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Hockeyromantiker Arno Del Curto in Davos vor dem Aus

Der HC Davos ist in die grösste Krise unter Arno Del Curto geraten. Seit 22 Jahren ist der Engadiner mittlerweile Trainer beim Schweizer Rekordmeister. Jetzt muss sich der frühere Luzern-Coach beim HCD erstmals hinterfragen lassen.
Klaus Zaugg
Arno Del Curto erlebt mit dem HC Davos schwere Zeiten. (Andy Mueller/freshfocus (Davos, 13. Oktober 2018))

Arno Del Curto erlebt mit dem HC Davos schwere Zeiten. (Andy Mueller/freshfocus (Davos, 13. Oktober 2018))

Die Ewigkeit dauert in unserem Hockey also 22 Jahre. Arno Del Curto (62) schien ein Trainer für die Ewigkeit zu sein. Seit seinem Amtsantritt im Sommer 1996 hat Davos die Playoffs nie verpasst und sechsmal die Meisterschaft gewonnen (2002, 2005, 2007, 2009, 2011 und 2015). Aber nun geht es nicht mehr weiter. Die Playoffs sind schon fast ausser Reichweite. Bei einer Niederlage am Dienstag in Rapperswil-Jona rutscht der HCD auf den letzten Platz ab.

Bei jedem anderen Hockey-Unternehmen würde der Trainer gefeuert. In Davos geht das nicht. Zu gross sind Arno Del Curtos Verdienste, und Gaudenz Domenig möchte nicht der Präsident sein, der die Ära Del Curto beendet. Er ist allerdings zu klug, um jetzt zu sagen: «Der Trainer ist kein Thema.»

HCD-Präsident Domenig lässt Tür den Spalt weit offen

Der international erfolgreiche Wirtschaftsanwalt Gaudenz Domenig formuliert es philosophisch: «Für jeden Trainer und jeden Präsidenten kommt einmal der letzte Tag im Amt.» Wann dieser letzte Tag sein wird, lässt der Präsident des Schweizer Rekordmeisters offen – er sagt lediglich: «Wir suchen keinen neuen Trainer.»

Eigentlich ist es nicht so kompliziert. Der Trainer, der 1996 direkt vor dem Wechsel nach Davos mit dem Schlittschuhclub Luzern (Vorgängerverein des HC Luzern) in die Nationalliga B aufgestiegen war, erreicht in seiner 22. Saison seine Spieler nicht mehr. Arno Del Curto ist 62 und in seiner Art ein «Altrocker» und Hockeyromantiker. Werte und Lebensstil, die er vertritt, waren einst aufregend. Bei der «Generation Smartphone» provoziert er hingegen höchstens noch ein «na und?». Das wilde Tempo-Hockey und die Trainingsintensität, die er in Davos eingeführt hatte, waren einst revolutionär. Wer modernes Hockey erlernen wollte, reiste einst nach Davos hinauf wie der Sinnsuchende zum Dalai Lama. Heute können auch im Flachland alle Tempo, und wer im Hockey weiterkommen will, besucht die Akademie in Zug.

Weil der Trainer nicht in Frage gestellt werden kann und darf, wird in Davos gerne auf gesellschaftliche Entwicklungen verwiesen. Es sei eben schwierig geworden, ein Hockey-Unternehmen in den Bergen zu finanzieren. Die Spieler leben, lieben und spielen lieber in den urbanen Zentren. Doch so ist es nicht. Ambri beweist, dass Eishockey in den Bergen, in einer Randregion heute noch möglich und cool ist. Ambri ist der neue HCD und der 37-jährige Tessiner Luca Cereda der neue Arno Del Curto. Die neue Lichtgestalt der Trainer und erst noch drei Jahre jünger als damals Arno Del Curto in der ersten HCD-Saison.

Ambri mahnt an den wilden HCD in den 1990er-Jahren

Der HCD hat sogar die besseren Voraussetzungen als Ambri. Davos ist ein Weltkurort. Hier haben viele Zürcher Goldküsten-Millionäre ihren Zweitwohnsitz und helfen gerne mit, den HCD ein wenig zu alimentieren. Der Spengler Cup ist ein sportliches Weltkulturerbe und spült dem HCD Jahr für Jahr mindestens zwei Millionen in die Kasse. Ambri ist hingegen ein «Geisterdorf» am Südfuss des Gotthard. Kein Kurort. Fast ganz verlassen, seit die Schnellzüge nicht mehr halten und die Autos auf dem Highway durchs Tal brausen. Davos hat von allen Orten auf der Alpennordseite am meisten Sonnentage. In Ambri kommt die Sonne vom November bis im Februar nicht mehr hinter den mächtigen Bergen hervor. Ein düsterer Ort.

Und doch lebt Ambri. Ja, Ambri rockt inzwischen mit seinem dynamischen, mutigen, leidenschaftlichen, mitreissenden Jugendstil die Liga und ist die Mannschaft der Stunde. Ambri mahnt an den wilden HCD nach dem Wiederaufstieg in den 1990er-Jahren und nun ist sogar eine Playoff-Qualifikation ist möglich.

Die aktuelle Krise der Davoser ist bei weitem nicht so schlimm wie jene, die Ambri inzwischen überwunden hat. Ambri musste zweimal sogar in die Liga-Qualifikation. Die letzte Chance war eine Revolution. Luca Cereda und Paolo Duca haben diese Chance genutzt.

Liebäugeln die Davoser vielleicht doch mit Cereda?

Ist also Ambri Vorbild und Hoffnung für den HCD? Ja und Nein. Ja, weil die äusseren Voraussetzungen in Davos oben nicht schlechter sind als in der Leventina. Nein, weil es in Davos wieder eine Revolution braucht. Aber Revolutionen können nur charismatische Persönlichkeiten machen. Wie Arno Del Curto ab 1996 in Davos. Wie jetzt Luca Cereda und Paolo Duca in Ambri. Aber so wie Kuba keinen zweiten Fidel Castro, so findet Davos keinen neuen Arno Del Curto. Ohne Revoluzzer keine Revolution.

Kürzlich ist Gaudenz Domenig im kleinen Kreis darauf aufmerksam gemacht worden, dass der perfekte neue HCD-Trainer Luca Cereda heisst. Worauf der HCD-Präsident ganz spontan und ehrlich sagte: «Ja, aber wir dürfen doch Ambri den Cereda nicht wegnehmen!» Wo er Recht hat, da hat er recht. Oder geht da vielleicht doch etwas?

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