«Den Luzerner Marathon lauf’ ich nie wieder»…

…und trotzdem startet der Krienser Stefan Amstutz am Sonntag beim Luzerner Marathon in die 42-km-Strecke.

Turi Bucher
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Stefan Amstutz (in Blau) inmitten seiner Krienser Laufgruppe.Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 22. Oktober 2019)

Stefan Amstutz (in Blau) inmitten seiner Krienser Laufgruppe.Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 22. Oktober 2019)

Es ist auch schon wieder zwölf Jahre her, 2007 war’s, als Stefan Amstutz in Luzern seinen allerersten Marathon in Angriff nahm. Amstutz war damals 34 Jahre alt, jetzt ist er also 46, und eines kann mit 99-prozentiger Sicherheit behauptet werden: Der Krienser wird am Sonntag am Swiss City Marathon in Luzern eine deutlich bessere Zeit laufen als noch vor zwölf Jahren.

«Welten», sagt Amstutz, würden zwischen seinem damaligen Formstand und seiner Fitness von jetzt und heute liegen. «Ich gebe es zu, ich war 2007 nicht optimal vorbereitet.» Die Konsequenz daraus: Amstutz musste nach 25 km kapitulieren… zumindest ein bisschen. «Statt gerannt, bin ich die restlichen 17 Kilometer halt einfach noch ziemlich schnell gelaufen.» Die Beine waren schwer geworden, die Kraft fehlte, als das Ziel nahte, rückte an diesem Oktobersonntagnachmittag dafür die Abenddämmerung sicheren Schrittes näher. «Auch im Nachgang habe ich ziemlich ­gelitten», erinnert sich Amstutz. «Danach war es ein paar Tage lang gar nicht schön anzuschauen, wie ich gelaufen bin.» Das allerdings kann man durchaus auch mal bei routinierteren Marathonläufern beobachten.

Der Jungfrau-Marathon als Inspiration

Amstutz jedenfalls sprach damals quasi ein Versprechen aus, das er nicht halten konnte. Er sagte nämlich: «Den Luzerner Marathon, den lauf’ ich nie mehr wieder.» Unterdessen ist er in Luzern zwar jeweils Ende Oktober 7-mal den Halbmarathon gelaufen, hat er sich in den vergangenen Jahren im Verbund des «Marathon Team Kriens» läuferisch stets fit gehalten. Dienstags und sonntags steht die Laufgruppe im Training, auf dem Programm stehen Läufe bis hinauf zur 30-km-Distanz, Hügelläufe, Intervalltrainings. Dass Amstutz sein ehemaliges «Versprechen» nicht hält, ist tatsächlich seiner Fitness geschuldet. Der im Berufsleben als ­Informatiker beziehungsweise Netzwerk-Engineer tätige Amstutz lief in diesem Sommer nämlich den zweiten Marathon in seinem Leben, den Jungfrau-Marathon. «Das hat mich inspiriert, dieser Marathon hat mir gezeigt, dass ich in Form bin.» Und deshalb hat Amstutz relativ kurzfristig, vor rund drei Wochen, entschieden: «Den Luzerner Marathon, den nehm’ ich noch mit.» Es wird dies übermorgen also Amstutzens dritter Lauf über die gesamte Marathonstrecke sein, nach Luzern 2007 und Jungfrau 2019. «Es wird für mich vor allem eine mentale Herausforderung», sagt er, «aber ich weiss, in Luzern werden die Läufer von den Zuschauern am Strassenrand beflügelt.» So, wie Amstutz in seiner Freizeit jeweils den FC Luzern oder die Fussball-Nationalmannschaft sogar bei Auswärtsspielen anfeuert. «30 Spiele der Nati in anderen Ländern kommen insgesamt sicher zusammen», zählt «Stötzu», wie ihn die Kollegen rufen, nach.

Samstags Pasta-Plausch, sonntags Isabels Hopp-Rufe

Animiert wird Amstutz am Sonntag auch von Ehefrau Isabel, mit der er seit Juli dieses Jahres verheiratet ist und die beim «Schweizerhof» auf dem Trottoir «Hopp» rufen wird. Aufgeregt und gwundrig im Kinder­wagen mit dabei und noch nicht so richtig im Marathon-Modus: der 13 Monate junge Phil.

Den morgigen Samstag wird Stefan Amstutz im Schongang bestreiten. Er wird im Hotel Schweizerhof seine Startnummer abholen, sich gleichenorts beim Pasta-Plausch verköstigen. Davor steht im Krienser Obern­augebiet ein halbstündiges Tapering-Training auf dem Programm, um den Körper, die Muskeln, die Sehnen anzuregen. «Ich werde früh ins Bett gehen und mich ausruhen», sagt Amstutz, «wenn es Phil zulässt, schon um 7 oder 8 abends.»

Eine unerwartete Verletzung mal ausgeklammert, wird Amstutz diesmal viel früher durchs Ziel laufen als noch vor zwölf Jahren. Und vor allem: rennend, nicht laufend oder gehend. Die Zeit ist nicht so wichtig, sie wird ohnehin besser sein als die dokumentierte Ziel-Ankunft von «Amstutz Ausgabe 2007». Immerhin, er sagt: «Es soll am Schluss eine 3 ganz vorne stehen…». Was heissen soll: «Eine Zeit unter 4 Stunden will ich dann schon erreichen.»