Interview

Dem EV Zug droht ein Millionenverlust – CEO Patrick Lengwiler erklärt

Der Eishockey-Betrieb ist vorerst auf Eis gelegt. EVZ-CEO Patrick Lengwiler spricht über die Ausnahmesituation und zieht Bilanz zur Qualifikation.

Philipp Zurfluh
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Macht Ihnen das Corona-Virus persönlich Angst?

Patrick Lengwiler: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Es beschäftigt mich, aber Hysterie ist nicht angebracht. Es ist schwierig abzuschätzen, welche Massnahmen sinnvoll sind. Es liegt nicht an uns, das zu entscheiden, sondern ist Sache der Politik.

Der EV Zug wird frühestens am 17. März in die Playoffs starten. Wie bewerten Sie den Entscheid, vorerst auf Geisterspiele zu verzichten und den Playoff-Start zu verschieben?

Es ist in der aktuellen Situation der einzig Richtige. Vor leeren Zuschauerrängen zu spielen ist absurd, macht keinen Spass und kostet viel Geld. Das ist so, wie wenn ein Lebensmittelgeschäft geöffnet hat, aber Kunden nicht einkaufen dürfen. Eishockey lebt von Emotionen. Und die Fans, Zuschauer und Sponsoren ermöglichen uns überhaupt, dass wir die Sportart ausführen können.

Für EVZ-CEO Patrick Lengwiler sind Geisterspiele ein Graus.

Für EVZ-CEO Patrick Lengwiler sind Geisterspiele ein Graus.

Bild: Boris Bürgisser (Zug, 3. September 2019)

Sind Sie optimistisch, dass am 17. März in der Bossard-Arena der Puck eingeworfen wird?

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch die steigende Anzahl Fälle von Corona-Virus-Infizierten gibt mir zu denken. Es bleibt uns nichts Anderes übrig, als positiv zu bleiben. Ein Blick über die Landesgrenze hinaus, erstaunt mich aber schon. In Basel muss die Fasnacht abgesagt werden, ein paar Kilometer nördlich bei Lörrach feiern dagegen mehrere Tausend. In Deutschland wird Fussball vor 80 000 Zuschauern gespielt. Auch in der Schweiz kann man ohne irgendwelche Massnahmen zwei Stunden im Zug neben einer unbekannten Person reisen, aber gemeinsam ein Eishockeyspiel schauen geht nicht.

Halten Sie die Massnahmen für übertrieben?

Die Gesundheit der Bevölkerung geht vor, jedoch ist die verschiedene Handhabung aus meiner Sicht schwierig nachzuvollziehen. Mir ist wichtig zu betonen, dass es bei einzelnen Eishockeyklubs auch um Existenzen geht.

Erläutern Sie...

Heimspiele sind eine sehr wichtige Einnahmequelle der Klubs. In unserem Fall entgingen uns durch das Geisterspiel in der Bossard-Arena am Freitag Einnahmen zwischen 150 000 und 200 000 Franken. Folgen Playoff-Partien ohne Zuschauer, werden wir eine Umsatzeinbusse von über einer Million gegenüber dem Budget haben.

Was passiert mit den Tickets von Fans, die am vergangenen Freitag gegen Langnau zu Hause bleiben mussten?

Die Käufer von Einzeltickets werden laufend kontaktiert und das Geld wird zurückerstattet.

Der Zeitplan ist eng. Die Eishockey-WM (8. bis 24. Mai) steht vor der Tür. Ist für Sie auch eine Reduzierung des Best-of-seven-Modus ein gangbarer Weg?

Eine Verkürzung des Modus hätte grosse Einnahmebussen zur Folge. Aber alle müssen irgendwo Kompromisse machen. Ich denke für die Playoff-Teilnehmer kommt das eher in Frage als für Teams in der Platzierungsrunde. Diese haben viel zu verlieren, denn bei ihnen geht es um die Existenz. Wenn die Playoffs am 17. März nicht beginnen können, stehen wir vor einem Problem.

Eishockey ist ein Kontaktsport. Der Umgang mit dem Corona-Virus ist auch für die Spieler eine Herausforderung. Wie werden sie sensibilisiert?

Das Hauptaugenmerk wird auf die Hygiene gelegt. Doch Verhaltensregeln in diesem Bereich sind bei uns schon immer gross geschrieben worden, denn auch in jedem anderen Jahr bildet eine Grippe ein latentes Risiko und gilt es von der Garderobe fernzuhalten. Die Spieler sind genug verantwortungsbewusst, um die Situation richtig einzuschätzen und nicht in Panik zu verfallen.

Die Zeit ohne Ernstkampf ist lange. Wie überbrückt der EV Zug die Zeit?

Die sportliche Leitung wird nächstens darüber entscheiden. Zur Debatte stehen interne Trainingsspiele, aber auch Partien gegen National- oder Swiss-League-Teams.

Noch ein paar Worte zum sportlichen Abschneiden des EV Zug. Wie orten Sie den zweiten Platz in der Qualifikation ein?

Ich ziehe ein sehr positives Fazit. Die Phase mit einigen Verletzten haben wir gut weggesteckt. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir dort oben stehen. Die Liga ist ausgeglichen wie selten zuvor. So hat es zum Beispiel den SC Bern erwischt.

Der EV Zug wollte diese Saison Titel gewinnen, zwei sind bereits weg. Der Klub steht unter Druck.

Wir haben das Ziel, Meister zu werden. Die beiden Niederlagen gegen die ZSC Lions haben uns aber klar aufzeigt, dass wir uns steigern müssen. Wir haben zu viele Fehler gemacht. Das muss in den Playoff-Spielen besser werden, sofern sie stattfinden.