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Der 806. des Halbmarathons sagt zehn Minuten nach dem Zieleinlauf: «Jetzt lebe ich wieder»

Rajeevan Thiyagarajah läuft abgekämpft durchs Ziel – und muss gleich mal seinen Namen aufschreiben.
Turi Bucher
Klatschen sich im Ziel ab: Rajeevan Thiyagarajah (links) und Jean-Pascal Varescon. (Bild: Corinne Glanzmann)

Klatschen sich im Ziel ab: Rajeevan Thiyagarajah (links) und Jean-Pascal Varescon. (Bild: Corinne Glanzmann)

Halbmarathon Kollege Jean-Pascal Varescon (23) wartet seit rund zwei Minuten im Ziel, da kommt er endlich angerannt: Rajeevan Thiyagarajah (24) hat es jetzt auch geschafft, hat die rund 21 Kilometer auch hinter sich gelassen.

Raj ... wie bitte? Der Stadtluzerner, mittlerweile in Kriens-Obernau wohnhafte Finance-Student keucht, ringt etwas nach Luft und sagt: «Moment, es ist wahrscheinlich besser, wenn ich Ihnen meinen Namen aufschreibe.»

Der für den Akademischen Sportverband Zürich gestartete Thiyagarajah hat den Halbmarathon in 1:37.13,4 Stunden geschafft. Das trug ihm in Luzern in seiner Alterskategorie den 168. Rang ein, unter allen Halbmarathon-Läufern Rang 806. Varescon, als Mitglied von Run-Frankfurt am Start, ist gar eine Zeit von 1.35.11,1 gelaufen. Schlussklassierung: Rang 147; Overall 679.

Ende Jahr am Silvesterlauf von Frankfurt

Kennen gelernt haben sich die beiden bei einem Lauftreff in Frankfurt, wo Varescon lebt. Thiyagarajah hatte dort von April bis August dieses Jahres ein Austauschsemester absolviert. Zusammen waren sie zuletzt den 10-km-Lauf von Obertshausen nahe Offenbach und dies wiederum nahe Frankfurt gelaufen. «In meiner Altersklasse bin ich vor Ort der Schnellste», sagt Varescon, was auch erklärt, wieso er in Luzern zwei Minuten schneller im Ziel war als Thiyagarajah. Als nächster Lauf steht – Thiyagarajah wird dann wieder nach Deutschland reisen – der Silvesterlauf von Frankfurt auf dem Programm.

Den Samstag dieses Wochenendes in Luzern hatten die beiden mit einem gemeinsamen Spaghetti-Essen bestritten. Thiyagarajah ging um Mitternacht zu Bett. «Eigentlich wollte ich früher schlafen», erzählt er, «aber ich war schon ziemlich nervös.»

Bei Varescon wurde es sogar 1 Uhr nachts. «Ich musste noch für die Prüfungen lernen. Am Montag geht es mit der Eisenbahn zurück nach Frankfurt. Dort wartet auf mich das Staatsexamen in Medizin», sagt Varescon. Und fügt an: «Wenn ich da durchs Ziel laufe, bin ich Arzt.» Varescon übernachtete an diesem Wochenende übrigens in Brunnen. Sein Vater lebt dort und arbeitet seit einigen Jahren in Schwyz als Safety Manager.

Vom Halbmarathon zum Hochzeitsfest

Zurück zu Rajeevan Thiyagarajah. Sein Eltern waren 1989 aus Sri Lanka in die Schweiz gekommen, 1994 kam er in Luzern zur Welt. Sein Bruder Sujevan (27), ebenfalls Student, spielt in Winterthur auf hohem Niveau Badminton, seine Schwester Bavetha (22) absolviert die KV-Berufsmatura. Am Marathon- Anlass waren sie allerdings nicht mit dabei. Für Rajeevan ging’s nach dem Halbmarathon gleich weiter: Er ist am Sonntagnachmittag in Littau zu einem Hochzeitsfest einer Kollegin eingeladen.

Der echte Marathon übrigens, die 42,195-km-Strecke, ist für beide aktuell noch kein Thema. Darauf angesprochen, verzieht Thiyagarajah wie gequält das Gesicht, während Varescon sagt: «Ich will den Halbmarathon zuerst in einer Zeit unter einer Stunde und 20 Minuten laufen. Dann traue ich mir den Marathon zu.»

Und, wie geht es inzwischen, zehn Minuten nach den 21,195 Kilometern, dem halben Marathon? Der Luzerner Rajeevan Thiyagarajah lacht jetzt. Er sagt: «Als Sie mich im Zielraum aufgehalten haben und ich Ihnen meinen Namen aufschreiben musste, war ich ziemlich erschöpft. Jetzt bin ich wieder da. Jetzt lebe ich wieder.»

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