Kolumne

Der bunte Vogel des Darts krönt seine Karriere

Peter Wright wurde am Neujahrsabend Darts-Weltmeister. Dabei sprach im Final viel gegen ihn. 

René Barmettler
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Auf Pro7 fand am Samstag die Klamaukveranstaltung «Promi-Darts-WM» statt. C-Promis und der italienische Fussballweltmeister Luca Toni («Ich kann nicht gut Deutsch, bin aber bereit für Show») hatten die Ehre, mit den besten Dartern der Welt um diesen sportlich wertlosen Titel zu spielen.

René Barmettler

René Barmettler

Am Start waren unter anderem der inzwischen zurückgetretene Rekordweltmeister Phil Taylor und der dreifache Weltmeister Michael van Gerwen. Auch Fallon Sherrock, die Engländerin, die sich an der vergangenen WM in London mitten in die Männerelite hineingespielt hatte, gab sich die Ehre. Aber die Augen des Publikums waren vor allem auf ihn gerichtet: Peter Wright, den erstmaligen und frischgebackenen Weltmeister.

Der neue Darts-Weltmeister Peter Wright.

Der neue Darts-Weltmeister Peter Wright.

Bild: Getty

Am Neujahrsabend, in einem packenden Final im Alexandra Palace, schlug er den haushohen Favoriten van Gerwen mit 7:3 Sätzen. Sechs Jahre zuvor noch wollte der Schotte die Profikarriere hinschmeissen, finanzielle Nöte plagten die Familie. Die 100'000-Pfund-­Prämie aus der WM-Finalteilnahme 2014 gegen van Gerwen half ihm aus der Patsche, Wright machte weiter. Er hielt sich seither mitten in der Weltelite, ganz grosse Erfolge blieben indes aus. Im Premier-League-Final 2017 etwa vergab Wright sechs Matchdarts und musste sich am Ende geschlagen geben, zuletzt im Oktober 2019 waren es im Final der Champions League erneut drei Matchdarts.

Diesmal an der WM waren es zwei, aber der dritte landete in der geforderten Doppel-10. Der 49-Jährige schlug sich die Hände vor das Gesicht, Tränen flossen. Der Pokal und die 500'000 Pfund hohe Prämie (rund 650'000 Franken) waren ihm sicher.

Momente später feierte «Snake­bite» mit der schottischen Flagge und der gewaltigen Sid-Waddell-Trophy in den Händen seinen ersten WM-Triumph. «Ich hatte schon im Vorfeld das Gefühl, dass ich dran bin. Das ist unglaublich», sagte Wright danach: «Van Gerwen ist ein grossartiger Spieler, aber jetzt bin ich tatsächlich Weltmeister.» Von seinem niederländischen Konkurrenten gab es Lob. «Peter hat hervorragend gespielt. Ich hatte genug Chancen, um wieder in Führung zu gehen. Doch gegen Peter solche Chancen liegenzulassen, das geht nicht, dann verlierst du», sagte Van Gerwen.

Dabei hatte die Bilanz vor dem Final deutlich für den 30-Jährigen gesprochen. In den neun bisherigen Major-Finals gegen Wright war der Star der Szene stets als Sieger von der Bühne gegangen – auch im erwähnten WM-Final 2014. «Ich denke, er hat mehr Angst vor mir als ich vor ihm», hatte Van Gerwen deshalb unmittelbar nach dem Halbfinalsieg gegen Nathan Aspinall (6:3) in Richtung seines Finalgegners gestichelt. Nach zwei schwachen Weltmeisterschaften zuletzt spielte sich Wright in diesem Jahr zurück ins Rampenlicht. Seine Schreckensbilanz polierte er nun mit dem wichtigsten aller Titel auf.

Michael van Gerwen holte am vergangenen Samstag in Bonn seinen Trostpreis ab: Er gewann an der Seite von Pascal Hens, einem ehemaligen deutschen Handball-Internationalen, den Promi-Darts-WM-Titel. Die Freude war natürlich gespielt. Der Niederländer, immer noch klare Weltnummer eins, wird alles dafür tun, um Peter Wright, neu die Nummer zwei, an der nächsten WM im «Ally Pally» vom Thron zu stossen.