Handball

Der nächste Gegner von Kriens-Luzern will nicht mehr ein Punktelieferant sein

Der HC Kriens-Luzern gastiert bei NLA-Abstiegskandidat Endingen. Dort herrscht trotz trüber Tabellenlage Aufbruchsstimmung.

Stephan Santschi
Drucken
Teilen
Endingens Trainer Zoltan Majeri ist ein Kosmopolit und ein Fan der nordeuropäischen Handballschule.

Endingens Trainer Zoltan Majeri ist ein Kosmopolit und ein Fan der nordeuropäischen Handballschule.

Claudio Thoma / freshfocus

Die 34:36-Niederlage gegen Pfadi Winterthur ist abgehakt, der Fokus der Krienser Handballer richtet sich auf die nächste Aufgabe, das Auswärtsspiel beim TV Endingen (Samstag, 18 Uhr, live auf handballtv.ch). «Die Abwehr gegen Pfadi war desolat, doch jede Saison gibt es mal solch ein Blackout. Wir haben hart an der Deckung gearbeitet, müssen nun wieder zu unserem Spiel finden», erklärt Trainer Goran Perkovac. Und mit Blick auf die Herausforderung im Aargau hält er fest: «Es kann vieles passieren, doch Endingen darf gegen uns keine Punkte holen.»

Die Endinger sind aktuell auf dem vorletzten Platz der NLA-Tabelle klassiert, spielen wie erwartet gegen den Abstieg. «Wir hatten im Sommer einige Abgänge von Routiniers, insgesamt verloren wir 300 Tore und viele Jahre Erfahrung. Wir befinden uns in einem Umbruch», sagt Zoltan Majeri, der Trainer Endingens. Seit Januar 2018 steht er an der Seitenlinie, stieg mit der Mannschaft ab, wieder auf und versucht sie nun trotz der schwierigen Umstände in der Liga zu halten. Mehr noch: «In Zukunft möchten wir, dass Endingen nicht mit, sondern gegen seine Konkurrenten spielt.» Sprich: Der Underdog begehrt auf, will nicht mehr Punktelieferant sein und schon gar nicht zwischen NLA und NLB hin- und herpendeln.

Endingens Trainer spricht neun Sprachen fliessend

Diese Arbeit reizt Majeri. Etwas von Grund auf neu aufbauen, junge Spieler formen – das entspricht seiner Vorstellung der Trainerarbeit. «Ich bin ein Fan der nordeuropäischen Handballschule. Ich setze auf schnelles Spiel, Kommunikation und Vertrauen.» Neun Sprachen spricht der 47-jährige Ungar-Franzose fliessend, wobei er Deutsch gar nicht dazurechne, wie er in gutem Deutsch erklärt. Weshalb? «Erst wenn ich mit Ihnen über philosophische Dinge sprechen kann, spreche ich eine Sprache fliessend.»

Den Multilingualismus eignete sich Majeri an den vielen Stationen im Ausland an. Er war Torhüter, ein ziemlich guter sogar, spielte in Frankreich, Mazedonien, Ukraine, Deutschland, Dänemark, Island und der Schweiz (GC). «Wenn ich die Sprache und die Mentalität nicht verstehe, dann verstehe ich auch den Menschen nicht», so lautet eine der Lehren aus seinem Leben als Kosmopolit.

Am meisten Eindruck macht ihm dabei nicht der Gewinn einer Trophäe, sondern die Leidenschaft für seinen Sport. Befragt nach seinem Karrierehighlight nennt er nicht etwa die Meistertitel in der Ukraine und Island oder seine Champions-League-Einsätze, sondern er erzählt von einem Erlebnis mit einem Fan. «In der Ukraine legte ein alter Mann für ein Autogramm 200 Kilometer zurück. Das ist Herzblut.»

Wenig Geld, wenig Kilos, wenig Zentimeter

Herzblut brauchen auch die Endinger, um konkurrenzfähig zu sein. «Wir treten mit dem kleinsten Budget, den wenigsten Kilos und den wenigsten Zentimetern an.» Sieben Schweizer hätten bei ihnen in dieser Saison bereits debütiert, mit dem kanadischen Neuzuzug Justin Larouche seien es sogar acht Neulinge. Kompensiert werden soll dies auf dem Platz mit Tempo, «ich möchte Speed-Handball», sagt Majeri – im Wissen, dass bei einer so jungen Truppe dann auch mehr Fehler passieren. «40 bis 50 Minuten lang halten wir gut mit, in der Crunchtime fehlen dann aber oft die Routine und der Killerinstinkt.» Als Konsequenz reichte es bisher nur zu einem Saisonsieg.

Mit dem HC Kriens-Luzern erwartet Zoltan Majeri eine sehr starke Mannschaft, «nicht nur für den TVE, sondern für die ganze Handball-Schweiz ist es schwierig, gegen die Krienser zu punkten». Der Endinger Trainer sagt aber auch: «Zwei Punkte sind immer mein Ziel.»