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Ex-Profi Andy Egli befürwortet das Coming-Out homosexueller Fussballer: «Das würde die Dramatik sofort entschärfen»

Andy Egli ist 80-facher Nationalspieler, Trainer und Fussballexperte. Ein Gespräch mit dem 60-Jährigen, der sein Fussball-ABC beim FC Amriswil erlernte, über sein Fitnessrezept, sich auf dem Boden wälzende Profis wie Neymar – und warum er für seinen ehemaligen SRF-Studiopartner Gilbert Gress die Auswechslungen machen muss.
Tim Frei
Sein Feuer für den Fussball brennt nach wie vor: Andy Egli beherrscht den Ball am Hauptbahnhof Zürich mit 60 Jahren wie zu seiner besten Zeit. (Bilder: Benjamin Manser/8. März 2019)

Sein Feuer für den Fussball brennt nach wie vor: Andy Egli beherrscht den Ball am Hauptbahnhof Zürich mit 60 Jahren wie zu seiner besten Zeit. (Bilder: Benjamin Manser/8. März 2019)

Als Spieler erlebten Sie Ihre erfolgreichste Zeit bei GC – vier Meistertitel und vier Cupsiege. Der Rekordmeister ist in akuter Abstiegsgefahr. Blutet Ihr Herz?

Andy Egli: Emotional bin ich seit 2007 weit weg von GC. Damals fand das letzte GC-Spiel im Hardturm gegen Xamax statt – ich verfolgte es von der Tribüne. Der Auszug aus dem Hardturm ohne gesicherte Alternative ist für mich noch heute unverständlich.

Seither trägt der Club die Spiele im Letzigrund aus.

Ein Unding – der Letzigrund ist und bleibt die FCZ-Heimstätte und ist zudem kein echtes Fussballstadion! Da kommt keine Atmosphäre wie in anderen Stadien auf. Und der Campus in Niederhasli: Wie kann ein Stadtclub in die Agglomeration ziehen?

Profis von heute spielen oft «Fifa» auf der Konsole. Machen Sie das gelegentlich auch?

Nein, und ich werde das wohl auch nie tun. Fussball findet auf dem Rasen statt, Emotionen sind im Spiel. Die digitalisierte Welt dagegen ist unecht und emotionslos – der direkte Bezug zum Mitmenschen erfolgt über einen Controller.

Sie sehen mit 60 Jahren immer noch fit aus. Gehen Sie ins Gym?

Auch das mache ich nicht. Ich habe meinen eigenen Fitnesskeller, das ist viel effizienter. Zudem wimmelt es in den Fitnesszentren von Menschen, denen es wichtiger scheint, wie sie von den anderen wahrgenommen werden. Mein persönlich höchstes Gut ist die Gesundheit – ihr will ich Sorge tragen

Wie halten Sie sich fit?

Meine Trainings sind ausgewogen und ich nehme mir auch freie Tage. Drei Mal pro Woche bewältige ich mit meinem Citybike die gleiche Strecke, so rund 20 Kilometer. Am jeweiligen Folgetag absolviere ich ein Krafttraining in meinem Keller – einen Tag die unteren, am nächsten die oberen Körperteile. Mein Programm beginnt bereits nach dem Aufwachen.

Erzählen Sie.

Ich starte mit Beweglichkeitsübungen schon im Bett. Dann dusche ich, im Wechsel heiss-kalt-heiss-kalt. Anschliessend trinke ich Wasser vom Hahn, gefolgt von einem Smoothie, einem bis zwei Kaffees und einem reichhaltigen Frühstück.

Es gibt heute kaum noch Spieler ohne Tattoos oder ausgefallene Frisuren. Das war zu Ihrer aktiven Zeit anders. Dafür trug man bedeutend engere Hosen ...

... dafür sind die Trikots taillierter geworden, damit alle ihre Waschbrettbäuche präsentieren können.

Wir machten damals aber genauso Mist wie die Fussballer heute. Nach den Spielen haben wir in den Nachtclubs die Sau rausgelassen.

Das ist heute mit Instagram und Facebook nicht mehr möglich. Ich bin weit davon weg, die Fussballer wegen ihrem Verhalten zu verurteilen. Aber es gibt einen Punkt, wo ich ein Fragezeichen setze.

Und zwar?

Das Umfallen und auf dem Rasen liegen bleiben – wie es Neymar an der WM übertrieben vorgemacht hat. Meine Feststellung: Wenn die Kamera in solchen Momenten auf die Spieler gerichtet ist, überlegen sie sofort, wie sie sich verhalten müssen, damit ihr Betrügen nicht entdeckt wird. Das ist für die gesellschaftliche Entwicklung des Fussballs sehr negativ.

Sie sind mittlerweile seit über 20 Jahren Fussballexperte beim SRF. Vermissen Sie Ihren Ex-Studiopartner Gilbert Gress?

Ich schätze ihn sehr. Er ist eloquent, höflich, und er hat Manieren – ein richtiger Monsieur. Dieser Monsieur hat aber auch seine Schattenseiten. Als Trainer der Suisse Legends (Anm. d. Red.: Vereinigung von ehemaligen Nationalspielern und -spielerinnen; Egli ist Mitgründer und Geschäftsführer der Organisation) ist Gilbert eine echte Herausforderung. Er will immer gewinnen. Bei uns Spielern steht aber der Spass im Vordergrund und es sollen auch alle zum Einsatz kommen. Er hingegen hat dafür nicht sehr viel Verständnis. Und da diese Feste bei Jubiläen im Breitensport stattfinden, muss ich jeweils für ihn die Auswechslungen vornehmen!

2016 machten Sie Ihr SRF-Honorar publik (ca. 2000 Franken pro Sendung inklusive Spesen). Was war der Grund?

Ich bin für eine transparente Haltung. Deshalb habe ich beispielsweise auch über meine Krebserkrankung im Fernsehen geredet.

Die SRG ist eine öffentlich-rechtliche Institution, da sollen doch die Menschen wissen, was hinter den Kulissen passiert, und wie hoch eine Leistung honoriert wird.

Viele Schweizer und Schweizerinnen sind in dieser Beziehung zu wenig offen.

Ein grosses Tabuthema im Fussball ist die Homosexualität. Wären Sie im Zuge der Forderung der Transparenz dafür, dass sich die Fussballer outen?

Selbstverständlich. Das würde die Dramatik sofort entschärfen. Ob ein Fussballer eine Frau oder einen Mann liebt, liegt doch in seiner Verantwortung, und das gilt es zu respektieren.

(National-)Spieler, Trainer, CEO, Familienvater

André «Andy» Egli, geboren am 8. Mai 1958, legte den Grundstein für seine Karriere in Amriswil, wo er zehn Jahre kickte. Mit 20 wechselte der Innenverteidiger zum Grasshopper Club Zürich, wo er mit Ausnahme der Saison 1984/85 (Borussia Dortmund/Bundesliga) elf Jahre lang unter Vertrag stand. Weitere Stationen als Spieler waren Xamax Neuenburg und Servette, zudem absolvierte er bis 1994 80 Spiele für die Nationalmannschaft. Als Trainer wirkte der gebürtige Schaffhauser unter anderem in Thun, Luzern, Aarau sowie in Deutschland (Waldhof Mannheim) und Südkorea (Busan I‘Park). Von November 2003 bis Ende Juni 2004 war er CEO und Geschäftsführer beim FC St. Gallen. Andy Egli ist verheiratet und Vater von vier Kindern und sieben Enkelkindern. Mit Ehefrau Silvana wohnt er in Bern. (tm)

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