde. Gruppe 3: Dagmersellen – Altdorf 34:30 (17:13). Visp l – West HBC 24:21 (11:10). – Rangliste: 1. Dagmersellen 2/3. 2. Wacker Thun II 1/2. 3. Visp 1/2. 4. Wohlen 1/1. 5. Altdorf 1/0. 6. West HBC 2/0.
Finalrunde: Herzogenbuchsee – Leimental 34:29 (17:13). Olten I – Neuhausen I 28:26 (12:15). Pratteln I – Herzogenbuchsee 29:29 (14:15). Yverdon — Leimental 29:21 (16:10). – Rangliste: 1. Olten 1 2/4. 2. Herzogenbuchsee 3/4. 3. Pratteln 1 3/3. 4. Yverdon 2/2. 5. Frauenfeld 1/2. 6. Leimental 3/2. 7. Emmen 1/1. 8. Neuhausen 1 3/0.

Dagmersellen – Altdorf 34:30 (17:13)
Chrüzmatt. – 166 Zuschauer. – SR Grünig/Nauer. – Strafen: je 2-mal 2 Minuten.
Dagmersellen: Häller; Huber (3), Döös (2), Oggier (5), Häfliger (1), Kilian Tschupp (7), Pascal Tschupp (3), Peyer (1); Sommer (5/3), Wyss (2), Renggli (5).
Altdorf: Dittli/Amrein; Auf der Maur (5), Arnold (1), Luca Aschwanden (1), Jelinic (7/1), Pascal Aschwanden (6), Adamcik (3), Fallegger; Henrich (4/2), Häusler (1), Baumann (2), Gisler.
Bemerkungen: Jelinic wirft Penalty an die Latte (3./1:1). Dittli hält Penalty von Sommer, der im Nachschuss trifft (38./20:16). Kilian Tschupp vergibt Penalty mit technischem Fehler (45./24:20).