Fussball

Der Abstieg könnte für den SC Kriens sehr bald wieder ein Thema sein

Der SC Kriens nimmt am Freitag (20.00) auswärts beim FC Winterthur den Challenge-League-Betrieb wieder auf.

Turi Bucher
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SCK-Trainer Bruno Berner (Mitte): «Im Fussball gibt es keine Zufriedenheit.»

SCK-Trainer Bruno Berner (Mitte): «Im Fussball gibt es keine Zufriedenheit.»

Marc Schumacher / Freshfocus

Der SC Kriens hat das erste Viertel der dritten Saison nach dem Aufstieg gut hinter sich gebracht. Mit 11 Punkten aus 9 Spielen ist der SCK auf Rang 5 platziert, der Zweitplatzierte hat nur einen Punkt mehr auf dem Konto. Kriens hat ausserdem mit dem 5:2-Heimsieg gegen die Grasshoppers für die Sensation des ersten Quartals gesorgt.

Zufriedenheit also beim Zentralschweizer Challenge-League-Vertreter? Kriens- Trainer Bruno Berner sagt: «Zufrieden? Wir alle streben nach einem zufriedenen Leben. Aber im Fussball gibt es keine Zufriedenheit.» Berner rechnet vor: «In der ersten Saison hatten wir nach neun Spielen neun Punkte. Dann letztes Jahr zwölf Punkte. Und jetzt elf. Wir sind in unserer Zone. Aber für den richtigen Durchbruch war es zu wenig.» Und der Krienser Trainer ergänzt: «Letzte Saison haben wir über unseren Verhältnissen gepunktet. Schön war’s. Doch Spielerabgänge wurden nicht eins zu eins ersetzt, also müssen wir letzte Saison noch schneller vergessen, als uns vielleicht lieb ist.»

Ja, der Schein trügt, die Tabelle lügt. Mindestens ein bisschen. Denn wer diese Tabelle ein wenig genauer studiert, realisiert, dass es eine Coronarangliste ist. Winterthur, der nächste Gegner des SC Kriens, hat zwar einen Punkt weniger als der SCK, aber auch vier Spiele weniger ausgetragen. Nach Verlustpunkten könnten die Zürcher sogar Tabellenleader sein. Und Kriens? Wäre nach Verlustpunkten nicht mehr Fünfter, sondern auf Rang 9 Vorletzter. Sogar «Abstiegsfavorit» Chiasso könnte mit zwei Siegen in Nachtragsspielen bis auf zwei Punkte gefährlich nahe an das Berner-Team heranrücken. Der Abstieg könnte in Kriens also wieder sehr bald ein – unliebsames – Thema sein. «Auch wenn Chiasso herankommt, auch wenn der 10. Rang näher rückt, beunruhigt uns das nicht. Das ist der SCK, das sind wir – stets mit einer Überlebensstrategie», beschwichtigt Berner.

Zuletzt brotlose Kunst gegen den Tabellenletzten

Eine Überlebensstrategie, die nicht immer funktioniert. Gut, auf der einen Seite steht die Sensation gegen GC. Auf der anderen Seite aber plötzlich wieder ein katastrophaler Fehlpass vor dem eigenen Strafraum (der zur Heimniederlage gegen Thun führte). Und auch im Angriff herrscht manchmal dichter Nebel: «Wir haben in sechs Partien kein Tor aus dem Spielverlauf heraus erzielt. Ich habe in meinem Kader gute Akteure für das Spiel von Strafraum zu Strafraum. Aber … die Partien werden im Strafraum entschieden.», kritisiert Berner.

Nach dem Sieg gegen GC hat Kriens kein einziges Spiel mehr gewonnen und ist in ein «Loch» gefallen, hat aus vier Partien nur zwei Punkte geholt. «In ein Loch gefallen? Das sagen Sie!», erwidert Berner. «Ich finde nicht, dass wir in einem Loch sind. Wir sind auf Kurs, wir haben Wind in den Segeln.» Berner hat auch erkannt, dass seinem Team im letzten Heimspiel vor der Nations- League-Pause beim 0:0 gegen ein superharmloses Chiasso «die Kreativität im Offensivspiel fehlte». Gerade die seit Sommer neu im SCK-Kader spielenden Spieler vermögen noch nicht so recht zu überzeugen.

Was bringen die neuen Spieler dem SCK eigentlich?

Goalie Rafael Zbinden ist, wenn Pascal Brügger nicht verletzt ist, lediglich die Nummer 2. «Das kann ich so nicht bestätigen», sagt aber Berner.

Verteidiger Baba Souare bleibt im Moment vor allem als Verursacher von zwei Penaltys im Gedächtnis. «Der Penalty für Aarau war aber gar keiner», entgegnet Berner, «Aaraus Gashi hat den Elfmeter clever herausgeholt.» Gleichwohl: «Souare muss in Kriens Woche für Woche im mentalen Bereich arbeiten, muss beweisen, dass er eine Leistung ohne Aussetzer erbringen kann, bis zur nahtlosen Zuverlässigkeit.»

David Mistrafovic, vom FC Luzern gekommen, wurde bei seinem Wechsel von Berner gelobt – er sei nicht weit von der Super League entfernt. Seine Auftritte für Kriens sagen etwas anderes. «So weit weg von der Super League sehe ich ihn nicht», erklärt Berner, «seine Energie ist super, seine Technik ist gut. Als Mittelfeldspieler muss er noch sein Positionsspiel verbessern, das Spiel besser lesen und sich bewusster orientieren.»

Liridon Mulaj ist wendig, trickreich, aber nach starkem Beginn abgetaucht. Berner: «Stimmt. Er wollte zu viel, war zu verbissen. Er muss seine Leichtigkeit wieder finden.»

Izer Aliu zog sich nach seinem Wechsel zu Kriens einen Muskelfaserriss zu, ist noch nicht einsatzbereit.

Ibrahima Dieng kommt nur auf spärliche Teileinsätze, befindet sich irgendwie und irgendwo im Niemandsland. Berner: «Das lasse ich so stehen.»

Amel Rustemoski glänzt, wenn es um wenig geht, wie mit seinen drei Toren beim 4:4-Testspiel gegen den FC Basel. Berner: «Er nimmt den umgekehrten Verlauf im Vergleich mit Mulaj. Amel hatte einen schwierigen Start mit Fussproblemen. Er verfügt über eine feine Technik und kann jetzt stabil trainieren. Von ihm verlange ich mehr Durchsetzungswillen.»

Oan Djorkaeff ist mehr Name als Klasse. Was bringt er dem SC Kriens? «Er hat mit dem Namen seines bekannten Vaters in Frankreich eher gelitten. Er passt menschlich zu uns und wird fussballerisch immer besser», sagt Berner. Mittelfeldspieler Djorkaeff fand den Weg via den schottischen Premiership-Klub St.Mirren nach Kriens.

Und Progon Maloku, das Bayern/Lazio-Talent? Unsichtbar. Berner: «Auch er hatte Probleme mit dem Fussgelenk. Ich rechne damit, dass er im Dezember noch auf Einsätze kommt.»

Kriens will in Winterthur trotzdem punkten

Kriens muss am Freitag in Winterthur, das sich laut Berner bis Ende Saison in den ersten drei Rängen platzieren wird, nicht unbedingt punkten. «Wir wollen im Minimum einen Punkt mitnehmen», sagt Berner zwar, aber Kriens muss eigentlich in die andere Richtung schauen. Wenn Chiasso nämlich auch plötzlich eine Überlebensstrategie entwickelt, könnten für den SC Kriens richtig schwierige, unangenehme Quartale folgen. Reicht die Qualität im SCK-Spielerkader für mehr als Rang 9? «Fragen Sie mich das nach Beendigung des zweiten Quartals», meint Berner. «Momentan sehe ich uns zwischen Rang 7 und 9.»