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Steven Zuber, der Brasil-Schreck

Steven Zuber steht lange Zeit in der Nationalmannschaft im Hintergrund. Sein Kopfballtreffer gegen Brasilien im ersten Schweizer Gruppenspiel ändert alles und rückt einen Fussballer und Menschen ins Blitzlicht, dem dieser Trubel eher unangenehm ist.
Christian Brägger, Toljatti
Steven Zuber (Mitte) umarmt nach seinem Tor Xherdan Shaqiri. (Bild: Darko Vojinovic/AP Photo (Rostow, 17. Juni 2018)

Steven Zuber (Mitte) umarmt nach seinem Tor Xherdan Shaqiri. (Bild: Darko Vojinovic/AP Photo (Rostow, 17. Juni 2018)

Auf Instagram nennt er sich «stevenzauber», teilt seine Bilder mit 26300 Followern. Nun hat er seinem Pseudonym alle Ehre gemacht und tatsächlich etwas aus dem Hut gezaubert: nichts weniger als den Ausgleichstreffer gegen die beim Corner zonendeckenden Brasilianer, dank dem die Schweiz mit Zuversicht in die zweite Turnierwoche geht. Natürlich bringt das Tor, das sich Steven Zuber bereits mehrmals angeschaut hat, auch ein wenig Ruhm im Umfeld der Nationalmannschaft; bisher hat man den 26-Jährigen hier eher unterschätzt und übergangen denn als Gesprächspartner gefordert. Auch wagt es dieser an Armen und Beinen tätowierte Schweizer («das hat einfach irgendwann mal angefangen auf meinem Körper») sogar zu sagen, die Brasilianer sollen nicht weiter an seinem Schupfer vor dem Kopfballtor herumnörgeln. «Ich finde es schade, dass man so lamentieren kann. Das ist Fussball.»

Sich tiefer mit Zuber zu beschäftigen kann also nicht schaden, zumal es durchaus sein kann, dass er den rekonvaleszenten Admir Mehmedi im linken Mittelfeld dauerhaft und nicht nur während dieser WM vertritt.

Über den FC Winterthur in die weite Welt

Zuber spielt in der Jugend für Winterthur, schafft später als 18-Jähriger bei den Grasshoppers den Durchbruch, als diese noch ein wenig mehr Land sehen als heute. Vor allem fallen seine Übersteiger auf, 15 Stück pro Spiel, das muss einfach sein. Dies wiederum passt damals seinem Trainer Uli Forte nicht, der irgendwann sagt: «Vor lauter Übersteigern sieht er die Dribblings nicht.» Es sind wohl weniger diese ineffizienten Kunststücke, die ihn auf die Saison 2013/14 hin nach Russland zum ZSKA Moskau und in die Champions League tragen. Je nach Lesart ist sein Transfer wohl mehr dem Umstand geschuldet, dass der Rekordmeister wieder einmal Geld braucht. Jedenfalls hinterlässt der Mittelfeldspieler im Osten bis heute Spuren, auch wenn er nur ein Jahr bleibt und der Sprache nicht mächtig wird. Die einheimischen Journalisten fordern ihn an diesem späten Sonntagabend vehement ans Mikrofon, sie wollen ihm gratulieren zu seinem zweiten Treffer auf russischem Boden. Und sie wollen wissen, ob er sich denn als Held fühle. «Nein, nein, das bin ich ganz sicher nicht, ich bin einer von 23 Spielern», antwortet der Torschütze ein wenig verlegen – ein Wesenszug, den man oft sieht bei ihm.

Toooooor für die Schweeeeiz! Die Freude beim Torschützen ist gross. (Bild: Photo by Kevin C. Cox/Getty Images)
Jubel bei Haris Seferovic, Xherdan Shaqiri und Steven Zuber (von links) nach dem Tor. (Bild: Lauren Gilliéron / Keystone)
Behrami neutralisierte den Brasilianischen Star-Spieler Neymar, bis unser "Krieger" wegen einer Verletzung vom Platz musste. (Bild: AP Photo/Themba Hadebe)
Behrami und Neymar nach einem Zweikampf. (Bild: AP Photo/Darko Vojinovic)
Brasiliens Coutinho erzielte in der 19. Minute das 1:0 für Brasilien. (AP Photo/Themba Hadebe)
Ein Fan posiert mit Bundespräsident Alain Berset für ein Selfie. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Nach der Pause dann der lang ersehnte Ausgleich: Nach einem Eckball köpft Steven Zuber den Ball gekonnt ins gegnerische Tor. (Bild: Kevin C. Cox/Getty Images)
Die Schweizer freuen sich über ein hart erkämpftes Unentschieden... (Bild: KEYSTONE/Laurent Gillieron)
...Oder wie Kommentator Sascha Ruefer es formulierte: "Die Schweiz gewinnt 1:1!" (Bild: AP Photo/Themba Hadebe)
Fieberte auf der Tribüne für Ihren Valon mit: Skirennfahrerin Lara Gut. (Bild: Lauren Gilliéron / Keystone)
Herzliche Begrüssung der beiden Trainer vor dem Spiel: Vladimir Petkovic (links) und Tite. (Bild: Lauren Gilliéron / Keystone)
11 Bilder

Ein Punkt gegen Brasilien

Sportlich hilft Zuber in jeder Liga und jedem Arbeitgeber. Sein Berater Milos Malenovic sagt: «Moskau war entscheidend für seine Karriere, das hat ihn enorm weitergebracht.» Seit drei Jahren läuft der Schweizer nun in der Bundesliga für Hoffenheim auf, wo er von Trainer Julian Nagelsmann in Sachen Taktik, Technik und Physis ungemein profitiert und weswegen ihn die Schweizer Nationalspieler nun «Maschine» rufen. Zuber, mit einer ehemaligen Miss Zürich verheiratet, beisst sich in der Bundesliga fest nach einer schwierigen ersten Spielzeit. Und auch nach den Jahren in Deutschland wird er kein Lauter, vielmehr wirkt er zurückhaltend, scheu gar. Auch redet er nicht so gerne in der Öffentlichkeit, es liegt ihm wohl auch nicht so.

«Die Schweiz ist eine gute Mischung aus Kampf und Können», sagt Zuber. Ein Satz, der auf ihn selbst bestens zutrifft. Er gilt als harter Arbeiter, ehrlich, bodenständig. Er achtet auf jedes Detail und ist extrem besessen, sich ständig zu verbessern. Dabei scheut er keinen Aufwand, und auch die Übersteiger hat er noch im Repertoire, nur wendet er sie nicht mehr so oft an, weil sie keine Tore bringen.

Malenovic: «Steven wird nicht abheben»

Zuber ist also gerade en vogue, besteht da nicht die Gefahr, dass er abhebt? Ma­lenovic verneint: «Ich war gestern nach dem Spiel noch im Hotel der Nationalmannschaft. Und da war nichts von ausgelassener Freude auszumachen. Stattdessen spürte ich die Spannung, die in diesem Team steckt. Die ganze Mannschaft ist sehr diszipliniert, nach dem Abendessen gingen sie auf ihre Zimmer.»

Vielleicht könnte sich Zuber ja mit weiteren guten Leistungen bei dieser WM einem neuen Club aufdrängen, hierzu äussert sich Malenovic dezidiert: «Gewiss löst ein Tor an der WM gegen Brasilien etwas aus. Es haben sich einige Leute wegen Steven gemeldet. Es ist aber nicht so, dass er nun plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht ist. Zudem ist die Hürde für einen Wechsel hoch.» Hoffenheim ist nicht irgendwer, sondern der Dritte der abgelaufenen Spielzeit. Und Steven Zuber ist nicht mehr irgendwer. Er ist die «Maschine», der Mann mit den Übersteigern. Und der Brasil-Schreck.

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